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Lebensmittel
Bio-Salat aus dem Speckgürtel

Ina Matthes / 26.06.2019, 08:00 Uhr
Dahlewitz (MOZ) "Ham wa nich". Dieser Satz fällt manchmal noch in Dahlewitz beim Bioproduzenten Jouis Nour.

Wenn eine Sorte Salat nicht lieferbar ist, weil es ein bestimmtes Biogemüse gerade nicht ausreichend gibt. So wie im Dürresommer 2018. "Das ist selten, aber kommt vor", sagt Bernhard Klapproth. Der frühere Postmanager, Gründer der Pin Group AG, betreibt zusammen mit seiner Frau Martina die Manufaktur für Bio-Snacks Jouis Nour. Vor etwas mehr als einem Jahr ist die Firma von Berlin ins Dahlewitzer Gewerbegebiet in den Speckgürtel umgesiedelt. Die Verkehrsanbindung ist super, sagt Klapproth "Eine Auto-Minute von der Autobahn entfernt und 15 Minuten vom Flughafen." Die Internetanbindung dagegen– "ist eine Katastrophe".

In Brandenburg willkommen

Der Hersteller von Tiefkühl-Snacks und Salaten ist aus Berlin-Adlershof weggezogen, weil es für die geplante Firmenerweiterung dort keinen Platz gab. Als Produzent von Lebensmitteln fühlte sich Klapproth im technisch-orientierten Technologiepark Adlershof nicht erwünscht. In Brandenburg hingegen wurde das Berliner Unternehmen mit viel Unterstützung empfangen, sagt Klapproth. "Wir sind sehr positiv aufgenommen worden."

In einer 1400 Quadratmeter großen Halle am Rand des Dahlewitzer Gewerbegebietes produzieren 50 Mitarbeiter nun Tiefkühl-Snacks und Salate für die Kühltheke – in Bioqualität und nachhaltig. So die Firmenphilosophie.

Denn Klapproth ist überzeugt, dass wir so nicht weiter wirtschaften können. Dass man etwas tun muss gegen die Treibhausgase aus Benzin- und Dieselautos, den Feinstaub in den Städten, ungesundes Fast-Food und die Zunahme von Diabetes-2-Erkrankungen. Vor zwölf Jahren sind er und seine Frau Martina deshalb ins Biofach gewechselt. Und waren zu früh. Ihre Bio-Restaurants in Berlin mussten sie wieder schließen. Doch die Situation hat sich grundlegend gewandelt. Bio boomt und Hersteller erzielen bessere Preise für ihre Produkte. Als vor etwa zwei Jahren der Biofachhandel begann zu stagnieren, zogen Biowaren zunehmend in die Regale des konventionellen Handels. Jouis Nour bedient beide. Herstellen will Klapproth die Quiches, Salate und Backwaren möglichst mit regionalen Bio-Rohstoffen. "Das ist schwierig," räumt er ein. Es fehle an Biolandwirten in Brandenburg. Kräuter, Kartoffeln, Spargel oder Teltower Rübchen bezieht er zum Beispiel aus der Region. Aber die Mengen, die seine Firma brauche, seien nicht immer verfügbar.

Gesund soll das Essen sein und schmecken, das ist Firmenphilosophie. Die spiegelt sich auch im Namen wider, der sich vom französischen Jouissance (Genuss) und nourriture (Ernährung) ableitet. "Wir sind keine Dogmatiker, ich trinke auch gerne mal ein Bier", sagt Klapproth.  Aber er sei schon immer ein Fan nachhaltiger und gesunder Ernährung ohne Zusatzstoffe gewesen. Deshalb verzichte seine Firma auf  Zusatz- und Konservierungsstoffe. An die Frischesalate komme maximal Zitronensaft und Essig, bio natürlich. Erst diesen Sommer hat Jouis Nour einen Salat in den Handel gebracht, der zehn Tage gekühlt haltbar und dennoch reich an Vitaminen und Antioxidantien sei, erzählt Klapproth stolz. "Und wie gerade gemacht schmeckt." Das Geheimnis: ausgewählte Rohstoffe und ein spezieller, selbst entwickelter Herstellungsprozess. Dieser soll unter nachhaltigen Bedingungen ablaufen.

Der Bio-Produzent hat sich in einem Gewerbegebiet angesiedelt, das als "natürlich nachhaltig" für sich wirbt. Im "envopark" Dahlewitz erzeugen Photovoltaik-Anlagen Strom, Wärme kommt aus einem Blockheizkraftwerk, es gibt eine Elektrotankstelle. Die kann Klapproth nicht so nutzen, wie er es gerne würde, beklagt er. Geeignete Elktrofahrzeuge für sein Unternehmen finde er derzeit schwer am Markt. Auch bei der Verpackung, den Kunststoffbechern für die Salate zum Beispiel, wäre der Bio-Unternehmer gerne weiter. Kompostierbare Verpackung für seine Zwecke gebe es kaum. Das Material, das Jouis Nour einsetze, sei aber zu 80 Prozent aus recyceltem Material.

Komplett nachhaltig produzieren, sagt Bernhard Klapproth, das sei sein Ziel. Er hat die Erfahrung gemacht, dass das gerade bei jungen Leuten gut ankommt. "Langsam machen wir uns einen Namen als Arbeitgeber." Als das Unternehmen aus Berlin wegzog, hat es auch Mitarbeiter verloren. Ihnen war der Arbeitsweg zu lang. Von Berlin-Mitte bis nach Dahlewitz braucht man mit dem Auto etwa eine Stunde. Genaus so lang wie mit S-Bahn und Bus.

Allerdings wird es nach 18.30 Uhr schwierig, mit den Öffentlichen vom Gewerbegebiet Richtung Innenstadt zu kommen. "Ein Nachtbus würde helfen", meint der Geschäftsführer. Bernhard und Martina Klapproth wollen weiter expandieren,das Geschäft auch im Ausland ausbauen. Personal dafür zu finden ist "ein Riesenthema." Das Unternehmen will jetzt auch ausbilden. Eine Einstellungsvoraussetzung müssen Mitarbeiter laut Klapproth unbedingt mitbringen: Lust am Essen.

Von der Post zumBio-Produzenten

Bernhard Klapproth war Manager der Deutschen Post und gründete 1999 den privaten Post-Dienstleister Pin. 2007 gründete er mit seiner Frau Martina das Unternehmen Jouis Nour. Die Firma betrieb anfangs mehrere Biorestaurants in Berlin. 2017 Jahr eröffnete das Unternehmerpaar dann seine Bio-Manufaktur Jouis Nour in Dahlewitz. Der Produktionsstandort befindet sich im envopark®. Dabei handelt es sich um einen grünen Gewerbepark. Durch Gebäudeeffizienz und ökologische Energieversorgung soll dort der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert werden. ⇥red

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