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Agrarbranche
Brandenburgs junge Landwirte: Jeder Tag ein neues Abenteuer

Mathias Hausding / 08.11.2019, 07:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Heute erhalten in Potsdam 34 Landwirtinnen und Landwirte ihre Meisterurkunden. Auch die besten Azubis werden bei der Zeremonie ausgezeichnet. Was sind das für junge Leute, die trotz schwieriger Zeiten ihre Zukunft im Agrarbereich sehen?

Franzi Lehmann aus Doberlug-Kirchhain wollte nie Landwirtin werden. Ein Schülerpraktikum in der 9. Klasse führte sie für drei Wochen in einen Kälberstall. "Es war Winter", erinnert sie sich. "Draußen gab es nichts zu tun. Ich habe beim Melken geholfen." Nach dem Praktikum wusste sie: "Das ist es. Ich wollte immer was praktisches machen."

Nun hat die 19-Jährige ihre Berufsausbildung zur Landwirtin mit Fachhochschulreife abgeschlossen. Gesamtnote: 1,0. Seit Oktober studiert sie Agrarmanagement an der Hochschule Anhalt in Bernburg. Ihrem Ausbildungsbetrieb in Finsterwalde, spezialisiert auf Mutterkuhhaltung, Milchvieh und Ackerbau, bleibt sie treu. "Es ist ein Kombi-Studium. Vor allem im Sommer bleibt Zeit, arbeiten zu gehen", erzählt Franzi Lehmann.

Am Job gefällt ihr, dass kein Tag wie der andere ist. Die Abwechslung, das Unplanbare beim Umgang mit Tieren findet sie spannend. Das kommt auch bei anderen gut an: "Wenn ich erzähle, was ich mache, höre ich meist als Antwort: ‚Das ist schön und wichtig. Das brauchen wir.’"

Für die dreijährige Berufsausbildung hat Franzi Lehmann den weiten Weg zur Berufsschule in der Prignitz in Kauf genommen und dort dann im Wohnheim gelebt. Auf dem Hof bleiben Überstunden nicht aus: "Wenn Spaß und Leidenschaft bei der Arbeit dabei sind, geht das." Zum Stichwort Massentierhaltung sagt sie: "Wir kennen in unserem Betrieb jede Kuh sehr genau, wissen, wie sie sich verhält, ob sie sich wohlfühlt." Von ihrem Berufsstand wünscht sie sich, dass das Gespräch mit den Verbrauchern gesucht wird: "Wir müssen besser erklären, was wir machen, und wie wir es machen."

Henning Jüngerink hat es nach seiner Ausbildung von der niederländischen Grenze in Niedersachsen nach Brandenburg gezogen, weil ihm größere Strukturen besser gefallen als kleinere Höfe wie der seiner Eltern. Angestellt in einem Betrieb für Ackerbau, Biogas und Hähnchenmast in Jacobsdorf, hat er mit erst 22 Jahren seinen Meister gemacht. "Ziel der Ausbildung ist, selbstständig einen Betrieb führen zu können", sagt Jüngerink. Für ihn bedeute das neue Wissen zunächst, dass sein Arbeitsplatz in Jacobsdorf häufiger das Büro ist, von wo aus er Produktion und Düngung plant. "Aber ich komme auch raus, habe mit modernen Maschinen zu tun. Das liebe ich."

So geht es auch Jan Worpus aus Letschin: "Viele wissen gar nicht, mit was für hoch modernen Maschinen wir es zu tun haben. Dazu die Weite auf dem Acker, wenn man dort seine Runden dreht, die Pflege der Pflanzen von der Saat bis zur Ernte. Ein herrlicher Beruf." Der 29-Jährige hat seinen Meister gemacht, um sich später seinen eigenen Hof aufbauen zu können. Dass er als Meister ausbilden darf, sei ebenfalls wichtig. Viele in der Branche seien derzeit Quereinsteiger. Es fehle an Ausbildern, sagt Worpus. Das Interesse junger Menschen am Beruf nehme zu. "Es hat sich viel getan, auch bei den Löhnen. Überstunden werden zu 100 Prozent abgebummelt oder vergütet."

Zuschuss von der EU

Mit den Kosten für seine Qualifizierung hat er Glück gehabt, musste mit 3000 Euro nur ein Viertel selbst tragen, der Rest kam aus einem EU-Förderprogramm. "Auch deshalb habe ich den Meister jetzt gemacht. Wer weiß, wie lange es das Programm noch gibt." Jan Worpus bedauert, dass über die Landwirtschaft manchmal schlecht geredet wird. "Da wird zu viel unbelegtes Zeug verbreitet, zum Beispiel über Glyphosat."

Das größte Problem ist in seinen Augen jedoch, "dass die Politik tatenlos dabei zusieht, wie Nicht-Landwirte, gerne auch aus dem Ausland, massenhaft Ackerland als Wertanlage kaufen." Das mache den Bauern das Leben immer schwerer.

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