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Ein bisschen Rio in Swiebodzin

Die größte Jesus-Figur der Welt steht seit dem Wochenende nicht mehr in Rio de Janeiro, sondern in der polnischen Kleinstadt Swiebodzin.
Die größte Jesus-Figur der Welt steht seit dem Wochenende nicht mehr in Rio de Janeiro, sondern in der polnischen Kleinstadt Swiebodzin. © Foto: dpa
Dietrich Schröder / 07.11.2010, 17:23 Uhr - Aktualisiert 07.11.2010, 17:38
Swiebodzin (Schwiebus) (In House) Die größte Jesus-Figur der Welt steht seit dem Wochenende nicht mehr in Rio de Janeiro, sondern in der polnischen Kleinstadt Swiebodzin, 60 Kilometer östlich von Frankfurt (Oder).

Es ist kalt, es regnet fast ununterbrochen und auch der Wind weht unangenehm. Und doch liegt an diesem Sonnabendvormittag ein besonderer Geist über der Kleinstadt Swiebodzin. Schon kurz nach der Dämmerung haben sich auf einem ehemaligen Acker am Rande des Ortes Dutzende Bauarbeiter, Hunderte Neugierige und zahlreiche Journalisten versammelt.

An diesem Tag soll endlich ein Werk gelingen, mit dem der 20 000-Seelen-
Ort schon vor Jahren in die Schlagzeilen geraten war. Die Absicht, ausgerechnet hier die größte Jesus-Figur der Welt zu errichten – drei Meter höher als die von Rio de Janeiro –, galt den meisten, die davon gehört hatten, als verrückt und unrealistisch. Einige verglichen sie gar mit dem biblischen Turmbau zu Babel, für den die Menschen wegen ihres Größenwahns bestraft wurden.

Nur einer war von Anfang an vom Gelingen überzeugt: Der charismatische und wohl auch etwas selbstherrliche Pfarrer 
Sylwester Zawadzki. Wohl ahnend, dass er seine Umgebung nicht sofort von seinen Absichten überzeugen können würde, hatte der frühere Bauingenieur vor zehn Jahren bei den Stadt- und Kreisbehörden zunächst nur Pläne für eine 20 Meter hohe Holzfigur eingereicht. Zugleich ließ er von seinen Schäfchen und anderen Freiwilligen einen fast 17 Meter hohen Hügel anschütten, auf dessen Gipfel bereits ein Kreuzweg führt.

Als dort oben dann auch noch riesige Stahlträger ins Erdreich gerammt und die ersten Elemente aus Beton verlegt wurden, die nur den Mantelsaum des Gottessohnes darstellten, erließ die Kreisverwaltung sogar einen Baustopp. Auch um die Namen der Sponsoren, die das Bauwerk angeblich unterstützen, macht der umtriebige Pfarrer bis heute ein Geheimnis. Polnische Reporter berichteten, dass auch Strafgefangene zur Fertigung des Denkmals eingesetzt wurden, was gut für deren Seelenheil gewesen sein soll, aber auch die Baukosten in tragbaren Größen hielt.

Nach mehreren Rückschlägen, zu denen auch zwei Herzinfarkte zählten, die Pfarrer Zawadzki überstehen musste, wurden im katholisch geprägten Nachbarland dann doch alle Baupläne genehmigt. Den letzten Rückschlag gab es, als vor zwei Wochen ein zu kleiner Kran das allein 20 Tonnen wiegende Schulterteil mit den über 25 Meter ausgebreiteten Armen nicht mehr als einige Zentimeter anheben konnte. Mehr noch: Als das Teil abrutschte, quetschte sich ein Arbeiter einen Fuß.

Doch als am Sonnabend die riesigen ausgebreiteten Arme langsam auf den Rumpf der Figur schweben, hat man als Beobachter das Gefühl, dass dieses Zeichen direkt aus dem wolkenverhangenen November-Himmel kommt. „Von dort habe ich auch den Auftrag empfangen, das Werk zu schaffen“, sagt Zawadzki, als sich auch noch der Kopf mit der allein drei Meter hohen Krone (in Anlehnung an das dreijährige öffentliche Auftreten Jesus' vor 2000 Jahren) auf die Figur senkt. In diesem Moment sind alle Umstehenden zutiefst ergriffen. Am 21. November soll das überdimensionale Glaubenszeichen bei einer großen Messe geweiht werden.

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Paule Panther 08.11.2010 - 15:39:02

Rio?

Bestimmt aus EU-Fördermittel bezahlt, wobei Deutschland wieder einmal den Löwenanteil beisteuerte. Ist das nicht wunderbar?

Paule Panther 08.11.2010 - 15:38:20

Rio?

Bestimmt aus EU-Fördermittel bezahlt, wobei Deutschland wieder einmal den Löwenanteil beisteuerte. Ist das nicht wunderbar?

mops 08.11.2010 - 11:27:03

Opium für's Volk.

Man hat den Eindruck, das Volk möchte veräppelt werden.

Dr. Valentin 08.11.2010 - 07:05:35

Wer hat den längsten?

Diese völlig kritik- und humorlose Berichterstattung über die wahnsinnigen Auswüchse eines archaischen Götzenkultes aus der späten Bronzezeit lassen mich an unserem Nachbarland und an Ihrer Redaktion (ver-)zweifeln.

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