Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Corona-Krise
Wachsender Frust bei den Kita-Eltern in Brandenburg

Mathias Hausding / 25.05.2020, 03:00 Uhr - Aktualisiert 25.05.2020, 15:06
Potsdam (MOZ) Landesbeirat beobachtet zunehmend Frust in den Familien. Bei der Wiedereröffnung der Kindergärten gibt es einen Flickenteppich.

Das Verständnis der Elternschaft sei komplett aufgebraucht, sagt Danilo Fischbach, der Sprecher des Brandenburger Kita-Elternbeirats. "Alles macht wieder auf, aber den Familien erklärt man, dass Kinderbetreuung ein Ding der Unmöglichkeit ist." Obwohl es landesweit kaum Neuinfektionen gibt und demnächst sogar wieder Fitnessstudios und Schwimmhallen öffnen, dürfen Brandenburger Kinder weiterhin zumeist nur tageweise in den Kindergarten oder in die Schule.

Mehr zum Thema:

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Kitas und Schulen in Brandenburg öffnen für mehr Kinder

Kommentar: Vertrauen zerstört

Jeder Kreis macht sein Ding

Nachdem die Landesregierung vor einer Woche die Verantwortung für Lockerungen im Kita-Bereich an die Kreise übertragen hat, gibt es zudem einen Flickenteppich. Manche Landkreise bieten eine tägliche Betreuung für jedes Kind an, andere halten einen Tag pro Woche für das Maximum. "Das kann man den Menschen nicht mehr erklären", ärgert sich Fischbach. "In vielen Landkreisen gehen die Eltern auf die Barrikaden." Besonders groß sei die Kritik in Potsdam-Mittelmark, Barnim und Oberhavel.

Die dortigen Kreisverwaltungen haben die Entscheidung über eine weitergehende Kita-Öffnung an die Städte und Gemeinden weitergereicht. Die Kita-Träger seien in der Pflicht, heißt es. Auch die kreisfreie Stadt Potsdam folgt dieser Logik. Sie hat die Verantwortung an die einzelnen Kitas übertragen. Dem Potsdamer Elternbeirat schwant schon, was passieren wird. "Unsere Befürchtung ist jetzt, dass wir demnächst einen Flickenteppich in der Potsdamer Kita-Landschaft vorfinden werden", heißt es in einer Stellungnahme. Manche Kindergärten würden den Eltern sicher entgegenkommen, andere sich aber gegen eine Öffnung sträuben.

Viel Verbitterung spricht aus dem Statement des Kita-Elternbeirats in Oberhavel. Kinder würden weiterhin wie eine Risikogruppe ausgegrenzt und nicht wie die Zukunft des Landes behandelt. Das Kindeswohl stehe in Brandenburg seit nunmehr zehn Wochen nicht mehr im Vordergrund. Einsamkeit und Selbstbeschäftigung seien die Folge der derzeitigen Situation für viele Mädchen und Jungen, deren Eltern neben der Betreuung bis zur Erschöpfung arbeiten müssten. Für Danilo Fischbach steht fest: "Familien werden in Brandenburg strukturell benachteiligt. Die Politik drängt Mütter und Väter aus dem Arbeitsmarkt."

Er vermisse auch einen Plan, wie die Landesregierung in den kommenden Monaten die Covid19-Gefahren und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Griff bekommen wolle. Der Mangel an Personal und an Räumen sei im Kitabereich schon vor der Corona-Krise enorm gewesen, erinnert der Elternsprecher.

Nach seiner Einschätzung fehle es in der Landespolitik an Problembewusstsein. Das zeige auch die wiederholte Aussage des SPD-Wirtschaftsministers Jörg Steinbach, dass die Elternkritik überzogen sei und sie sich doch freuen sollten, mal mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. "Das zeugt von Unkenntnis der Lebensrealität der Brandenburger Familien. Ich wundere mich vor allem, dass keine einzige Politikerin dem Minister widersprochen hat", so Fischbach.

Von den Kommunen kommt indes Sarkasmus in Richtung der Kenia-Koalition. "Hurra, ich bin jetzt auch Bildungsminister von Stahnsdorf", twitterte vor einigen Tagen der Rathauschef der Gemeinde in Potsdam-Mittelmark. "Brandenburger Landesregierung lässt das Regieren sein. Die Bürgermeister entscheiden, wie viele Kita-Kinder jetzt infektionsschutzgerecht betreut werden können."

Kinder sind nicht die Treiber der Pandemie

Vier medizinische Fachgesellschaften haben dazu aufgerufen, Schulen und Kitas schnell wieder komplett zu öffnen. Sie begründeten dies mit geringen Infektions- und Ansteckungsraten. Daten aus vielen Untersuchungen wiesen in eine Richtung: Kinder und Jugendliche seien nicht die treibende Kraft der Pandemie. Im Gegensatz dazu seien die sozialen und gesundheitlichen Folgen der Schließungen gravierend, betonen die Gesellschaft für Krankenhaushygiene, die Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, die Akademie für Kinder- und Jugendmedizin und der Berufsverband der Kinderärzte. ⇥mat

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG