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Opfer der SED-Dikatur: "Wie ein Tritt in den Hintern"

Zwei Aufarbeiter: Die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, und der Jurist und Gutachter Johannes Weberling.
Zwei Aufarbeiter: Die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, und der Jurist und Gutachter Johannes Weberling. © Foto: Europa-Universität
Mathias Hausding / 18.03.2011, 20:41 Uhr - Aktualisiert 18.03.2011, 23:39
Potsdam (In House) Bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte ist Brandenburg aus Expertensicht mit Abstand Schlusslicht unter den ostdeutschen Ländern. Das zeige sich etwa in der Zahl der erschienenen relevanten Bücher über Opposition und Widerstand oder den 17. Juni 1953, sagte am Freitag der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, Rainer Eckert. Er äußerte sich vor der Enquetekommission des Landtages, die sich mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur beschäftigt.

So kämen von insgesamt 217 Büchern über Opposition und Widerstand 70 aus Sachsen und vier aus Brandenburg, stellte Eckert fest. Im Falle der friedlichen Revolution, des Mauerfalls und der Auflösung der Stasi laute das Verhältnis von Sachsen zu Brandenburg 227:32. Ein Grund dafür sei, dass es in der Mark lange keine Stasi-Beauftragte gab.

Eckert forderte darüber hinaus, dass sich Museen wie das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt auch der Themen Stasi und Repression annehmen. Anderenfalls entstehe für Schüler bei Besuchen ein falsches Bild von der DDR.

Bloße Lippenbekenntnisse statt engagierter Aufarbeitung der SED-Diktatur – so fasste am Freitag Professor Johannes Weberling den Umgang offizieller Stellen mit Verfolgten des Regimes in den 90er Jahren in Brandenburg zusammen. Weberlings Gutachten sorgte für Zündstoff in der Enquete-Kommission.

Der emotionale Höhepunkt des Tages ist erreicht, als Sibylle Schönemann der Kommission im Landtag von „der schlimmsten Zeit meines Lebens“ erzählt. Drei Monate saß die einstige DEFA-Regisseurin Mitte der 80er Jahre im Stasi-Untersuchungsgefängnis in der Potsdamer Lindenstraße. Ein Satz in ihrem Ausreiseantrag sei ihr als Bedrohung des Staates ausgelegt worden, sagt sie. Ein Jahr später durfte sie ausreisen. Nun lebt sie wieder in Potsdam.

Die Enquete-Kommission will von ihr wissen, wie sie die Zeit nach der Wende erlebt hat, ob sie Anerkennung für erlittenes Unrecht erhalten habe. „Es war bitter“, sagt Sibylle Schönemann. Ihr Antrag auf Rehabilitation sei vom brandenburgischen Innenministerium abgelehnt worden, weil sich keine Begründung in den Stasi-Akten finde. Sie habe diese Entscheidung wie „einen Tritt in den Hintern“ empfunden. Bei Gesprächen mit der Behörde habe sie sich „wie im Verhör“ gefühlt. „Sie waren doch nicht bei Scheinerschießungen dabei?“ sei sie gefragt worden. Na dann war es ja nicht so schlimm, habe man ihr signalisiert.

Johannes Weberling, Jura-Professor an der Frankfurter Viadrina, sitzt am Freitag nur wenige Plätze von Sibylle Schönemann entfernt. Immer wieder nickt er während ihrer Schilderungen. Sie decken sich mit seinen Recherchen. „Viele der ehemals von der SED Verfolgten sind nach der Wende in Brandenburg zum zweiten Mal zu Verlierern der Geschichte geworden“, berichtet Weberling. „Der Umgang öffentlicher Stellen und gesellschaftlicher Organisationen mit ihnen fand jedenfalls in der ersten Dekade, wenn überhaupt, nur in Form von Lippenbekenntnissen statt.“

Kritik richtet Weberling an alle damals im Landtag vertretenen demokratischen Parteien. Sie hätten es versäumt, sich rechtzeitig zum Beispiel um die Einsetzung eines Stasi-Beauftragten zu bemühen. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit des damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) habe den Landtag paralysiert.

Während Abgeordnete von SPD und Linkspartei die Vorwürfe Weberlings in weiten Teilen zurückweisen, räumt Christdemokrat Dieter Dombrowski ein: „Ja, auch in der CDU wollte damals niemand etwas über die Vergangenheit hören.“ Inwieweit der Geist des Verdrängens noch heute herrsche, könne er nicht beantworten, sagt Weberling.

Allerdings habe er für seine Recherchen 180 Stellen verschiedener gesellschaftlicher Bereiche in Brandenburg angeschrieben, Institutionen, die es bereits zu DDR-Zeiten gab, und sie zu ihrem Umgang mit SED-Opfern befragt. Dass er nicht einmal auf die Hälfte seiner Briefe eine Antwort erhalten habe, stimme ihn nachdenklich, so der Professor. Auch dass etwa Sportschulen, an denen unter anderem das Thema Doping virulent war, sich für eine Beantwortung der Fragen „nicht zuständig“ erklärten, sei fragwürdig.

Für heftige Auseinandersetzungen auch unter Forschern sorgt am Freitag das Gutachten von Jürgen Angelow, Professor für Geschichte an der Uni Potsdam, zur Art und Weise, wie Gedenkstätten an das Schicksal Verfolgter erinnern. Angelow fordert eine wissenschaftliche Schulung von Zeitzeugen, damit sie Besucher „nicht mit ihren Emotionen überwältigen“. Mehrere Kommissionsmitglieder weisen dies als „ungeheuerlich“ und „infam“ zurück. Schulungen würden die Authentizität der Zeitzeugen zerstören.

Mit seiner Forderung, beim Gedenken an die DDR die Vielschichtigkeit der Diktatur hervorzuheben, erntet er Widerspruch bei der FDP-Abgeordneten Linda Teuteberg. Am wichtigsten sei, Schülern zu vermitteln, dass die DDR keine Demokratie war, betont sie. Axel Vogel (Grüne) bescheinigt Angelows Gutachten „fehlende Tiefe“.

Einig ist sich das Gremium in einigen Schlussfolgerungen, die Angelow und Weberling aufstellen. So sollte es künftig mehr öffentliches Gedenken an die Verfolgten etwa in Form von Kranzniederlegungen geben. Geschichtslehrer sollten besser für die Kontakte mit Zeitzeugen geschult werden. Dringend müsse zudem die Personalausstattung und das gesamte Erscheinungsbild von Gedenkstätten wie etwa des Ex-Stasi-Knasts Lindenstraße verbessert werden.

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!..! 20.03.2011 - 19:18:55

IM-Treffen hier?

Ein IM enttarnt den Anderen...

