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Gute Vorbereitung
Schüler bringen Spitzenkandidaten ins Schwitzen

"Jugend debattiert": Fünf Schüler diskutierten mit den Spitzenkandidaten der bisher im Landtag vertretenen Parteien (SPD, Linke, CDU, AfD und Grüne).
"Jugend debattiert": Fünf Schüler diskutierten mit den Spitzenkandidaten der bisher im Landtag vertretenen Parteien (SPD, Linke, CDU, AfD und Grüne). © Foto: Christoph Soeder/dpa
Christopher Braemer / 19.08.2019, 19:15 Uhr - Aktualisiert 20.08.2019, 14:55
Potsdam (MOZ) Mit kühlem Kopf und Wissen zu Zugvögeln brachte ausgerechnet ein 15-jähriges Mädchen den AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz ins Schwitzen.

"Soll zum Schutz der heimischen Insekten- und Vogelpopulation die Förderung von Windkraftanlagen beendet werden?" – so lautete die Frage, die sich Kalbitz im Plenarsaal des Potsdamer Landtags selbst vorlegte. "Sind Zugvögel nicht ebenso schützenswert?", wollte Johanna Liebe vom Evangelischen Gymnasium Neuruppin daraufhin vom ihm wissen. Kalbitz zeigte sich überrascht. Und auch wenn er argumentierte, dass es ihm egal sei, woher der Vogel kommt, so war es ihm anzuhören, dass er in Verlegenheit geriet.

Fünf Schüler debattierten am Montag mit den Spitzenkandidaten der bisher im Landtag vertretenen Parteien SPD, Linke, CDU, AfD und Grüne. Die Politiker vertraten dabei die Pro-Meinung zu einem von ihnen selbstgewählten Thema. Je ein Jugendlicher nahm die Gegenposition ein. Nach jeweils einer Debatte von zwölf Minuten konnten die Schüler aus dem Publikum Fragen stellen. Hunderte Schüler verfolgten das Geschehen im gut gefüllten Plenarsaal.

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Schüler diskutieren mit Spitzenkandidaten

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Vor dem jungen Publikum kritisierte Kalbitz dann, dass Schüler freitags die Schule schwänzten. Ihm tue es leid, dass sie einem "milchgesichtigen Mädchen hinterherlaufen" – gemeint ist die junge Aktivistin Greta Thunberg. Das Lachen im Saal zeigte, dass sich der AfD-Mann keine Punkte bei der Jugend holte, die seit Monaten im Rahmen von "Fridays for Future" demonstriert. "Mir tut es leid, dass Sie nicht ohne Beleidigung eine Debatte führen können", konterte Johanna Liebe. Die Zuhörer applaudierten.

Etwa 120 000 Brandenburger zwischen 16 und 18 Jahren können zur Landtagswahl in knapp zwei Wochen ihre Stimme abgeben. Für die mit Bundesmitteln finanzierte gemeinnützige Hertie-Stiftung "Jugend debattiert" ein guter Anlass, um Brandenburger Schüler vor der Wahl mit Politikern ins Gespräch zu bringen.

Hausaufgaben gemacht

Spritzig, selbstbewusst und gut vorbereitet waren die Schüler aus Falkensee, Neuruppin, Potsdam, Glienicke und Oranienburg. Julius Niewisch – rote Haare, Brille, weißes Hemd und Jackett – hatte seine Hausaufgaben gemacht. Wenn Ursula Nonnemacher (Grüne) redet, macht er sich Notizen, schaut auf und wartet geduldig. Die Glocke bimmelt – ein Mal, zwei Mal, drei Mal. "Waren das schon die 15 Sekunden?", fragt Nonnemacher nach einer flammenden Rede darüber, wie sehr das Klima in der Welt und in Brandenburg bedroht sei. Auch Niewisch legt sich ins Zeug. Er redet ruhig und argumentiert mutig, dass die Kohlekommission von der Bundesregierung beauftragt wurde – und kompetent über einen späteren Braunkohleausstieg entschied.

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