Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Viehzucht
Stopp bei Tönnies: Brandenburger Schweinehaltern fehlen Schlachthöfe

Auch Brandenburger Schweinehalter sind vom Stopp bei Tönnies betroffen. Das verschärft die Frage nach fehlenden Schlachtbetrieben im eigenen Land.
Auch Brandenburger Schweinehalter sind vom Stopp bei Tönnies betroffen. Das verschärft die Frage nach fehlenden Schlachtbetrieben im eigenen Land. © Foto: Patrick Pleul/dpa
dpa / 25.06.2020, 16:50 Uhr
Potsdam (dpa) Der Stopp der Produktion nach dem Corona-Ausbruch in einem Werk des Branchenriesen Tönnies in Nordrhein-Westfalen bringt auch Brandenburger Schweinehaltern Probleme: Der Mangel eigener Schlachtbetriebe wird jetzt schmerzlich spürbar.

"Tiere müssen länger in den Ställen stehen, ehe sie zur Schlachtung kommen", sagte der stellvertretende Präsident des Landesbauernverbandes, Heiko Terno, am Donnerstag auf Anfrage.

Die Schweine müssten länger gefüttert werden und brächten dafür mehr Gewicht auf die Waage. "Das zahlt sich für den Mäster aber nicht aus. Kunden wollen mageres Fleisch, Schinken und Schnitzel", erläuterte Terno. Ohren oder Füße wolle niemand. Zu viel Fett sei ein Qualitätsmanko, damit sinke der Erlös für den Landwirt um fünf bis zehn Prozent.

Nach wie vor fehlten in Brandenburg ausreichend eigene Schlachtkapazitäten, kritisierte Hans-Christian Daniels, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schwein Brandenburg. Tiere müssten aus der Region gefahren werden, das Fleisch komme dann zurück. "Derzeit werden Schweinehalter wegen Corona ihre Tiere nicht wie geplant los."

Unwägbar sei auch die Situation für Schweinehalter, die sich scheuten, in den unsicheren Markt zu investieren, sagte Vize-Landesbauerchef Terno. Es gehe um bundesweite Vorschriften zur Haltung der Tiere, zum Kürzen der Schwänze und dem Kastrieren der männlichen Ferkel - eine Entscheidung, die noch ausstehe.

Nach Angaben des brandenburgischen Verbraucherschutzministeriums arbeiten landesweit insgesamt 138 behördlich zugelassene Schlachtbetriebe; 47 davon haben mehr als 20 Beschäftigte. Derzeit laufen durch das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit unangekündigte Kontrollen zur Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften. Bislang wurden nach Angaben des Ministeriums keine besonderen Vorkommnisse registriert. Ergebnisse sollen im Juli vorliegen.

Zur Zeit würden nur 40 Prozent der Schweine der Mitglieder der Interessengemeinschaft geschlachtet, berichtete Daniels. "Im Umkehrschluss heißt das: 60 Prozent stehen noch in den Ställen." Dazu würden in den Aufzuchtbetrieben die Sauen kontinuierlich weitere Ferkel werfen. "Alle vier Monate ist die nächste Generation so weit, die drückt von hinten weiter auf den Bestand". Bis zur Geburt habe ein Ferkel den Halter 35 Euro gekostet. Wenn er es nicht loswerde, weil in den Mastbetrieben kein Platz in den Ställen sei, würden weitere Ausgaben für Futter und Haltung fällig.

Nach Angaben des Brandenburger Landesverbandes beträgt der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch in der Hauptstadtregion nur etwa 30 Prozent. Die fehlende Menge werde angeliefert. Derzeit gibt es im Land etwa 170 Schweinehaltungen mit mehr als 751 000 Tieren.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG