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Brandenburg hilft Pendlern aus Polen nach Grenzschließung mit Geld und Unterkünften

Polen hat wegen der Corona-Krise für alle Ausländer und Pendler die Grenzen geschlossen. Polnische Staatsbürger dürfen zwar weiterhin einreisen, müssen aber in Quarantäne.
Polen hat wegen der Corona-Krise für alle Ausländer und Pendler die Grenzen geschlossen. Polnische Staatsbürger dürfen zwar weiterhin einreisen, müssen aber in Quarantäne. © Foto: Patrick Pleul/dpa
Ina Matthes/Dietrich Schröder / 26.03.2020, 10:37 Uhr - Aktualisiert 26.03.2020, 16:10
Frankfurt (Oder) (MOZ) Brandenburgs Finanzministerin Katrin Lange und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach haben sich auf Hilfsmaßnahmen für polnische Berufspendler verständigt, die im Land Brandenburg tätig sind und von den neuen polnischen Quarantäne-Regelungen betroffen sind, die am Freitag in Kraft treten sollen. „Bleiben Sie hier! Wir werden Sie unterstützen“, erneuerte Lange heute ihren Appell an die polnischen Kolleginnen und Kollegen.

Aufwandsentschädigung pro Tag

Polnische Berufspendler sollen nach den am Donnerstag abgestimmten Regelungen ab Freitag eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 65 Euro pro Tag erhalten. Hinzu kommen 20 Euro täglich für jedes sich im Land Brandenburg aufhaltende Familienmitglied der Beschäftigten. Damit soll der durch den Aufenthalt entstehende Mehraufwand zum Beispiel für Unterbringung in Hotels oder Pensionen, Verpflegung oder sonstige Mehrkosten pauschal ausgeglichen werden. Berufspendler unterliegen ab morgen einer 14-tägigen Quarantäne in Polen. Sie könnten dann nicht mehr in Brandenburg arbeiten.

IHK Ostbrandenburg und Cottbus vermitteln Unterkünfte

Brandenburger Kammern vermitteln Unterkünfte für Berufspendler aus Polen. Die IHK Ostbrandenburg und IHK Cottbus haben bereits erste Angebote von Beherbergungsunternehmen sammeln können und vermitteln zu interessierten Unternehmen, hieß es in einer Mitteilung der Kammern.

Das polnische Gesundheitsministerium hat eine neue Verordnung erlassen. Ab Freitag, dem 27. März, um 0 Uhr, müssen polnische Pendler in 14-tägige Quarantäne, wenn sie wieder in Polen einreisen. "Diese neue Verordnung - von der mehr als 25.000 Pendler in Brandenburg und Berlin betroffen sein werden - trifft viele Brandenburger Unternehmen ins Mark. Der Mangel an Arbeitskräften wird nun in betroffenen Branchen brenzlig" sagt Carsten Christ, Präsident der IHK Ostbrandenburg. Er fordert Außenminister Heiko Maas und Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke als Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit auf, schnellstmöglich das Gespräch mit der polnischen Regierung zu suchen und eine tragfähige Lösung zu finden.

Außerdem treten die Kammern für eine finanzielle Unterstützung durch das Land Brandenburg ein, vergleichbar der von Sachsen, wo 40 Euro pro Tag für die Übernachtung vom Freistaat übernommen werden.

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Die Kammern haben Hotlines geschaltet für Unternehmen, die Unterkünfte für ihre polnischen Fachkräfte suchen. Für Südbrandenburg ist das die Coronahilfe-Hotline der IHK Cottbus unter 0355 365 1111, E-Mail: hilfe@cottbus.ihk.de und für Ostbrandenburg die Rufnummer 0335 5621 1111, E-Mail:info@ihk-ostbrandenburg.de

Kommunen suchen Unterbringungungsmöglichkeiten

Auch zahlreiche grenznahe Kommunen in Brandenburg versuchen den Arbeitskräften zu helfen. Sie suchen nach Unterbringungsmöglichkeiten, darunter die Landkreise Spree-Neiße, Märkisch-Oderland und die Städte Frankfurt (Oder), Forst und Guben.

Unter anderem sollen über regionale Anbieter Unterkünfte bereitgestellt werden, teilte der Landkreis Spree-Neiße am Donnerstag mit. Dazu sei man auch in Kontakt mit dem Hotel und Gaststättenverband des Landes (Dehoga). Zahlreiche Pendler seien unter anderem in medizinischen Einrichtungen, in der Landwirtschaft sowie bei Dienstleistern und Handwerksbetrieben angestellt. Der Landkreis Märkisch-Oderland ist im Austausch mit den Krankenhäusern, die schon einige Maßnahmen für die Unterstützung polnischer Mitarbeiter getroffen hätten, darunter die Anmietung von Hotelzimmern.

In Frankfurt (Oder) arbeiten nach Angaben der Stadt etwa 1250 Pendler aus Polen. Deren Fernbleiben würde die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Abläufe schwächen, sagte Stadtsprecher Uwe Meier. Unter anderem Hotels, Pensionen und soziale Träger und andere Institutionen, die Übernachtungsmöglichkeiten bieten können, prüften derzeit Angebote für Berufspendler.

