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Vernachlässigtes Mädchen
Ermittler bislang ohne Belege für Wegsperren des Mädchens

Beate Bias/Ellen Werner/dpa / 15.01.2020, 11:28 Uhr - Aktualisiert 17.01.2020, 07:24
Eberswalde (MOZ) Das in Obhut genommene vernachlässigte fünfjährige Mädchen aus Eberswalde hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einem Kinderbett im Schlafzimmer der Mutter geschlafen. „Es spricht nach dem Durchsuchungsbericht bisher nichts für die These, das Kind sei weggesperrt worden“, sagte Staatsanwalt Ingo Kechichian am Donnerstag in Frankfurt (Oder).

Es sei aber auch nicht ausgeschlossen. Das sage zudem nichts darüber aus, ob das Kind wenig Tageslicht gesehen habe. Das Mädchen sei dem Bericht eines Krankenhauses zufolge unterernährt, verhaltensauffällig und sprachgestört gewesen. Die „Märkische Oderzeitung“ hatte berichtet, das Mädchen habe jahrelang kein Tageslicht gesehen und solle mindestens zwei Jahre auf sich allein gestellt gewesen sein. Bei der Mutter gab es eine Hausdurchsuchung.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ermittelt wegen des Vorwurfs der Misshandlung von Schutzbefohlenen gegen unbekannt. Sie hatte die Beschlagnahmung der Patientenakte des Mädchens beantragt. Das Amtsgericht gab der Justizbehörde zufolge bisher jedoch nur Persönlichkeitsdaten und Aufenthaltsort preis, aber nicht die Akte. Das Mädchen hat zwei Geschwister, die ebenfalls in Obhut gekommen waren. Bei ihnen gab es aber laut Landkreis keine Hinweise auf eine derartige Vernachlässigung wie bei der Fünfjährigen.

Verfahren gegen Jugendamt Barnim

Im Fall des vernachlässigten fünfjährigen Mädchens aus Eberswalde hat das Land ein Verfahren gegen Mitarbeiter des Jugendamtes Barnim eingeleitet.

Es gebe den Verdacht, dass innerhalb der Behörde "wichtige Schritte zur Kindeswohlsicherung unterlassen" wurden, teilte das Bildungsministerium am Mittwoch in Potsdam mit. Nach bisherigen Ermittlungen habe das Jugendamt zwischen Sommer 2017 und Frühjahr 2019 insgesamt vier Gefährdungsmeldungen zu der Familie erhalten. Dabei ging es unter anderem um körperliche Gewalt gegen das heute fünfjährige Mädchen. Außerdem drehten sich die Anzeigen um fehlende Früherkennungsuntersuchungen. Trotz der Gefährdungsmeldungen hatte das Jugendamt erst im November 2019 eine gerichtlich bestellte Familienhilfe erwirkt.

Wiederholung vermeiden

Mit dem Fall in Eberswalde hat sich am Mittwochabend auch der Jugendhilfeausschuss des Barnimer Kreistages befasst. Das Gremium tagte dazu allerdings hinter verschlossenen Türen. Es habe das Jugendamt aufgefordert zu prüfen, ob die behördlichen Strukturen hinreichen, um eine Wiederholung solcher Fälle zu verhindern. Das sagte Ausschusschefin Margitta Mächtig (Die Linke) am Donnerstag.

Am Donnerstag werden sich Vertreter des Brandenburger Jugendministeriums in der Kreisverwaltung Barnim aufhalten. Das Ministerium hatte zuvor ein Verfahren gegen das Barnimer Jugendamt in dem schweren Fall der Kindeswohlgefährdung eingeleitet.

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Nach Angaben des Jugendamtes Barnim sei nach jeder Gefahrenmeldung eine Risikoeinschätzung erfolgt. In die Prozedur sollten auch die Eltern des Mädchens und seiner Geschwister einbezogen werden. Allerdings sagten die Eltern Gesprächstermine und Hausbesuche ab oder nahmen diese nur mit "erheblicher zeitlicher Verzögerung" wahr. Gewalt gegenüber ihren Kindern sollen sie abgestritten haben.

Offen ist, ob das Jugendamt alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um mit den Kindern direkt in Kontakt zu kommen. Genau da setzen die Untersuchungen des Bildungsministeriums an. Zu prüfen sei, ob es jemals "eine Inaugenscheinnahme der Kinder" gab. Geklärt werden müsse zudem, ob das Familiengericht angerufen wurde, nachdem die Eltern eine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt abgelehnt hatten. Fraglich sei auch, ob "Maßnahmen zum Schutz der Kinder eingeleitet" wurden.

Geklärt werden muss nun, warum das Jugendamt nach allen Gefährdungsmeldungen die Entscheidung traf, dass die Kinder in der Familie bleiben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen die Eltern – wegen Misshandlung Schutzbefohlener. Am Mittwoch durchsuchte die Polizei die Wohnung der Familie, sagte Staatsanwalt Ingo Kechichian. Dabei sei festgestellt worden, dass Zimmer verdunkelt waren.

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