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Gewerkschaft kritisiert: Brandenburg hat zu wenig neue Lehrer

GEW-Chef in Brandenburg: Günther Fuchs
GEW-Chef in Brandenburg: Günther Fuchs © Foto: MOZ/Mathias Hausding
Christopher Braemer / 22.08.2019, 17:16 Uhr - Aktualisiert 23.08.2019, 08:59
Potsdam (MOZ) Verbunden mit scharfer Kritik an der Landesregierung hat Günther Fuchs, Landesvorsitzender der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), vor einem sich verschärfenden Lehrermangel und mehr Unterrichtsausfällen an Brandenburger Schulen gewarnt.

"Es sind zu wenig Lehrkräfte ausgebildet worden – und die Seiteneinsteiger nicht qualifiziert", sagte Fuchs am Donnerstag bei  einer Pressekonferenz in Potsdam und sprach von einem "doppelten Politikversagen". Besonders schlechte Aussichten hätten Grundschulen, Sonderpädagogische Förderschulen und Oberschulen, an denen verstärkt Seiteneinsteiger mit mangelnder Qualifizierung  eingesetzt würden. Dies könne dazu führen, dass die Schüler nach ihrem Abschluss schwer beziehungsweise gar nicht an Arbeitgeber zu vermitteln seien, warnte Fuchs.

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GEW-Vorsitzender warnt vor Lehrermangel in Ostbrandenburg

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Anfang August hat für knapp 300.000 Schüler im Land Brandenburg das neue Schuljahr begonnen. "Dafür sind die Schulen gut aufgestellt", heißt es im Bildungsministerium. Von Oktober 2018 bis Mitte Juli 2019 seien 1474 Lehrer unbefristet neu in den Schuldienst eingestellt worden, sagte Ministeriumssprecher Ralph Kotsch am Donnerstag. "Wir haben mehr eingestellt als wir brauchen."

Große Probleme im Osten

Dem widerspricht eine Analyse der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Demnach werden zu den knapp 1500 Neueinstellungen auch jene Lehrer gezählt, die bereits befristet angestellt waren. Die Rede ist von 633 Lehrern.  Somit seien unterm Strich lediglich  821 Lehrer neu eingestellt worden, so das Fazit der GEW-Analyse. Besonders betroffen vom Lehrermangel seien Regionen außerhalb des Berliner Speckgürtels und in Ostbrandenburg. Nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft sind für das aktuelle Schuljahr etwa 300 Stellen zu wenig eingeplant.

Die GEW befürchtet, dass das Land den Lehrermangel auch weiterhin nicht beheben kann, weil sich zahlreiche junge Absolventen nach dem praktischen Teil ihrer Lehramtsausbildung für ein anderes Bundesland entscheiden würden. Der Abschluss der Ausbildung ist für gewöhnlich im Februar, eingestellt werde in Brandenburg jedoch erst Monate später, kritisiert GEW-Landeschef Fuchs.

Ein weiterer Kritikpunkt: Während es aus dem Bildungsministerium heißt, dass unter den 1500 Neueinstellungen rund ein Drittel Seiteneinsteiger ist, ist die Quote laut Einschätzung der GEW deutlich höher. "Die Quote der Quereinsteiger liegt bei knapp 50 Prozent", sagte Fuchs. Denn Lehrkräfte mit fachfremdem Einsatz – beispielsweise ein Gymnasiallehrer, der an der Grundschule lehrt – würden nicht miteingerechnet. "Je näher man an den Speckgürtel kommt, desto höher ist die Deckung. Außerhalb des Speckgürtels ist die Quote der Quereinsteiger hoch", kritisierte Fuchs. Insbesondere Gebiete außerhalb der Ballungsräume und die Region entlang der Oder, aber auch die Landkreise Ostprignitz-Ruppin, Oder-Spree und die Uckermark seien von einer sich verschlechternden Bildungssituation betroffen.

"Diese Regionen müssen sich darauf einstellen, dass es äußerst schwierig wird, Lehrkräfte zu gewinnen", meinte Fuchs. Seiner Meinung nach brauche es attraktive Angebote für junge Menschen, in diese Regionen zu kommen. Und es brauche mehr Qualifizierungsangebote für die Seiteneinsteiger. Die GEW forderte einen Runden Tisch "Bildung 2030" für Brandenburg, um die Qualität und Ziele der Schulversorgung festzulegen. Die Attraktivität der Lehrerlaufbahn müsse erhöht werden.

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