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Folgen der Zuwanderung
Migranten ziehen in ärmere Viertel

Typischer Plattenbau: Auch im Frankfurter Stadtteil Neuberesinchen ist der Zuwandereranteil hoch.
Typischer Plattenbau: Auch im Frankfurter Stadtteil Neuberesinchen ist der Zuwandereranteil hoch. © Foto: René Matschkowiak
Christine Keilholz / 12.07.2019, 06:15 Uhr
Frankfurt (Oder) (LR) Zahlreiche ostdeutsche Städte sind froh darüber, dass ihre Einwohnerzahl nicht mehr sinkt, weil sich Migranten hier niederlassen. Die meisten landen allerdings dort, wo niemand gerne hinziehen möchte. Das zeigt eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin.

Der Soziologe Marcel Helbig hat in 83 deutschen Städten untersucht, wie sich Einwohner ohne deutschen Pass dort verteilen. Entscheidend waren die Veränderungen zwischen 2014 und 2017. Das Ergebnis zeigt: Die Flüchtlinge zogen in dieser Zeit meist in deie ärmsten Stadtteile. Das sind die Viertel, in denen mehr als 60 Prozent der Bewohner Sozialleistungen erhalten.

In Cottbus stieg in diesen  Wohnlagen der Ausländeranteil um 5,42 Prozent an. Ganz anders als in den besseren Gegenden, wo höchstens 20 Prozent Leistungsempfänger leben. Dort stieg der Anteil an ausländischen Bewohnern nur um 0,46 Prozent.

Ähnlich fallen die Unterschiede in Frankfurt (Oder) aus. Dort haben die besseren Viertel 0,76 Prozent mehr Ausländer bekommen, die stark benachteiligten dagegen 6,13. Beide Städte liegen mit diesen Zahlen im Mittelfeld. Die höchsten Anstiege in diesen Vierteln verzeichneten Stralsund mit 12,24 Prozent und Halle mit 8,04 Prozent. "Schutzsuchende sind häufig Personen mit geringem Einkommen und Vermögen, also ärmere Menschen ohne deutschen Pass", heißt es in der Studie. Die Integration dieser Gruppen findet meist dort statt, "wo bereits andere Einkommensarme leben". Das liegt nicht nur an den niedrigen Mieten. Zuwanderer finden auch oft Landsleute, die dort bereits wohnen.

Ärmere Viertel sind in den ostdeutschen Städten immer die gleichen. Es sind die großen Plattenbaugebiete an den Stadträndern, die am stärksten von Leerstand betroffen sind. Diese Siedlungen entwickeln sich immer mehr zu sozialen Brennpunkten, in denen auch viele Rentner verbleiben. Die Viertel leiden unter dem Wegzug der Mittelstandsfamilien, die sich in besseren Vierteln Wohnung suchen.

In Cottbus sind die Unterschiede zwischen Armen und Reichen innerhalb der Stadt noch vergleichsweise klein. "Dies mag daran liegen, dass sich die Wohnlagen weniger stark unterscheiden als in anderen ostdeutschen Städten", sagt Marcel Helbig. "Zudem fehlen großflächige begehrte Wohnlagen wie in Rostock, Erfurt, Schwerin oder Halle." In diesen Städten ist die soziale Spaltung der Wohngegenden viel deutlicher.

Besser gelang die Verteilung der Geflüchteten in Westdeutschland. Dort fanden mehr Flüchtlinge Wohnungen auch in den bessern Vierteln. In Städten, die wirtschaftlich prosperieren, verteilen sich Zugewanderte gleichmäßiger. Beispielhaft gelang das in Trier, Bonn oder München, wo vergleichsweise wenige Ausländer auf die ärmsten Viertel ausweichen mussten. Auch die Finanzlage einer Stadt wirke sich hier aus. Marcel Helbig erklärt das mit dem größeren Handlungsspielraum, den Kommunen mit guten Einnahmen in der Wohnungspolitik haben.

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Zuwanderer Marcel Helbig Einwohnerzahl Stralsund

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