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Alterspräsident des Brandenburger Landtages verstorben

Heide und Gustav Just . Der Alterspräsident des Brandenburger Landtages ist verstorben.
Heide und Gustav Just . Der Alterspräsident des Brandenburger Landtages ist verstorben. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 23.02.2011, 16:50 Uhr
Prenden (In House) Die Aufnahme entstand im August vor zwei Jahren in ihrem Garten in Prenden (Barnim). Damals feierten Heide und Gustav Just ihre 
Eiserne Hochzeit. Sie waren glücklich, obwohl er bereits von seiner Krankheit stark gezeichnet war. Ein Paar, das zu diesem Zeitpunkt 65 Jahre miteinander gelebt und gelitten hatte.

Nun ist Gustav Just am Mittwochmorgen im Alter von 
89 Jahren gestorben. Seine Frau Heide bleibt zurück. Eine weitere schwere Prüfung, die ihr auferlegt wird – nach Krieg und Vertreibung, politischer Verfolgung und Haft ihres Mannes in der DDR. Gustav Just war ein streitbarer Mann. 1921 in Reinowitz/Rýnovice (Sudeten) geboren, meldete er sich nach dem Abitur als Kriegsfreiwilliger 1940 an die Front. Zwei Mal wurde er in der Folgezeit schwer verwundet. „Es war eine furchtbare Zeit“, sagt Heide Just. „Ob man sich wiedersieht, wusste man nicht.“ Daher rührte auch die Überzeugung des Paares, nie wieder einen Krieg erleben zu wollen. Trotz Vertreibung aus ihrer Heimat, den Sudeten, in die sowjetische Besatzungszone 1946, wurden sie glühende Verfechter des Sozialismus.

Gustav Just belegte einen Neulehrerkurs und war bis 1948 als Lehrer tätig. Als Mitglied der SED hatte er verschiedene politische Funktionen inne. Bis Just 1957 im Zuge der Schauprozesse gegen Walter Janka, Wolfgang Harich und andere in die Fänge der DDR-Justiz geriet. Er, der stellvertretende Chefredakteur der kulturpolitischen Wochenzeitung „Sonntag“, hatte sich mit anderen Intellektuellen für eine Entstalinisierung der Gesellschaft stark gemacht und wurde nun erbarmungslos verfolgt. Just wurde für vier Jahre ins Zuchthaus Bautzen gesperrt. „Dabei wollten wir den Sozialismus nicht beseitigen, sondern retten“, sagte er einmal in einem Gespräch mit der Märkischen Oderzeitung.

Nach seiner Haftentlassung 1961 nahm Just eine Tätigkeit als Übersetzer tschechischer und slowakischer Literatur auf, die er bis zu seinem Ruhestand 1986 ausübte. Mit dem Ende der DDR engagierte er sich wieder politisch. Just gründete in seinem Heimatort Prenden die SPD-Ortsgruppe, wurde Mitglied des Kreistages und zog 1990 für die SPD in den Brandenburger Landtag ein, dessen Alterspräsident er bis 1992 war. Nach Vorwürfen, während des Zweiten Weltkrieges an der Erschießung von Geiseln beteiligt gewesen zu sein, legte er sein Mandat nieder. Der SPD blieb Gustav Just dennoch bis zu seinem Tode treu.

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