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Natur
Neuer Grünbrückenbericht: So wild ist Brandenburg

Mathias Hausding / 22.08.2019, 07:15 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Bert kam am 5. Februar 2018 morgens um 7.21 Uhr. Von Osten nach Westen überquerte der junge Elchbulle die Grünbrücke an der A13 bei Teupitz.

Ein Foto von ihm findet sich im aktuellen Wildbrückenbericht des Landesbetriebs Forst. Dass es sich höchstwahrscheinlich um Bert handelt, schlussfolgert die Biologin Kornelia Dobias daraus, dass seinerzeit wenige Tage später in Potsdam-Mittelmark ein Elch gesichtet, besendert und auf diesen Namen getauft wurde.

Am 20. September 2018 um 6.49 Uhr war es wieder so weit. Elch von Osten nach Westen, diesmal ein namenloser Bulle. Aber wieder wurde die A13 gewählt. Es war seit Bestehen dieser Brücke die vierte dokumentierte Elch-Querung. "Mir ist in ganz Deutschland keine andere Grünbrücke bekannt, für die auch nur ein einziger Elch-Besuch aktenkundig ist", betont Kornelia Dobias. Die Expertin des Landesbetriebs Forst vermutet, "dass die Grünbrücke an der A13 eine bedeutende Rolle bei der Ausbreitung der Elche von Osten nach Westen spielt".

Wenn neben dem Elch weitere neue Arten einwandern, dürfte Kornelia Dobias eine der ersten sein, die dafür stichhaltige Beweise hat. Luchs, Goldschakal und Wildkatze könnten die nächsten Neuankömmlinge sein, schätzt die Expertin.

Der Elch-Befund ist nicht der einzige im neuen Grünbrücken-Bericht, der die Herzen von Naturliebhabern schneller schlagen lassen dürfte. Nutria, Kranich, Schaf, Storch, Hauskatze – es haben sich neben den üblichen Verdächtigen so manche Arten ablichten lassen, die man auf den Autobahn-Überquerungen nicht unbedingt vermuten würde.

Drei Brücken werden im Bericht unter die Lupe genommen, an der A13, der A12 und der A9. Der Grund: Der Bund hat sie per Konjunkturpaket II bezahlt und verlangt dafür eine Art Erfolgskontrolle.

Revierkampf auf der Brücke

Die meist etwas dunklen und leicht verschwommenen Fotos sind durchaus aufschlussreich. Manche Arten wirken beim Überqueren nervös und hektisch, wie etwa die Rothirsche. Rehböcke hingegen fechten auf der Brücke gerne auch mal einen Revierkampf aus, während Schwarzkittel mal im Schweinsgalopp über das Grün jagen und mal sich Zeit lassen, um auf der Brücke nach Fressbarem zu suchen.

Natürlich wird das im Bericht genau ausgewertet. Am Beispiel der A13 heißt es zum Beispiel, dass zwei Drittel aller Tiere die Brücke "ruhig ziehend" überqueren und weitere 27 Prozent dort zwischendurch auch fressen. Nur fünf Prozent der Passanten rennen demnach, als wären sie auf der Flucht.

Und die Kraniche? Die können doch fliegen. Was wollen die überhaupt auf der Brücke? Hunderte Spaziergänge wurden an der A13 in den vergangenen Jahren gezählt. "Sie kommen zur Nahrungsaufnahme, insbesondere mit ihren Küken, wenn die noch nicht fliegen können", erzählt Kornelia Dobias. "Für Fledermäuse sind die Brücken ebenfalls attraktiv, weil es dort offenbar mehr Insekten gibt als anderswo."

Auch wie unterschiedlich das Land ist, wird Laien über die Brücken-Statistik vor Augen geführt. An der A9 bei Niemegk ist Damwild der Hauptnutzer der Brücke, mit seit 2012 im Schnitt sechs Querungen pro Tag. An der A13 bestimmt der Feldhase die Szenerie, und an der A12 bei Kersdorf gehen drei von vier Querungen auf das Konto von Rotwild.

Und natürlich registrieren die Kameras auch die stark steigenden Wolfsbestände im Land. "Seit 2015 nimmt die Frequenierung durch Wölfe zu; somit unterstützt das Bauwerk die weitere Ausbreitung der Wölfe nach Norden", heißt es im Bericht über die Brücke an der A12. Und über die Brücke an der A9 ist vermerkt: "Im vergangenen Jahr gab es kaum noch Monate, in denen Wölfe nicht auf der Grünbrücke auftauchten. Das spricht einerseits für die Funktionalität der Brücke als Wildtierpassage, andererseits für das Anwachsen der Wolfsdichte in der Region und, damit verbunden, ein Ansteigen der Ausbreitungsdynamik."

Statistik zur A12 – elf Arten auf einer Brücke

Die 24-Stunden-Foto-Überwachung auf der Grünbrücke an der A12 hat ergeben, dass von Mitte 2013 bis Ende 2018 knapp 5000 Mal Rotwild über die Autobahn wechselte. Platz zwei geht an das Rehwild mit gut 500 Überquerungen, gefolgt von Feldhase, Rotfuchs und mit zuletzt stark steigender Tendenz dem Wolf. Erst dahinter kommen das Schwarzwild und der Dachs als Brückenbesucher. Marderhunde, Waschbären, Hauskatzen und Marder sind laut Statistik eher seltene Gäste. Der Landesbetrieb Forst bittet die Menschen, sich von den Brücken fernzuhalten um den Tieren die Überquerungen nicht zu verleiden. ⇥mat

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