Gtit Stolppe 20.03.2011 - 18:19:42

An Fran

Fran halte dich zurück. Du bist enttarnt. dein IM

Peter 20.03.2011 - 17:20:11

Fran,

schön, dass Sie jetzt hier raus sind,obwohl ich Ihnen noch so gern geantwortet hätte. Naja, da ich Ihnen eh nichts glauben kann, hier zur Sicherheit: 1.Zunächst mal: "Hexenjagd" ist ein guter Begriff, wenn ich Sie so lese (Betonung dabei auf "Hexe")! 2.Ich bin also ein Möchtegern-Pseudo-Opfer, weil ich mich mit damaligen Opfern solidarisiere? Gut, dann bin ich das sehr sehr gern! 3. Ich finde es sehr erstaunlich, dass ausgerechnet Sie nach demokratischen Grundrechten rufen! Die Meinung, die Sie vertreten und dann der Ruf nach demokratischen Grundrechten: Ein Widerspruch in sich! 4. Mich interessiert es herzlich wenig, ob Sie meine Meinung, dass Sie ein ehemaliger Überzeugter sind/waren etc., als Verleumdung bezeichnen. Welchen und ob ich überhaupt einen Straftatbestand wie z.B. Verleumdung damit erfülle, ergibt sich meines Erachtens aus dem Strafgesetzbuch der BRD! Da Sie ja nichts von bundesdeutschen Gesetzen halten, verstehe ich nicht, warum Sie jetzt damit argumentieren wollen (auf gut deutsch: lächerlich)! 5.Hätte ich in den letzten 22 Jahren nichts dazu gelernt, würde ich mich heute so anhören/lesenwie Sie! Denn wer von uns beiden wäre noch vor 23 Jahren für seine Meinung (zumindest in der ehemaligen DDR) hochgelobt worden? Sicherlich nicht ich! Wer von uns ist also der ewig Gestrige? (was frage ich eigentlich...) 6. Und zum Schluss, FRAN: Ich finde es sehr erbärmlich, wenn Leute wie Sie, die so gegen den heutigen Staat wettern, nach Gesetzen schreien, die ich Ihnen jetzt als Pseudo-Argumentation vorhalten soll! Ich bin kein Jurist und werde mir hier nicht anmaßen, mit irgendwelchen Gesetzen um mich zu werfen, um "überzeugender" zu wirken! Ich vertrete hier meine Meinung und halte viel von Moral (das Wort, was Sie anscheinend nicht kennen). Ich fand es schon als Kind schlimm, wie eine Schulkameradin von mir beim Fahnenappell vor der ganzen Schule einen Tadel bekam, weil sie "scheiß DDR" sagte, wie eine weitere Familie aus meinem Umfeld ewig bespitzelt und abgehört etc. wurde, weil der Bruder in den Westen floh und wie meine Schwester um ihr Studium kämpfen musste, weil sie nicht in die SED eintreten wollte. Alles Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was noch alles passiert ist, aber Dinge, dich ich schon als Kind als falsch empfand, obwohl Leute wie Sie mit aller Macht versucht haben, den Bürgern dies als gut und richtig einzuhämmern. Da muss wohl irgendwas falsch gelaufen sein in meiner Kindheit, nicht wahr, Fran, dass schon mein ureigenster Insinkt was Anderes sagte, also so rote Socken wie Sie mir täglich in der Schule einimpfen wollten (uuuuups, gleich schreit wieder einer nach Verleumdung....)!

grit stolppe 20.03.2011 - 16:47:26

An Fran

Fran Treff heute abend , wie gehabt.

Dr. Pickerick 20.03.2011 - 15:55:55

Geschafft!

"...und ich bin jetzt raus hier, dass wird mir zu anstrengend und zu bloede hier." Na endlich!!!

Fran 20.03.2011 - 15:40:01

Ich sags ja

ein Moechtegern Pseudo Opfer der Stasi auf Hexenjagd sind die Schlimmsten. Keiner will hier was ungeschehen oder vergessen machen., dasswaere auch nicht angebracht und einfach unmoeglich. Was sagt Oberjaeger Jahn ''auch Stasi Mitarbeitern sind demokratische Grundrechte einzuraeumen.'' Was fuer eine Heuchelei,wenn es dann Stasi Ueberpruefungen unter gewaehlten Volksvertretern gibt, was ist denn dann mit den demokratischen Grundrechten? Auch wenn ich nie bei der Stasi gewesen bin, werden Sie es mir nie Glauben. Aber Fakt ist, wie hier zu sehen, stellen Sie hier die Behauptung auf , das ich Mitarbeiter bei der Stasi gewesen sei. Ich sehe das eher als Verleumdung, aber ich habe Verstaendnis fuer Sie, denn wenn man sich in eine Sache versteift gibt es manchmal kein zurueck mehr. Man muss ja schliesslich sein Gesicht wahren. Sie sind und bleiben halt ein ewig Gestriger der in den letzten 22 Jahren nicht dazu lernen wollte. Herr Peter, wieso haben Sie denn eigentlich nicht Ihre Themen Strafe, Gerechtigkeit ... weiter ausgebaut. Haben Sie etwa kein Gesetz gefunden, was die Bestrafung nach Strafrecht erlaubt? Am Stammtisch mit der grossen Klappe, ja da geht Bestrafung ganz einfach. Sie schreiben: ''Da scheint aber ein Täter ganz schön Angst zu haben, nun zum Opfer zu werden.... '' und das schreiben Sie als Pseudo Opfer, ich finde jetzt etwas ueber motiviert. Willkommen im wirklichen Leben ihr Hexenjaeger und einfach nur verbohrte Mitmenschen und ich bin jetzt raus hier, dass wird mir zu anstrengend und zu bloede hier.

Peter 20.03.2011 - 14:37:07

Fran,

da können Sie noch so sehr in die Tasten klimpern, sie MÜSSEN mit ihrer Vergangenheit leben, egal, wie sie es jetzt schön zu reden/schreiben versuchen. Aus Opfern werden Täter? Da scheint aber ein Täter ganz schön Angst zu haben, nun zum Opfer zu werden.... Das mit dem Selbstmitleid ist übrigens auch falsch interpretiert, da ich nicht unter solche wie Sie leiden musste (ja, nun nicht traurig werden, Fran). Ich wüsste trotzdem keinen Grund, warum jetzt plötzlich alles ungeschehen und vergessen sein sollte, denn wirkliche Opfer von damals haben mit dieser Vergangenheit bis zum Ende ihrer Tage zu leben! Dass Sie mit Ihrer eigenen Vergangenheit auch nicht ruhig leben können, kommt hier nur allzu deutlich rüber und beruhigt mich ungemein! Weiterhin unruhige Nächte, Fran!

Dr. Pickerick 19.03.2011 - 17:34:03

Ma ist das schlimm

Jetzt glaube ich ernsthaft, dass der Zeitpunkt gekommen ist Fran die Jacke zu verpassen, die hinten zugeknöpft wird und wo man vorne die Ärmel verknoten kann. Oh, oh.

Fran 19.03.2011 - 14:34:41

Ach ach Peter

Kennen Sie ein Gesetz, das man strafrechtlich fuer die Stasi Mitarbeit z.B. als IM in der Bundesrepublik bestraft werden kann. Klaeren Sie mich bitte auf. Also mein Rechtsverstaendnis basiert darauf, dass ein Gesetz existieren muss um eine Tat auch als Straftat bezeichnen zu koennen und erst dann koennen Sie jemanden vor Gericht bringen und auch bestrafen. Alles andere ist Selbstjustiz, Wunschdenken, Anarchie und eben simpel Rache. Und diese Rachekultur, wird ja auch im begrenzten Rahmen der gesetzlichen Moeglichkeiten auch ausgelebt. siehe das Stasi Unterlagen Gesetz Sehen Sie, auch wenn es nur ein Wunsch von Ihnen ist: Zitat: ''Da kann ich Ihnen nur wünschen: Möge Ihnen das Gleiche wie den Opfern von damals wiederfahren!'' Dann weiss ich das ich mit der These, das Opfer so langsam Taeter werden absolut richtig liege und sich daher meine Meinung nicht aendern kann. Sofern es ein Gesetz gibt, das es zulaesst Stasi Mitarbeit srafrechtlich zu verfolgen und wenn es dann auch im Einigungsvertrag festgeschrieben ist und Stasi Mitarbeit als Straftat deklariert worden waere, ja dann waere ich dafuer alle zur Verantwortung zu ziehen. Aber da es solche Gesetze nicht gibt, bleibt Ihnen nur uebrig weiter zu heulen, Hexenjagden zu veranstalten und in Selbstmitleid zu versinken. So jetzt noch was fuer den Neu Bundesbuerger: Da gab es wohl verbal maechtig was auf die 12 was?

Edeltraud Lademann 19.03.2011 - 14:29:01

Die Vergangenheit ist nicht vergangen

Das wäre bestimmt nicht lustig: Die hier versammelten Diskutanten innerhalb einer Pferdekoppel - als Pferde natürlich! Spass beiseite, die Sache ist schon ernst. Bei jedem Zeitenwechsel erleben wir das Gleiche, so wie es Christa Wolf in ihrem zeitlosen Buch "Kindheitsmuster" beschreibt. Neulich bei "Klipp und Klar" im rbb sah und hörte ich die kindheits- und jugendgeprägte Heuchlerin Frau Kaiser in Linkenhörigkeit zur CCS-Problematik. Da hätte ich mir so eine ausgerastete Beate Klarsfeld von 1969 herbeigewünscht, die den damaligen Bundeskanzler ohrfeigte und rief "Nazi, Nazi!" - heute entsprechend "Stasi, Stasi!"

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