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Urlaub
Reisen unter Corona-Bedingungen

Wohin reisen zu Zeiten des Coronavirus? Geht das überhaupt noch?
Wohin reisen zu Zeiten des Coronavirus? Geht das überhaupt noch? © Foto: Sebastian Kahnert/dpa
André Bochow / 26.03.2020, 10:00 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 16:07
Brandenburg (MOZ)

Nein. Im Handlungskatalog der Bundesregierung steht klipp und klar, dass es Urlaubsreisen ins In- und Ausland bis auf Weiteres nicht mehr gibt. Auch Busreisen werden eingestellt. Übernachtungsangebote im Inland dürfen nur noch zu „notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken" genutzt werden.  Die Bundesregierung hat eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Ein solcher Schritt erfolgt nur bei einer Gefahr für Leib und Leben. Zudem besteht die Gefahr, dass Touristen im Ausland stranden und nicht nach Deutschland zurückkehren können.

Können alle Reisenden, die derzeit im Ausland sind, nach Deutschland zurück?

Ja. Zumindest, wenn sie deutsche Staatsbürger sind bzw. in Deutschland ihren Wohnsitz haben. Ob ausländische Reisende, die mit deutschen Reiseveranstaltern unterwegs sind,über Deutschland in ihre Heimatländer zurückkehren können, müsse nach den Aussagen eines Sprechers des Bundesinnenministeriums im Einzelfall geklärt werden. Das Auswärtige Amt ist für die deutschen Staatsbürger zuständig und hilft auf unterschiedliche Weise. Grundsätzlich gilt: Deutschen, die nach Deutschland zurückwollen und Hilfe benötigen, können sich an die deutschen Botschaften und Konsulate wenden.

Wie hilft die Bundesregierung gestrandeten Urlaubern?

Für 50 Millionen Euro organisiert die Bundesregierung eine Luftbrücke für gestrandete Urlauber. Zusammen mit privaten Fluggesellschaften, vor allem der Lufthansa, werden mit Charterflügen zunächst Reisende aus denjenigen Gebieten heimgeholt, aus denen es sonst kein Herauskommen mehr gibt.

Kommt man aus dem Ausland anders nicht mehr zurück?

Kaum. Der internationale Flugverkehr bricht gerade zusammen. Viele Länder haben Flughäfen geschlossen, Landerechte ausgesetzt und Reisebeschränkungen verhängt. Zahlreiche Airlines haben Flüge gestrichen oder den Flugverkehr nach Deutschland eingestellt. Für viele Touristen sind die von Deutschland gecharterten Flüge die letzte Chance, auf absehbare Zeit nach Hause zu kommen.

Wie viele Touristen sind betroffen?

Nach Schätzungen des Auswärtigen Amtes befanden sich vor Beginn der Rückholaktion weit mehr als 200 000 deutsche Touristen in aller Welt. Mit Stand 27. März 2020 sind bereits 160 000 davon zurückgekehrt, vielfach in Kooperation mit Reiseveranstaltern. 24 000 davon wurden mit Sondermaschinen ausgeflogen, die von der Bundesregierung gechartert worden waren. Allerdings sitzen mehr als 30 000 weitere Deutsche noch immer im Ausland fest, die meisten davon in Australien (5000), Südafrika (4000), Kuba (4000), den Philippinen (3500), Indien (2500), Argentinien (2000) und Costa Rica (1900). Aus diesen Ländern werden jetzt vorrangig Touristen zurückgeholt.

Wer darf mit den gecharterten Maschinen zurück nach Deutschland fliegen?

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Touristen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Aber auch deren Angehörige, die einen dauerhaften Wohnsitz in Deutschland haben, werden mit zurückgeholt. Deutsche Studenten, Schüler im Auslandsjahr, Work-and-Travel-Reisende oder Au-Pairs können sich ebenfalls kurzfristig entscheiden, die Rückreisemöglichkeit mit den gecharterten Maschinen wahrzunehmen. Es könne sein, dass es auf absehbare Zeit keine andere Möglichkeit geben wird, per Flugzeug wieder nach Deutschland zu kommen, warnt das Auswärtige Amt. Es werde daher unbürokratisch entschieden. Ausdrücklich nicht gedacht ist das Rückholprogramm für Deutsche, die dauerhaft im Ausland wohnen.

Wie lange gilt das Angebot der Bundesregierung?

Bis zum 5. April soll der Großteil der Rückholung abgeschlossen sein. Wer also mitfliegen will, sollte sich schnell melden.

