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Rückholaktion in Corona-Krise
Berliner schildert Festsitzen im peruanischen Cusco

Jacqueline Westermann / 06.04.2020, 05:00 Uhr - Aktualisiert 06.04.2020, 11:30
Berlin/Cusco (MOZ) Es ist uns gelungen, in 20 Tagen 200.000 Deutsche zurück nach Hause zu holen. Das war nicht immer einfach und hat stellenweise etwas geruckelt", twitterte Außenminister Heiko Maas am Sonnabend.

Dass es in der Tat "etwas geruckelt" hatte, erlebte Dominik Bong am eigenen Leib. Der 28-Jährige Berliner wollte nur zwei Wochen in Peru bleiben, aufgrund der sich ausbreitenden Pandemie wurden es dreieinhalb.

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Gefühltes Versagen

In Cusco, im Andenhochland Perus, saßen zuletzt Hunderte Touristen fest. Bong half freiwillig im deutschen Konsulat mit, Listen aufzusetzen von über 600 Deutschen und anderen Europäern, die Aufenthaltsorte, Kontaktdaten und medizinische Notfälle erfassten. Immer wieder gab es Verzögerungen. Honorarkonsulin María-Sophía Jürgens de Hermoza blieb über WhatsApp in Kontakt mit den Deutschen, musste verschobene Abflüge rechtfertigen – "mir fehlen einfach die Worte", schrieb sie zu den Entscheidungen des Auswärtigen Amtes.

Größer ist die Ungewissheit für die, die wissen, dass sie noch Wochen festsitzen. Denn nachdem in zahlreichen Hostels Corona-Fälle nachgewiesen wurden, sind diese unter einmonatige Quarantäne gestellt, die auf drei Monate verlängert werden kann.

Bongs Bekannter Lucas Silbernagel ist einer der Betroffenen. "Die Leute, die positiv getestet wurden, inklusive mir, wurden dann in Einzelzimmer gesteckt", erzählt er per Sprachnachricht. Das Zimmer dürfe er unter keinen Umständen verlassen, die Tür nur öffnen, um Essen rein und das von ihm gesäuberte Geschirr wieder herauszureichen. Er treibe Sport, halte Kontakt über das Internet und versuche zu lesen. Das einzige "Tageslicht" fällt durch schmale Fenster zum Flur. Derzeit ist sein Stichtag der 10. April, bis dahin sitze er in seiner Einzelhaft ohne Sonnenlicht und frische Luft. Er sei in Kontakt mit den deutschen Behörden, außer einem Lebensmittelpaket sei jedoch nicht viel passiert. Am Sonntag veröffentlichte die deutsche Botschaft auf Facebook Fotos einer weiteren Lebensmittellieferung am Hostal Pariwana, in dem auch Silbernagel festsitzt.

Rückkehr offen

Dominik Bong hatte mehr Glück. Am Mittwoch ist er einer der Auserwählten, die einen Platz im Flieger bekommen sollen. Die Listen des Konsulats wurden dabei nicht berücksichtigt, schreibt er über WhatsApp. Am späten Donnerstagabend dann die Nachricht, dass sie in Frankfurt/Main gelandet seien: "Schon mal hier zu sein, tut sehr gut". Wann Lucas Silbernagel zurückkommt, ist ungewiss.

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