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Massen-Gentest in der Uckermark

Mordopfer Andrea Steffen
Mordopfer Andrea Steffen © Foto: Oliver Schwers
04.03.2011, 19:40 Uhr
Prenzlau (In House) Mit dem bisher größten Massen-Gentest in Brandenburg will die Polizei einen Mord aus dem Jahre 1991 aufklären. Damals wurde die 15-jährige Andrea Steffen nach einem brutalen Sexualverbrechen in einem Waldstück in der Uckermark tot aufgefunden.

Fast 20 Jahre danach ist der Mord noch immer nicht aufgeklärt. Doch inzwischen haben sich neue Anhaltspunkte durch eine bessere Auswertung von DNA-Spuren ergeben. Um sie zu vergleichen, sollen jetzt 2300 Männer aus der Uckermark eine freiwillige Speichelprobe abgeben. Die Mordkommission Eberswalde, die den Fall bearbeitet, geht davon aus, dass der Täter möglicherweise noch heute unbehelligt in der Region lebt. „Er muss gute Ortskenntnisse gehabt haben“, ist auch Gerd Schnittcher von der Staatsanwaltschaft Neuruppin überzeugt.

Das Mädchen wurde im Mai 1991 in der Nähe der Autobahnabfahrt Warnitz (Uckermark) von Spaziergängern tot aufgefunden. Andrea Steffen war fünf Tage zuvor aus einem Heim in Neubrandenburg ausgerissen. Sie hatte bereits mehrere Heimaufenthalte in Gerswalde und Schwedt hinter sich. Bisher ist unklar, wo das Mädchen umgebracht wurde. Über den Tathergang schweigt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen. Vermutlich war das Opfer per Anhalter unterwegs und traf so auf seinen Mörder.

Bisher erbrachte die Überprüfung mehrerer Tatverdächtiger kein Ergebnis. Deshalb hat die Mordkommission eine Liste von 2300 Männern erstellt, die damals oder heute im Umfeld lebten oder möglicherweise Kontakt mit dem Mädchen hatten. Mit dem bisher größten freiwilligen Massenscreening (molekulargenetische Reihenuntersuchung) in Brandenburg, das sich über einen Durchmesser von 30 Kilometern um den Fundort der Leiche erstreckt, soll der Prozentsatz der in Frage kommenden Männer drastisch reduziert werden. Die Betroffenen werden zuvor angeschrieben.

Die Tests an fünf verschiedenen Orten – und über mehrere Amtsbereiche verteilt – beginnen am 22. März und dauern bis Mitte April. Schon in den vergangenen sechs Jahren hat die Polizei DNA-Proben von 700 Personen aus dem Umfeld des Opfers sowie von Bezugspersonen aufgenommen. Dabei mussten die Beamten wegen Fortzügen von Menschen auch im Ausland ermitteln lassen. Eine Spur führte sogar nach Australien.

Durch neue Möglichkeiten der Spurenvergleiche hofft die Staatsanwaltschaft, ungeklärte Fälle aus der Vergangenheit lösen zu können. 15 solcher Altfälle soll es geben. Bei Fällen mit weniger Beteiligten hatte die Polizei bereits Erfolg. Auch in Königs-Wusterhausen (Dahme-Spreewald) sucht die Polizei in einem alten Fall nach neuen Spuren. So ist seit dem 9. September 1998 die damals 29-jährige Nancy Förster spurlos verschwunden. Mit einer Plakatkampagne erhoffen sich die Ermittler nun neue Hinweise.

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manuela ayoobo 06.03.2011 - 18:50:58

dankeschön

vielen dank für die veröffentlichung des artikels

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