Was passiert mit Touristen, die im Landesinneren oder in Inselrepubliken unterwegs sind und nicht so schnell nicht in die Nähe eines der Rücktransport-Flughäfen kommen?

Auch ihnen wird die deutsche Botschaft des jeweiligen Landes helfen, eine individuelle Lösung zu finden. Es kann wegen der internationalen Reisebeschränkungen allerdings passieren, dass dies nicht innerhalb der nächsten Wochen möglich sein wird.

Wohin können sich deutsche Touristen im Ausland wenden, um ihre Rückkehr zu klären?

Reisenden im Ausland rät Bundesaußenminister Heiko Maas, sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes zu informieren (www.auswaertiges-amt.de) und Kontakt zu ihrem Reiseveranstalter aufzunehmen. Individualreisende sollten ihre Fluggesellschaft kontaktieren. Um sich für eine mögliche Rückholaktion registrieren zu lassen, hat das Auswärtige Amt eigens eine Webseite eingerichtet. Unter www.rueckholprogramm.de können sich Deutsche im Ausland eintragen, die jetzt zurückkehren wollen. Außerdem ist noch die sogenannte Elefand-Krisenvorsorgeliste (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland) des Auswärtigen Amtes unter www.diplo.de/elefand erreichbar. Es genügt allerdings, bei einem der beiden Portale angemeldet zu sein. Mit den dort hinterlegten Daten können die Betroffenen direkt von der jeweiligen Botschaft kontaktiert werden, etwa um Rückflugtermine bekannt zu geben. Die deutschen Botschaften und Konsulate täten „ihr Möglichstes, um individuell und schnell zu helfen“ und stünden für Anfragen zur Verfügung, so Maas. 

Was kostet die Rückholung?

Gratis ist der Aufwand nicht. Auch die Touristen, die nach Hause geholt werden, sollen an den Kosten beteiligt werden. Nach einer ersten Schätzung des Auswärtigen Amtes wird sich die Eigenbeteiligung am Preis eines Tickets für die Economy Class orientieren. Diese Rechnung wird allerdings erst nach der Rückkehr nach Deutschland gestellt.

Was ist mit Besuchen aus dem Ausland in Deutschland?

Wenn es keine deutschen Staatsbürger oder EU-Bürger sind, wird das schwierig. Die EU hat einen generellen Einreisestopp für Nicht-EU-Bürger verhängt. Deutschland führt an den Grenzen zu Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg und Dänemark selbst Grenzkontrollen durch. Einreisende werden dort zurückgewiesen, wenn sie keine Arbeitspendler oder Warenlieferanten sind. Für Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer aus diesen Ländern, aus den EU-Ländern Rumänien, Bulgarien und Kroatien sowie aus Großbritannien und Nicht-EU-Ländern gilt seit dem 25. März bis auf Weiteres ein Einreiseverbot. 

Welche Reisebeschränkungen gibt es innerhalb Deutschlands?

Das Reiseverbot gilt auch für das Inland. Die norddeutschen Küstenländer haben die Nord- und Ostseeinseln für den Tourismus gesperrt. Schleswig-Holstein lässt überhaupt keine Urlauber mehr ins Bundesland. In allen Bundesländern gibt es Kontaktverbote, Ansammlungen von mehreren Menschen sind untersagt.

Ist es sinnvoll, Reisen, Flüge oder Quartiere für die Osterferien zu buchen?

Nein. Bei Flügen ins Ausland drohen Reisende dort zu stranden, weil international immer weniger Flüge durchgeführt werden. Zudem haben viele Länder Einreisestopps verhängt. Die großen deutschen Tourismusveranstalter haben ihre Reisen bis Ende April ohnehin abgesagt. Auch im Inland sind Reisen keine gute Idee. Die in den Bundesländern verhängten Kontaktverbote und Reiseeinschränkungen gelten bis nach Ostern.

Und wenn ich schon gebucht habe?

Dann empfiehlt es sich unbedingt, Kontakt zum Reiseveranstalter oder zur Fluggesellschaft aufzunehmen. Die großen Anbieter wie TUI, DER Touristik, FTI oder Alltours haben bis 30. April alle Reisen abgesagt. Um ihre Kunden zu halten, bieten sie zum Teil kulante Umbuchungen oder Boni an.

Was wird aus Reisen im Sommerurlaub?

Die Wahrheit ist, dass das niemand voraussagen kann. Experten empfehlen, im Falle von Buchungen die Stornierungsbedingungen unbedingt zu beachten beziehungsweise solche Bedingungen klar auszuhandeln. Letztlich hängt alles davon ab, wie schnell die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung greifen.

 

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