In der Stadt Guben (Spree-Neiße) wechseln täglich etwa 1000 Berufspendler die Staatsgrenze. Polnische Mitarbeiter sind unter anderem im örtlichen Krankenhaus, bei Bäckereien und im Industriegebiet beschäftigt, wie Florian Müller von der Wirtschaftsförderung beschrieb. Die Stadt stehe mit Wohnungsvermietern in Kontakt.

In der Stadt Forst pendeln etwa 200 Polen zur Arbeit über die Grenze. Die Unternehmen selbst, aber auch die Stadtverwaltung versuchten mit den Betroffenen Lösungen zu finden, sagte Bürgermeisterin Simone Taubenek.

Landesärztekammer warnt vor Aderlass im Gesundheitswesen

Die Landesärztekammer hat vor einem Aderlass im Gesundheitswesen durch die Corona-Quarantäne-Verordnung für polnische Berufspendler in ihrer Heimat gewarnt. In manchen Kliniken vor allem in Grenznähe kämen mehr als 30 Prozent der Beschäftigten aus Polen zur Arbeit, sagte Frank Ullrich Schulz, Präsident der Landesärztekammer, am Donnerstag. Dabei handele es sich um rund 280 Mediziner. Dazu kämen noch Krankenschwestern und Hebammen. Ullrich begrüßte die Ankündigung der Landesregierung, Betroffenen, die bleiben, eine Aufwandsentschädigung zu zahlen.

Am Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt an der Oder werden derzeit Vereinbarungen mit den Pendlern getroffen, sagte Geschäftsführer Ulrich Gnauck auf Anfrage. Im Gespräch sei, 14 Tage im Block zu arbeiten und dann für die Quarantäne wieder nach Hause zu fahren. Andere wollten die arbeitsfreie Zeit weiter hier verbringen. Für die Kosten der Unterkunft komme die Klinik auf, sagte er. In dem Haus betreffe es 50 Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen.

Der Ärztliche Direktor der Klinik, Rüdiger Heicappell, forderte im rbb-„inforadio“ von der Landesregierung, sich dafür einzusetzen, dass das medizinisches Personal von der Quarantäne-Regel ausgenommen werde.

Brandenburger Bauern schwer getroffen

Auch die Brandenburger Bauern trifft die neue Regelung hart. „Die Nerven liegen blank“, sagte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, am Donnerstag. „Es fällt schwer, Ruhe zu bewahren.“ Besonders seien die Bauern mit Tieren betroffen, die täglich gefüttert und gepflegt sowie gemolken werden müssten.

An das Agrarministerium werde appelliert, finanzielle Anreize bereit zu stellen, damit die Pendler hier bleiben, um der Quarantäne zu entgehen. „Wir brauchen eine Lösung, auch im Interesse der Tiere, die nicht leiden dürfen“, sagte er.

Von den etwa 40 000 Beschäftigten in der Landwirtschaft in Brandenburg, seien fast 1000 Berufspendler aus Polen vor allem in der Milchviehhaltung und im Gartenbau tätig. „Teilweise gibt es Arbeitsschichten oder Kolonnen, die zu 100 Prozent aus polnischen Berufspendlern bestehen“, sagte Wendorff. Es sei nicht auszudenken, wenn diese 14 Tage wegen Quarantäne ausfallen würden. In einigen Betrieben in Grenznähe würden dann komplette Schichten wegfallen. „Wir hoffen immer noch auf Ausnahmen von polnischer Seite, sagte der Präsident des Landesbauernverbandes.

Es sei wichtig, auch auf betriebliche Lösungen zu setzen, damit die Mitarbeiter zeitweise hier bleiben können. Unterkunftsmöglichkeiten müssten gefunden werden. Denkbar sei auch der etappenweise Einsatz: ein Teil des Teams sei in Quarantäne in Polen und der Rest arbeite. (mit dpa)

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Karl Napp 27.03.2020 - 12:34:07

@Cindy Kellerbauer

Werte Frau Kellerbauer, ich hatte das Glück, noch eine vernünftige Ausbildung zu genießen, und das sogar ohne Taschenrechner oder gar Computer, sondern nur mit Rechenschieber und Tafelwerk. Selbst beim Studium war es in den Anfangssemestern untersagt, einen Taschenrechner zu benutzen. Und hinsichtlich des "neuen" Bildungssystems (ich würde jedoch eher von Missbildung sprechen) habe ich mich schon mit den "Leerkräften" meiner Kinder und Enkel angelegt, weil sie in Mathe, Physik und auch Chemie den z.T. falschen Inhalt der neuen "Leerbücher" ungeprüft übernehmen und an die Kinder weitergeben. Das aber nur nebenbei. _ _ / / _ _ Nun zum eigentlichen Thema: Sie erstellen eine worst-case-Berechnung, indem Sie unterstellen, dass alle 14.000 Pendler nebst Partner und zwei Kindern das Angebot wahrnehmen. Und eben das ist eher unwahrscheinlich. Ich gehe davon aus, dass max. 50% der Pendler das Angebot nutzen werden. Und da nicht jeder einen Partner hat oder dieser wirklich auf unbestimmte Zeit in Deutschland in einem Hotel leben will, minimiert sich die Zahl weiter. Und hinsichtlich der Kinder tendiere ich zu einer Inanspruchnahme von nahezu 0%.

