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Lubmin macht sich Sorgen ums Image

Friedlicher Protest: Atomkraftgegner haben in Greifswald gegen den bevorstehenden Castor-Transport demonstriert.
Friedlicher Protest: Atomkraftgegner haben in Greifswald gegen den bevorstehenden Castor-Transport demonstriert. © Foto: dapd
13.12.2010, 07:19 Uhr
Lubmin/Greifswald/Potsdam (In House) Sven Petke (CDU) fordert, Störer beim bevorstehenden Castor-Transport durch Brandenburg an Kosten für Polizeieinsätze zu beteiligen. Indes ist die Gemeinde Lubmin angesichts des Transports in das benachbarte atomare Zwischenlager Nord um ihr Image besorgt.

In Lubmin, dem idyllisch gelegenen Seebad am Greifswalder Bodden in Mecklenburg-Vorpommern, fürchten Einwohner, die überregionale Berichterstattung über die hochstrahlende Fracht könnte potenzielle Urlauber abschrecken und dem touristisch geprägten Ort enormen Schaden zufügen. Um eine Verbindung von Lubmin mit dem radioaktivem Erbe stillgelegter Atomkraftwerke zu verhindern, drohen Gemeindevertreter jetzt gegen all jene Journalisten gerichtlich vorzugehen, die den Namen des Seebades im Zusammenhang mit dem Zwischenlager nennen. Die Ankündigung geht auf einen Beschluss der Gemeindevertretung zurück, den die Wählergemeinschaft „Frischer Wind für Lubmin“ (FWL) im November durchsetzte. Demnach soll bei jeder namentlichen Verknüpfung Klage gegen den betreffenden Autoren eingereicht werden.

Lubmin sei Tourismusstandort und dieser Ruf dürfe nicht durch beunruhigende Meldungen über ein Atomklo ruiniert werden, sagt der stellvertretende Bürgermeister Robert Köhler (FWL). Er legt Wert auf die Feststellung, dass sich das 1996 in Betrieb gegangene Zwischenlager auf der Gemarkung der Gemeinde Rubenow befindet. Es sei daher unkorrekt, wenn selbst regionale Medien seit Jahren immer wieder vom Kernkraftwerk Lubmin und vom Zwischenlager Lubmin sprächen, auch, wenn die örtliche Nähe durchaus gegeben sei und Rubenow zum Amt Lubmin gehöre.

Köhler ist Anwalt. Er wisse durchaus, dass ein rigoroses Vorgehen gegen in- und ausländische Pressevertreter wenn überhaupt, dann nur mit großem Aufwand durchgesetzt und zudem teuer werden könnte, gibt er zu. Außerdem sei die Aussicht auf gerichtlichen Erfolg relativ gering. Man habe mit dem Beschluss eher ein Zeichen setzen wollen, um zu verhindern, dass Gäste nicht abgeschreckt würden, sagt Köhler. Er selbst habe Urlauber gesprochen, die wieder umgekehrt seien, als sie erfahren hätten, dass gleich nebenan ein KKW stehe.

Lubmins Bürgermeister Axel Vogt (CDU), ebenfalls von Beruf Anwalt, versteht die ganze Aufregung nicht. „Dem Gemeindebeschluss habe ich inzwischen widersprochen“, verkündet er und beruft sich dabei auf die Kommunalverfassung. Auf der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung am 10. Januar werde er klar machen, dass so ein Beschluss schon haushaltsrechtlich gar nicht durchsetzbar sei.

Negative Auswirkungen des Castor-Transports, der auch Lubmin passieren wird, sehe er ohnehin nicht. „Im Gegenteil, die seit Jahren stattfindende überregionale Berichterstattung über das ehemalige DDR-Kernkraftwerk hat unser Seebad doch eigentlich bundesweit erst richtig bekannt gemacht.“ Immer mehr Leute kämen zur Erholung an den Bodden.

Der Zug mit vier Castoren startet voraussichtlich morgen im südfranzösischen Cadarache. Die Kernbrennstäbe stammen aus dem stillgelegten Forschungsreaktor in Karlsruhe und von der „Otto Hahn“, einem ehemaligen deutschen Forschungsschiff mit Atomantrieb. Am Mittwoch oder Donnerstag könnte der Transport auch durch die Mark rollen. Die genaue Fahrtroute wird geheim gehalten. Atomkraftgegner haben friedliche Proteste angekündigt. Sven Petke, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Potsdamer Landtag, forderte am Sonnabend, dass die rot-rote Landesregierung Störer an möglichen Kosten für Polizeieinsätze beteiligen soll. Er bezog sich auf einen entsprechenden Antrag der CDU-Fraktion für die nächste Landtagssitzung.

Petke verwies auf Erfahrungen aus anderen Bundesländern und forderte die märkische Landesregierung auf, das strafrechtliche Verhalten möglicher Störer konsequent zu verfolgen. Besonders die eingesetzten Polizeibeamten seien oftmals massiven Straftaten ausgesetzt. „Hier muss die Landesregierung einen klaren Riegel vorschieben“, betonte Petke. Er warnte, dass Demonstranten, die sich an Gleise ketteten, die Schienen unterhöhlten oder Gewalt gegen Polizisten anwendeten, eine Straftat begehen.

Indes haben am Sonnabend in Greifswald rund 2000 Atomkraftgegner gegen den anstehenden Castor-Transport demonstriert. Sie forderten zugleich einen Verzicht auf die beschlossene Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Die Veranstalter sprachen von rund 3500 Teilnehmern. Die Polizei nannte die Zahl von etwa 2000. Erwartet worden waren 4000 Demonstranten. Laut Polizei gab es keine Zwischenfälle.

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S. P. 13.12.2010 - 12:45:25

Strahlenschäden

Vermutlich hat die radioaktive Strahlung schon die Hirne der Gemeindevertreter geschädigt. Insofern muß man sich also tatsächlich sorgen um das Image des Städtchens machen.

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