Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

KZ-Gedenkstätten
Brandenburger Gedenkstätten lehnen Pflichtbesuche von Schülern ab

Oranienburg: Mit einer Kranzniederlegung an der Station Z des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen wurde auf einer öffentlichen Geedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Pflichtbesuche von Schülern lehnen KZ-Gedenkstätten ab.
Oranienburg: Mit einer Kranzniederlegung an der Station Z des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen wurde auf einer öffentlichen Geedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Pflichtbesuche von Schülern lehnen KZ-Gedenkstätten ab. © Foto: Bernd Settnik/dpa
Mathias Hausding / 20.02.2020, 03:45 Uhr
Potsdam (MOZ) Seit Jahren wird bundesweit darüber diskutiert, ob alle Jugendlichen dazu verpflichtet werden sollten, in ihrer Schullaufbahn mindestens einmal eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen.

Jüngst hat sich in einer Umfrage eine Mehrheit der Deutschen dafür ausgesprochen. Bei Brandenburger Gedenkstättenleitern stößt das jedoch auf Ablehnung. "Wir wollen auf keinen Fall Zwangsbesuche", sagte Insa Eschebach, Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, am Mittwoch im Kulturausschuss des Landtags. Axel Drecoll, Chef der Einrichtung in Sachsenhausen, erklärte: "Bei dem Wort Pflicht zucken wir erst mal zusammen." Man setze bei der Erinnerungsarbeit auf Teilhabe und Mitwirkung, erklärte er. Manche Schüler seien zudem von Berichten oder Fotos überfordert. Das wolle man niemand per Zwang zumuten.

Axel Drecoll schlug stattdessen vor, die Schulen dazu zu verpflichten, den Jugendlichen Besuche und Projekte anzubieten. "Aber das Ablehnen muss möglich sein", sagte der Sachsenhausener Gedenkstättenleiter. Vom Alter her würde er frühestens ab der 8. Klasse zu Besuchen raten. Im von Drecoll beschriebenen Sinne gibt es eine Formulierung im rot-schwarz-grünen Koalitionsvertrag für Brandenburg: "Alle Schülerinnen und Schüler sollen in ihrer Schulzeit mindestens einen Erinnerungsort des Nationalsozialismus und einen der DDR-Zeit in pädagogischer Begleitung besuchen können."

Insa Eschebach betonte, dass Jugendliche am besten im Rahmen von Projekten zu erreichen seien, in denen sie sich längere Zeit mit konkreten Fragen etwa zu KZ-Außenlagern befassen und am Ende etwas in den Händen halten, zum Beispiel eine CD. "Das ist am wirkungsvollsten. Die Zeit der konfrontativen Belehrungen ist vorbei", sagte Eschebach.

Die beiden Gedenkstättenleiter berichteten den Abgeordneten des Kulturausschusses auch über die geplanten Veranstaltungen zum 75. Jahrestag der KZ-Befreiungen in diesem Jahr sowie über zunehmende Konflikte mit Besuchern. Die Feierlichkeiten in Sachsenhausen und an nahegelegenen Gedenkorten laufen vom 17. bis zum 20. April über mehrere Tage. Ähnlich sieht es in Ravensbrück aus, wo über 30 Veranstaltungen auf dem Programm stehen, darunter Vorträge und Konzerte sowie Gespräche mit KZ-Überlebenden. Am 19. April gibt es in Sachsenhausen und Ravensbrück jeweils eine zentrale Gedenkfeier.

Nationalisten bereiten Sorgen

Man hoffe, dass es dabei konfliktfrei bleibe, sagte Insa Eschebach. Sie verwies darauf, dass nationalistische Besucher zunehmend versuchen würden, sich Gehör zu verschaffen. Das gehe bei AfD-Anhängern los und reiche bis hin zu dominant auftretenden Gruppen aus Polen, die das Gedenken beeinflussen wollen.

Polnische Bürger gehörten in Ravensbrück ab 1939 zu den größten Opfergruppen. Man begrüße es, dass viele polnische Nachbarn kommen, um an Gedenkfeiern teilzunehmen, betonte Drecoll. "Aber wir müssen dafür sorgen, dass das Gedenken der einen Gruppe nicht das Gedenken anderer Opfergruppen stört." Man setze hier auf deeskalierende Gespräche und einen runden Tisch.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG