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Verwahrlosung
Kleines Mädchen sieht jahrelang kein Tageslicht

In Eberswalde (Barnim) soll ein fünfjähriges Mädchen extrem verwahrlost in ein Klinikum eingeliefert worden sein.
In Eberswalde (Barnim) soll ein fünfjähriges Mädchen extrem verwahrlost in ein Klinikum eingeliefert worden sein. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Sabine Rakitin / 11.01.2020, 08:45 Uhr
Bernau (MOZ) In Eberswalde (Barnim) soll ein fünfjähriges Mädchen jahrelang kein Tageslicht gesehen haben.

Das Kind sei körperlich und geistig stark zurückgeblieben und habe einen extrem verwahrlosten Eindruck gemacht, heißt es aus dem Immanuel Klinikum Bernau, in das die Fünfjährige in der Weihnachtszeit eingeliefert worden war. Das Mädchen soll mindestens zwei Jahre völlig auf sich allein gestellt gewesen sein. Es habe gelebt "wie Kaspar Hauser", heißt es aus dem Krankenhaus.

Offiziell bestätigen will das allerdings niemand. Die Polizeidirektion Ost hat keine Kenntnis von dem Fall, Die Immanuel Albertinen Diakonie, Träger der Bernauer Klinik, hüllt sich in Schweigen. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt Pressesprecherin Jenny Jörgensen: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Angaben dazu machen können, ob und welche Patienten bei uns behandelt werden." Grundsätzlich folge das Immanuel Klinikum Bernau bei Verdachtsfällen auf Kindesmisshandlung und -vernachlässigung den Empfehlungen des Kinderschutzes an Kliniken der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM) – "in enger Abstimmung mit den zuständigen Jugendämtern".

Die Einweisung des Mädchens in die Bernauer Klinik sei unter Mitwirkung des Jugendamtes erfolgt, bestätigt Barnims Sozialdezernentin Yvonne Dankert. Zu den näheren Umständen will sie aus Datenschutzgründen keine Angaben machen. Es soll sich jedoch um drei Kinder einer Familie handeln, die von der Behörde in Obhut genommen worden sind. Die beiden älteren Geschwister wurden in Jugendhilfe-Einrichtungen untergebracht. In Brandenburg und Berlin steigt die Zahl der Fälle an, in denen Eltern das Sorgerecht entzogen wird. Allein 2018 betraf das mehr als 1800 Kinder. Wobei die Zahl in Brandenburg dreimal so hoch ist wie in Berlin. Laut dem Landesamt für Statistik  gab es zudem 4680 Inobhutnahmen.

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