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Streit um Hochschulbau

Ulrich Thiessen / 23.08.2010, 18:06 Uhr
Potsdam (In House) Sparmaßnahmen im Hochschulbereich schrecken die Fachhochschule in Potsdam auf. Beunruhigt ist aber auch die Stadt, die die Gestaltung des Alten Marktes gefährdet sieht.

Eines ist sicher: Die Geschichte ist verworren. Die Fachhochschule Potsdam, die ursprünglich in einem DDR-Bau am Alten Markt residierte, zieht seit Jahren an einen neuen Campus im Norden der Stadt um. Noch rund 1000 von rund 2750 Studenten sind am alten Standort untergebracht. Dort wurden mit Hinweis auf den Umzug bis Ende 2012 kaum noch Instandhaltungsmaßnahmen vorgenommen. „Die Toiletten stinken, die Fußböden sind eine Katastrophe und im Sommer ist es kaum auszuhalten“, beschreibt eine Mitarbeiterin die Situation.

In der vergangenen Woche wurde der FH vom Wissenschaftsministerium mitgeteilt, dass ein geplanter Neubau am neuen Campus für 10 Millionen Euro gestrichen wird. Es gebe andere Bauvorhaben im Wissenschaftsbereich in Frankfurt oder an der Potsdamer Universität, die dringlicher seien. Der Umzug der FH sei nach Ansicht des Ministeriums auch so zu bewältigen, wenn man einige Gebäude auf dem Gelände saniere. Das käme billiger.

Der Rektor der Fachhochschule, Johannes Vielhaber, sieht das anders: Der Umzug werde sich auf unbestimmte Zeit verzögern. Nun müsse man das alte Gebäude am Markt sanieren, fordert er. Das Ministerium hält das für nicht notwendig. Schließlich sei der Neubau nur als – teure – Zwischenlösung gedacht. Nach dem ganzen Hin- und Hergeziehe sollte die FH ein Gebäude wieder für andere Zwecke abgeben. Ergo braucht sie gar nicht so viel Platz.

Nein, sagt eine Sprecherin der Fachhochschule. Schließlich wolle die Einrichtung ja weiter wachsen und das Haus behalten. Außerdem könne man nicht Hin- und Herziehen, weil in der Hoffnung auf die große Lösung Räume am Alten Markt an die Stadt- und Landesbibliothek vermietet wurden, die gerade für mehrere Jahre saniert wird.

Wortbruch wirft der Rektor Ministerin Martina Münch (SPD) vor. Die bestreitet das. Allenfalls werde sich der bis Ende 2012 geplante Umzug etwas verzögern.

Das ist der Punkt, wo es für die Landeshauptstadt heikel wird. Die will 2013 das DDR-Gebäude abreißen und die Grundstücke verkaufen. Dort am dann fertigen neuen Brandenburger Landtag sollen mehrere Palais rekonstruiert werden, um das alte Stadtbild wieder herstellen zu können. Verzögert sich der Abriss der alten Fachhochschule, gerät das Finanzierungskonzept Potsdams ins Wanken. „Das könnte sich auswachsen“, sagt Hans Joachim Kuke vom Verein Stadtschloss e. V., der die Rekonstruktion maßgeblicher Teile der Innenstadt forciert. Kuke sieht dann den mühsam erreichten Konsens zur Stadtgestaltung in Gefahr. Wenn Teile der Fassade gesichert werden müssen, weil das Haus länger steht, könnte diejenigen Kräfte Aufwind erhalten, die das Gebäude sowieso erhalten wollten.

Darüber hinaus ruft die Sparmaßnahme des Wissenschaftsministeriums die CDU auf den Plan. Deren stellvertretender Fraktionschef, Michael Schierack, befürchtet, dass dies erst der Anfang sei. Weitere Einschnitte bei anderen Hochschulen würden folgen. Dieser Bereich genieße offenbar keine Priorität mehr. Das Ministerium dementierte am Montag weitere Kürzungen im Hochschulbau

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