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Ehrenamt
Berliner "Kastaniette" lädt Nachbarn zum Kaffee ein

Gemütliches Kaffeekränzchen: Barbara Jungnickel sitzt mit Karin Spitzer vor ihrem umgebauten Bauwagen.
Gemütliches Kaffeekränzchen: Barbara Jungnickel sitzt mit Karin Spitzer vor ihrem umgebauten Bauwagen. © Foto: Steffi Bey
Steffi Bey / 10.09.2019, 08:00 Uhr
Berlin Ein Bauwagen in Hellersdorf ergänzt das mobile Nachbarschaftsangebot "Café auf Rädern". Anwohner nehmen das Projekt dankend an.

Für Barbara Jungnickel hat ein neues Zeitalter begonnen: Klingt ein bisschen hochtrabend, trifft aber den Kern. Die engagierte Hellersdorferin kann jetzt unabhängig vom Wetter unterwegs sein. Denn der Bollerwagen des "Cafés auf Rädern" hat einen "großen Bruder" bekommen: Einen extra für den Kiez angefertigten Bauwagen, der als mobiler Treffpunkt im Gebiet rund um die Kastanienallee dient. "Es ist aber keine Konkurrenz zum kleinen Wagen", betont die Initiatorin, die seit 2014 mit dem "Café auf Rädern" durch Hellersdorf zieht. Stattdessen sollen beide Projekte Interessierten zur Verfügung stehen.

Auf die Idee, einen stabilen Bauwagen anzuschaffen, kam die Evangelische Kirchengemeinde Hellersdorf, weil das kleine, mobile Nachbarschaftscafé so gut ankommt. Wie berichtet, spaziert die Mittfünfzigerin regelmäßig mit dem Stoffdach-Gefährt durch den Bezirk und hält nach Lust und Laune dort an, wo es ihr gerade gefällt. Oft stellt sie einen Tisch mit ein paar Stühlen am U-Bahnhof Cottbuser Platz auf oder macht am Kastanienboulevard Stopp. Viele Einheimische kennen die stellvertretende Gemeindekirchenratsvorsitzende inzwischen und nehmen die ungezwungene Einladung gerne an: Ältere Damen und Herren, aber auch junge Leute, die einfach mal jemanden zum Reden brauchen.

Barbara Jungnickel selbst, hält sich dabei meistens zurück und agiert vorwiegend als Zuhörerin. "Den Gesprächsverlauf bestimmen meine Gäste, ich frage auch nicht nach Namen oder so."

Jedenfalls kommt es während solcher gemütlicher Runden auch manchmal zu komischen Situationen: Wenn auf einmal die miteinander Plaudernden feststellen, dass sie im selben Hauseingang wohnen, bislang aber noch nie ein Wort miteinander wechselten. "Eine Seniorin sagte neulich zu mir: das Tolle an Ihrem Angebot ist, dass Sie zu uns kommen", berichtet die Hellersdorferin.

Feste Öffnungszeiten geplant

Mit dem jetzt neu gestarteten Bauwagen-Angebot wird das allerdings anders sein. Der "große Bruder" soll jeweils für vier bis sechs Wochen an einem festen Standort halten und die Gäste müssen dann dorthin kommen. Zunächst war das hölzerne Mobil mit der roten Fassade auf dem Kirchengelände abgestellt, doch demnächst macht er auf einem Parkplatz am Thiele-Winckler-Haus Stopp. Geplant sind feste Öffnungszeiten – mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr – für das mobile Café im und am Bauwagen. Deshalb sucht Barbara Jungnickel dringend Ehrenamtliche, die das Vorhaben unterstützen. "Denn beide Cafés schaffe ich nicht alleine zu betreiben", macht sie deutlich. Wer sich dafür interessiert sollte zuverlässig sein, gut mit Menschen umgehen und vor allem zuhören können.

Zum bestehenden "Café auf Rädern" gibt es noch einen entscheidenden Unterschied: Ist Barbara Jungnickel mit dem kleinen Bollerwagen unterwegs, hat sie keinerlei Werbe- oder Infomaterial dabei. Im neuen mobilen Treffpunkt finden Besucher stattdessen Flyer zu verschiedenen Themen aus dem Bezirk. "Neben Gesprächen bei Kaffee und Keksen kann man sich dort eben auch informieren", so die Initiatorin.

Noch fehlt dem Bauwagen eine passende Innenausstattung. Barbara Jungnickel wünscht sich eine Truhenbank und einen kleinen Schrank und hofft, dass dieses Mobiliar zusammen mit Bürgern gestaltet wird. Einen Namen gibt es bereits für den Bauwagen: Mehrheitlich stimmten Anwohner einschließlich Quartiersrat für "Kastaniette". Der Schriftzug soll noch auf die mit Graffitischutz überzogene Fassade gebracht werden. Finanziert wurde das aktuelle Projekt aus dem Programm Soziale Stadt.

Und um welche Themen geht es eigentlich bei den Gesprächs-Teilnehmern? "Um alles Mögliche – das Wetter, den Umweltschutz, um Wahlen und auch um Flüchtlinge", nennt die ehrenamtliche Zuhörerin einige Beispiele. Sie sei durch diese Arbeit offener geworden und könne mit kontroversen Meinungen viel besser umgehen als früher.

Wer ehrenamtlich beim mobilen Treffpunkt mithelfen möchte, kann sich bei Barbara Jungnickel unter Tel.: 0176 2550 9800 melden.

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