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Verkabelung ist teilweise durchsetzbar

Kabel oder Mast - ein Streitthema in Brandenburg
Kabel oder Mast - ein Streitthema in Brandenburg © Foto: picture-alliance/ dpa
Ulrich Thiessen / 09.02.2011, 19:05 Uhr - Aktualisiert 09.02.2011, 19:16
Potsdam (MOZ) Das Land Brandenburg kann eigenständig regeln, ob neue Stromleitungen mit 110 Kilovolt (KV) unter der Erde oder überirdisch verlaufen. Das ergab am Mittwoch eine Anhörung im Wirtschafts- und Umweltausschuss. Für 380-KV-Leitungen zeichnet sich dagegen keine landesweite Lösung ab. Gunnar Hemme aus Angermünde (Uckermark) ist Öko-Milchbauer und Vorsitzender einer Bürgerinitiative. Er gab am Mittwoch der Betroffenheit ein Gesicht und eine Stimme. Bei der Anhörung im Landtag zum Thema Erdverkabelung sagte er: „Ich verlange von jedem Abgeordneten Respekt vor einer schützenswerten Landschaft. Lasst uns wenigstens eine Ecke in Deutschland für die nächste Generation so erhalten wie sie ist.“ Hemmes Betrieb soll von einer Starkstrom-Trasse überquert werden, die quer durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin führt. Der Landwirt fürchtet für sich und weitere Kollegen die Aberkennung der Bio-Marke und fordert eine unterirdische Verkabelung der Trasse anstatt Freileitungen und Masten. Die Uckermark-Trasse für ?380 Kilovolt befindet sich in der Planfeststellung. Mehr als 1000 Menschen sowie 70 Verbände und Kommunen haben Einwände dagegen vorgebracht. Die Stadt Eberswalde (Barnim) hat extra eine Grundstücksschneise angeboten, um dort die Leitungen unter der Erde verlegen zu lassen. Die Anhörung drehte sich nur am Rande um die Uckermark-Trasse. Es geht um eine generelle Landeslösung für neue Leitungen. Die erneuerbaren Energien machen neue Stromnetze notwendig. Professor Harald Schwarz von der Technischen Universität Cottbus rechnete vor, dass Brandenburg 1200 Kilometer neue Leitungen für 110 KV und ?500 bis 600 Kilometer für 380 bis 400 KV benötigt. Nicht zuletzt, um Wind- und Solarstrom in die Abnehmergebiete in Süddeutschland zu transportieren. Unklar blieb gestern, ob der Bund regelnd eingreift und die Netzausbaukosten für die Länder senkt, durch die die Trasse verläuft. Möglich wäre das durch eine gleichmäßige Verteilung auf alle Bundesländer. Anderenfalls würde Ostdeutschland draufzahlen. Für die 380-KV-Leitungen hat die Bundesregierung vier Trassen festgelegt (drei in Niedersachsen, eine in Thüringen), auf denen die Verkabelung erprobt werden soll. Wilfred Fischer von der 50Hertz-Transmission GmbH, die Netze betreibt und Leitungen errichtet, warnte vor der Verkabelung im 380-KV-Bereich. Die Technologie sei noch nicht ausgereift. Er verwies darauf, dass in Berlin Ende 2009 in einer solchen Anlage eine Havarie auftrat, deren Behebung zehn Monate dauerte. Bei Freileitungen sei Wartung und Reparatur wesentlich billiger. Verkabelung kann bis zu sechs Mal teurer werden als oberirdische Leitungen. „Wir können nicht zulassen, dass unsere Kunden und die Wirtschaft die Zeche zahlen“, sagte der CDU-Wirtschaftsexperte Dierk Homeyer. Das sehen FDP und Grüne ganz anders. Sie haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der dem Land ermöglichen soll, die Verkabelung generell durchzusetzen. Die meisten gehörten Experten waren der Meinung, dass dies für den Bereich von 110 KV möglich sei. Was die 380-KV-Leitungen betrifft, gingen die Meinungen auseinander. Einige Juristen vertraten die Ansicht, dass der Bund mit den vier Modell-Trassen die Kompetenz an sich gezogen hat und die Länder keine Regelungskompetenzen besitzen. Es gab Empfehlungen, vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen oder zu warten bis der Bund 2012 die Modelle evaluiert und eventuell neue ausschreibt. Einigkeit herrschte auch weitgehend, dass Erdverkabelung nicht nur bei Hemme, sondern in der Mehrheit der Bevölkerung auf Zustimmung stößt. Die Idee, die Bevölkerung durch extravagantes Design der Masten zu gewinnen, blieb nur eine Notiz am Rande. Im Landtag zeichnete sich gestern eine Mehrheit dafür ab, die Verkabelung für 110 KV gesetzlich zu regeln.

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