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Neuansiedlung
Zäune zum Schutz vor Wölfen in Brandenburg

Claudia Duda / 04.05.2020, 03:15 Uhr - Aktualisiert 04.05.2020, 12:08
Wölfe, Herdenschutz, Wolfsinitiative (MOZ) Im bundesweiten Vergleich leben in Brandenburg die meisten Wölfe. Das Landesumweltamt dokumentiert alle Meldungen. Während 2006 ein einzelnes Tier gesichtet wurde, sind im vergangenen Jahr 41 Rudel und acht Paare nachgewiesen, insgesamt 154 Welpen wurden gezählt. Die Freude über die Ansiedlung des Wolfes, der im 18. und 19. Jahrhundert hierzulande ausgerottet wurde, ist jedoch begrenzt. Vor allem Landwirte sorgen sich um ihre Schafe, Rinder, Ziegen und Pferde. In vielen Regionen wurden wolfsfreie Zonen gefordert. Nicht ohne Grund: Fast 250 Mal wurden Gutachter allein im  vergangenen Jahr zu gerissenen Tieren gerufen, sehr häufig waren tatsächlich Wölfe am Werk.

Im Ländervergleich liegt Brandenburg vorn

Dabei ist in den vergangenen Jahren sehr viel für den Schutz der Nutztiere getan worden. Brandenburgs Maßnahmen sind aus Sicht des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) sogar vorbildlich. Das geht aus dem Ländervergleich der Organisation hervor, bei dem Sachsen und Thüringen hinter Brandenburg den zweiten Platz für ihre Schutzmaßnahmen belegen.

Der Schutz von Tierherden sei eine beständige Aufgabe, hieß es. "Ohne dauerhafte Prävention ist keine Weidetierhaltung im Lebensraum des Wolfes möglich. Der Abschuss kann nur das letzte Mittel sein, wenn Wölfe Schutzmaßnahmen überwinden", erklärte Christiane Schröder vom Nabu Brandenburg. Nutztierhalter bräuchten nicht nur Geld und Wissen für den Schutz ihrer Tiere, sondern auch die Sicherheit, dass es kein Wettrüsten gibt. Der Nabu setze auf die Weiterentwicklung des Wolfsmanagementplanes, der im vergangenen September verabschiedet wurde, so Christiane Schröder.

Zum Schutz der Tiere sind in Brandenburg so genannte Elektronetzzäune weit verbreitet. Korrekt angewendet sollen sie für die Wölfe bei Berührung zur schmerzhaften Barriere werden. Für die Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen können Tierhalter Fördergelder beantragen. Beim Verdacht auf einen Wolfsübergriff auf Nutztiere gibt es eine Schadenshotline. Ein Rissgutachter überprüft den Kadaver. Und sollte der Verursacher tatsächlich ein Wolf gewesen sein, kann eine Unterstützung im Schadensfall beantragt werden.

Wesentlich kritischer sieht Reinhard Jung, Politikreferent des Verbandes Freie Bauern Brandenburg, den Wolfsschutz. "Die Theoretiker vom Nabu empfehlen immer höhere Zäune und schärfere Hunde. Bauern und Steuerzahler investieren Unsummen in diese Aufrüstung, und am Ende ist der Wolf doch schlauer. Kürzlich hat er in Lübnitz bei Belzig eine Mutterkuh und drei Kälbchen gerissen und dabei einen fast zwei Meter hohen Zaun mit fünf Elektrodrähten und 7500 Volt überwunden", erklärt der 54-Jährige, der in Lennewitz in der Prignitz einen ökologischen Mutterkuhbetrieb bewirtschaftet. Ganz emotional sagt er: "In dem Moment, wenn ein zerfetztes, bei lebendigem Leib aufgefressenes Kälbchen daliegt, interessieren sich die Bauern nicht für Entschädigungen oder Förderprogramme. Sie haben nur noch eine ohnmächtige Wut auf die da oben."

Jung engagiert sich seit langem in der Initiative "Wolfsfreie Zone". Nach seiner Aussage haben sich mittlerweile 53 Städte und Gemeinden in Brandenburg per Beschluss zur wolfsfreien Zone erklärt. "Wir haben damit einen Schulterschluss zwischen Bauern und Dorfbewohnern erreicht, das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Es gibt inzwischen in den ländlichen Räumen Brandenburgs einen Grundkonsens, dass wir keine Wölfe haben wollen", meint Reinhard Jung. Das werde jedoch von der Landesregierung ignoriert. Stattdessen werde die Ausbreitung des Wolfes als Erfolg des Naturschutzes gefeiert.

Der Landwirt fordert, dass Wölfe überall gejagt werden dürfen, wo Menschen und Weidetiere sind: "Wir verlangen keine erneute Ausrottung – in den großen Braunkohletagebauen, auf Truppenübungsplätzen und in Naturreservaten können gern ein paar Rudel leben."

Lesen Sie hier auch den Kommentar von Claudia Duda: Diskussion mit Emotion

Plan zum Wolfsmanagement

Der Wolfsmanagementplan soll einen Überblick über die Wolfbestände im Land liefern. Daneben gibt er Hinweise für Präventionsmaßnahmen, informiert über Schadensausgleiche für gerissene Weidetiere und legt fest, wie mit auffälligen Wölfen umgegangen werden sollte.

Er enthält Angaben zum aktuellen Wolfsbestand sowie um einen Serviceteil mit Kontaktdaten, Förderrichtlinien und Vorschriften.⇥cd

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