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Landgericht
Harte Strafen für erfolglose Geldautomaten-Knacker

Zwei Männer, die Geldautomaten knacken wollten, sind zu sechs Jahre Haft für Überfälle verurteilt worden.
Zwei Männer, die Geldautomaten knacken wollten, sind zu sechs Jahre Haft für Überfälle verurteilt worden. © Foto: MOZ/Dietrich Schröder
Dietrich Schröder / 22.07.2019, 13:45 Uhr - Aktualisiert 22.07.2019, 19:14
Frankfurt (Oder) (MOZ) Eigentlich schienen die beiden Männer, die da am Montag mit Fußfesseln auf der Anklagebank im Frankfurter Landgericht saßen, schon die Kurve in ihrem Leben gekriegt zu haben.

Der 56-jährige Berliner Roman M., der wegen Totschlags seiner einstigen Ehefrau und eines weiteren versuchten Mordes viele Jahre hinter Gitter saß. Und der 43-jährige Ronny B. aus Frankfurt (Oder) der wegen eines brutalen Sexualverbrechens einst zu 13 Jahren Haft verurteilt worden war, dem aber ein Teil dieser Strafe wegen guter Führung  auf Bewährung erlassen worden war.

Die beiden lebten mit neuen Partnerinnen zusammen. Ronny B., bei dem zwar wiederholt Drogen festgestellt wurden, kümmerte sich laut seiner Bewährungsbetreuerin zudem liebevoll um seine kranke Mutter. Und Roman M.ging nicht nur einer geregelten Arbeit nach. Die Lebensgefährtin des bulligen Mannes sagte aus, dass er auch zu ihrem Kind eine echte emotionale Verbindung aufgebaut habe. "Er scheint nicht mehr so ein grober Klotz wie früher zu sein", stellte auch Staatsanwalt Hans-Georg Geiger in seinem fast tiefenpsychologisch angelegten Plädoyer fest.

Doch dann gab es im Leben der beiden Männer zu Beginn des Jahres 2018 eine neuerliche Wende. Ihre Phantasie wurde vermutlich angeregt durch die wachsende Zahl von Überfällen auf Geldautomaten in jener Zelt. "Sie wollten auch eine fünf- oder sechsstellige Summe Geldes stehlen", beschreibt der Vorsitzende Richter der 3. Frankfurter Strafkammer, Ulrich Karkmann, das Motiv der Angeklagten.

Das Problem: Beide hatten keine Erfahrung auf diesem Gebiet, wie sich bald zeigen sollte. In der Nacht zum 28. Mai 2018 waren sie erstmals auf Tour. Mit Sturmhauben auf den Köpfen und Brechstangen in den Händen versuchten sie Geldautomaten aufzustemmen. In einer Storkower Filiale der Raiffeisenbank und bei der Sparkasse in Ziltendorf.

"Sie hebelten ewig herum und kamen nicht voran." So beschrieb es eine Kriminalistin von der "Soko Geld", die beim Brandenburger Landeskriminalamt speziell für die Bekämpfung der Automatenknacker gebildet worden war. Das Acetylengas, welches sie in die Automaten einlassen wollten, kam genau so wenig zum Einsatz, wie die Zündkabel und der Elektroschocker, mit dem die Sprengungen ausgelöst werden sollten.

Ähnlich war es auch bei der zweiten Tour in der Nacht zum 17. Juli 2018 in Neuzelle und Müllrose. In der Hektik bemerkten sie zunächst nicht einmal, dass man in der Müllroser Raiffeisenbank-Filiale an einen Kontoauszugsdrucker geraten war.

Der von den Banken insgesamt berechnete Schaden lag bei rund 30 000 Euro. Mit anderen Worten: Hätten Roman M. und Ronny B. zuvor nichts auf dem Kerbholz gehabt, wären sie wohl mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Selbst wenn es erheblicher Ermittlungen bedurfte, bis ihnen die Polizei bei einer Routinekontrolle in Lychen (Uckermak) auf die Fährte kam, bei der sie panisch die Flucht ergriffen.

Während Roman M. im Verlaufe des Prozesses ein Geständnis ablegte (wobei er seinen Mittäter nicht verriet), blieb Ronny B. bis zuletzt bei der Variante, dass er aufgrund einer Schienbeinverletzung im Sommer 2018 gar nicht zu den Taten in der Lage gewesen sei. Seine Anwältin plädierte deshalb auf Freispruch.

"Diese Verletzung war nicht schwer genug, als dass Sie die Taten nicht hätten begehen können", befand Richter Karkmann kurz. Überführt habe Ronny B. letztlich aber die Tatsache, dass seine Freundin ein Ladekabel verschwinden lassen wollte, an dem sich die DNA-Spuren der beiden Männer befanden. "Weil sie von Ihnen Täterwissen hatte", wie der Richter befand.

Roman M. wurde zu sechs Jahren, Ronny B. zu sechs Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Seit November 2018 befinden sich beide bereits in Untersuchungshaft. Richter Karkmann gab ihnen außer der Strafe noch eine eindringliche Warnung mit auf ihren weiteren Weg: "Falls Sie nochmal in Ihrem Leben eine schwere Straftat begehen sollten, stünde dann auch eine Sicherheitsverwahrung über die Dauer der Strafe hinaus zur Debatte."

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