Cindy Kellerbauer 27.03.2020 - 08:49:47

@karl Napp

@Karl Napp kann es sein , dass Sie ein Opfer des "neuen" Bildungssystems sind? Crux an der Wahrscheinlichkeitsrechnung ist, dass Nichts unmöglich ist, eben unwahrscheinlich. Es kann sein , dass es gar mehr als 14000 Pendler sind. Es kann sein , dass diese Pendler mehr als 2 Kinder im Durchschnitt haben. Es kann sein, dass diese Pendler keine Familien und Kinder haben. Vieles kann sein. Es ist jedenfalls Fakt, dass es in Schwedt, Forst, Guben, Cottbus, Frankfurt, Beeskow, Eberswalde, Bad Freienwalde, Wohnungen für 350,-€ Monatsmiete gibt und die Mietzuschüsse für HartzIV-Empfänger so berechnet werden. 350,-€ tatsächlicher Kosten zu 2050 € Pauschale dürfte einen Anreiz zur "Übersiedlung" darstellen. Es bleibt Netto doppelt so viel , wie ein polnischer Durchschnittsverdienst beträgt. Aber alles, in alle Richtungen, Wahrscheinlichkeiten.

Karl Napp 26.03.2020 - 22:42:26

@Cindy Kellerbauer

Kann es sein, dass Sie beim Thema "Wahrscheinlichkeitsrechnung" im Mathe-Unterricht geschwänzt haben?

Karl Napp 26.03.2020 - 22:29:01

Paul Müller

Nö, Paul. Ska Keller ist schlimmer, das ist 'ne linke Grüne (https://de.wikipedia.org/wiki/Ska_Keller)

kay-uwe granz 26.03.2020 - 21:10:59

@Cindy Kellerbauer

Ein deutscher Monteur kann von solchen Tagesssätzen, nur träumen, auch wenn manche Firmen einen Teil des Zimmergeldes erstatten. Die Kosten der Unterkünfte schwanken sehr stark, wobei teuer nicht unbedingt gut sein muß. Ich habe aber die, jahrelange, Erfahrung gemacht, das man speziell in Ostdeutschland oft recht preiwert und komfortabel übernachten kann.

Paul Müller 26.03.2020 - 20:16:33

Nicht aufregen ...

... im Gegensatz zu den Gemeinschaftsschulden, welche Frau Ska Keller der Linken für den Süden Europas einplant, welche später dann alle Eurostaaten zurückzahlen sollen, sind das hier wirklich nur Peanuts ;-) ...

Cindy Kellerbauer 26.03.2020 - 20:13:20

Ich bitte um Entschuldigung, ich habe mich verrechnet

Der Wahnsinn, es sind 164.220.000,- €.

Cindy Kellerbauer 26.03.2020 - 20:07:52

Kaum zu glauben

Es soll 14000 polnische Einpendler nach Brandenburg geben. 65€ pro Tag , 31 Kalendertage, 2050€ für Miete pro Monat!Fürstlich, fürstlich.Frau und 2 Kinder: 60€ pro Tag,31 Tage, 1860 € pro Monat. Pro Monat gesamt 3910€ für die Familie, zum Lohn dazu! Bei besagten 14000 Pendlern pro Monat und angesagten 3 Monaten Ausgaben in Höhe von 155.220.000, -€. Was dürfen sich HartzIV Empfänger für Mieten leisten? Aber wohl nur eine Neiddiskussion. Ich hoffe ich habe mich verrechnet.

kay-uwe granz 26.03.2020 - 19:08:59

Hatt man sich mal die Frage gestellt, ...

warum soviele Brandenburger, in den letzten 30 Jahren, abgewandert sind oder sich fürs Pendeln in die alten Bundesländer, entschieden haben? Wird wohl nicht an den "lebenswerten " Löhnen und sozialen Bedingungen, in diversen Firmen, gelegen haben. Schon vor lielen Jahren konnte man nicht genug Osteuropäer, zu dem miesesten Konditionen, einstellen. Und Unsereiner hat sich Brüschen gelaufen, hat Bewerbungen noch und nöcher geschrieben bzw. die Hungerlöhne, zähneknirschend, akzeptiert. Wir haben immer noch eine recht hohe " reale " Arbeitslosenquote, mit einen marktgerechten Mindestlohn, bräuchte wir auch nicht über die Abschaffung von Sanktionen zu debattieren. Aber nein dieses System, der schamlosen Ausbeutung, muß auch noch suventioniert werden.

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