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Gutachter
Fünffacher Mordversuch: Waren die Giftcocktails doch harmlos?

Hauptbeschuldigte: Michelle F. mit ihren Anwälten in Saal 007 des Landgerichts
Hauptbeschuldigte: Michelle F. mit ihren Anwälten in Saal 007 des Landgerichts © Foto: Mathias Hausding
Mathias Hausding / 13.08.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 13.08.2019, 08:03
Frankfurt (Oder) (MOZ) Und da waren es nur noch drei Mordversuche. Laut Anklageschrift sollen mehrere Frauen im November vergangenen Jahres fünf Mal probiert haben, einen Mann umzubringen.

Der 36-Jährige überlebte schwer verletzt. Aus der Aussage eines Toxikologen dürfte nun zu schlussfolgern sein, dass zwei verabreichte Giftcocktails anders als von den Anklägern angenommen nicht dazu geeignet waren, den Mann zu töten.

Der Experte hatte Rückstände in jener Bierflasche und in jener Mixgetränke-Dose untersucht, in denen die Angeklagten größere Mengen unterschiedlicher Antidepressiva aufgelöst haben sollen, um sie dann ihrem Opfer auf einer gemeinsamen Autofahrt von Frankfurt (Oder) nach Polen einzuflößen. Der Toxikologe erklärte nun am Montag als Sachverständiger vor dem Frankfurter Landgericht, dass weder die Art der Mischung noch die Menge der Tabletten bei dem Mann zu bleibenden Schäden hätte führen können. Das Opfer hatte ausgesagt, dass ihm von den Giftcocktails "schummerig" geworden sei.

Das war laut Anklage auch eines der Ziele der von den Frauen akribisch geplanten Aktion: Den 90-Kilo-Mann betäuben, um ihn dann hinter der Grenze in einem Wald zu überwältigen und zu töten. Nachts und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das Motiv soll Rache dafür gewesen sein, dass der Mann die vereinbarte Bezahlung für einen "Dreier" mit zwei der Frauen abgelehnt hatte.

Laut Staatsanwaltschaft haben zwei Frauen die zu dritt geplante Tat ausgeführt. Sie lockten das spätere Opfer unter einem Vorwand ins Auto. Hinter der Grenze in einem Wald sollen sie es mit einem Wagenheber, einer Bierflasche und einem Messer attackiert haben. Als das nicht fruchtete, sollen die Frauen versucht haben, den Mann mit dem Auto zu überfahren. Sie erwischten ihn an der Hüfte. In einem unbeobachteten Moment konnte er sich aufrappeln und in den Wald fliehen.

Bei der Polizei hatten sowohl die Angeklagten als auch das Opfer umfassend und detailliert ausgesagt. Deshalb sollte in dem Prozess ursprünglich schon Anfang Juli nach nur wenigen Verhandlungstagen ein Urteil gesprochen werden. Doch nun zieht sich der Prozess wohl noch bis Ende September, weil sich die Frauen gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben und sich das psychisch labile Opfer vor Gericht auf einmal gar nicht mehr daran erinnern kann, welche der Frauen ihn womit angegriffen haben soll.

Weil es noch offene Fragen an den Mann gab, er aber der Vorladung des Gerichts nicht gefolgt ist, wurde der 36-Jährige am Montag von der Polizei zwangsweise herangeschafft. Für seine Vernehmung wurde allerdings auf Antrag der Verteidigung die Öffentlichkeit ausgeschlossen, und zwar aus Sorge davor, dass für die Hauptangeklagte unangenehme sexuelle Details zur Sprache kommen könnten.

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