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Sorge um die Geburtshilfe

Mancherorts in Brandenburgs wird es für werdende Mütter immer schwieriger, Beistand bei der Geburt zu finden.
Mancherorts in Brandenburgs wird es für werdende Mütter immer schwieriger, Beistand bei der Geburt zu finden. © Foto: dpa
Harriet Stürmer / 28.12.2010, 20:33 Uhr - Aktualisiert 28.12.2010, 20:36
Frankfurt (Oder) (In House) Mancherorts in Brandenburgs wird es für werdende Mütter immer schwieriger, Beistand bei der Geburt zu finden. Kleinere Geburtsstationen schließen. Gleichzeitig können sich freiberufliche Hebammen die Geburtshilfe kaum noch leisten.

Der Einwohnerschwund hat auch die Geburtenzahlen in Brandenburg in den vergangenen Jahren drastisch zurückgehen lassen. Vor allem in Krankenhäusern in ländlichen Regionen kommen mittlerweile weit weniger als 400 Kinder im Jahr zur Welt. Nicht ausgelasteten Geburtshilfestationen droht wegen Unwirtschaftlichkeit das Aus. Ende des Jahres trifft es Prenzlau (Uckermark) – wie bereits im Juli 2008 im Dritten Krankenhausplan des Landes Brandenburg beschlossen. Zuletzt sind im dortigen Kreiskrankenhaus etwa 200 Kinder im Jahr zur Welt gekommen. Vor ein paar Jahren waren es noch doppelt so viele Neugeborene. Werdende Mütter aus Prenzlau und dem Umland müssen nun längere Wege zum Kreißsaal auf sich nehmen. Sie werden wohl nach Neubrandenburg oder Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern oder aber nach Schwedt oder Templin (beide Uckermark) ausweichen.

Der Hebammenverband Brandenburg kritisiert das Vorgehen der Landesregierung und fordert trotz Geburtenrückgangs den Erhalt kleinerer Entbindungsstationen. „Nur so können wir eine flächendeckende Betreuung für Schwangere gewährleisten“, sagt Angela Aurich vom Verbandsvorstand. „Bei zu langer Anfahrt zum Kreißsaal besteht die Gefahr, dass die Kinder unbetreut zur Welt kommen.“ Schon jetzt komme es vor, dass die Geburt statt im Kreißsaal im Auto auf dem Weg dorthin stattfindet.

Zugleich, betont Aurich, bedeutet die Schließung von Geburtsstationen nicht, dass das Personal in anderen Entbindungsstationen unterkommt. In manchen Krankenhäusern würden immer mehr Frauen von gleichbleibend viel Personal betreut. Es gebe bereits Probleme bei der Wochenbettbetreuung. „Ohne die zusätzliche Unterstützung durch freiberufliche Hebammen würde die Nachsorge der Mütter schon jetzt nicht mehr flächendeckend funktionieren“, sagt Aurich. Und nun sei auch noch zu befürchten, dass die Zahl der freien Hebammen nicht – wie nötig – steigt.

Zwar werden angestellte Hebammen mit der Schließung von Geburtshilfestationen in die Selbstständigkeit gedrängt, sagt Aurich. Weil es für freiberufliche Hebammen aber immer schwieriger wird, von ihrer Arbeit auch leben zu können, sei zu befüchten, dass viele von ihnen den Schritt in die Selbstständigkeit nicht mehr wagen und das Handtuch werfen. Die flächendeckende Betreuung der Mütter vor und nach der Geburt sei in Gefahr. Auch für Frauen, die sich eine Hausgeburt wünschen, dürfte es künftig schwieriger werden, eine Hebamme zu finden.

Zurzeit hängen bundesweit immer mehr Geburtshelferinnen ihren Job an den Nagel. Hintergrund ist, dass der Beitrag zur Berufshaftpflichtversicherung im Sommer erneut drastisch gestiegen ist. Seit dem 1. Juli müssen freiberufliche Geburtshelferinnen etwa 3700 Euro jährlich zahlen. Im Jahr zuvor waren es rund 2400, im Jahr 2007 waren es knapp über 1200 Euro. Grund für die Anhebungen sind steigende Schadenersatzforderungen bei Kindern, die durch Geburtsfehler behindert sind. Mit den Erhöhungen hat sich kontinuierlich auch die Zahl der freien Hebammen vermindert, heißt es beim Deutschen Hebammenverband.

In ganz Deutschland gehen Hebammen zurzeit auf die Straße. Sie fordern von den Krankenkassen eine angemessene Bezahlung. 7,50 Euro netto verdient eine freiberufliche Hebamme im Durchschnitt pro Stunde, sagt Angela Aurich. Für viele sei der Verdienst zu gering, um das Geld für die Haftpflicht aufzubringen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat den 
Hebammenverbänden bereits Unterstützung zugesagt. Vor allem aber will er herausfinden, wie viele Hebammen es gibt und wie viele benötigt werden – für Aurich ein wichtiger Schritt. Denn bisher wisse niemand, wie viele Hebammen es allein in Brandenburg gibt.

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