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Grundschüler sollen mindestens 700 Wörter beherrschen

Schüler sollen jetzt eine festgelegte Zahl von Wörtern beherrschen.
Schüler sollen jetzt eine festgelegte Zahl von Wörtern beherrschen. © Foto: dpa
Andreas Wendt / 13.05.2011, 19:55 Uhr - Aktualisiert 14.05.2011, 00:35
Frankfurt (Oder) (In House) Das Brandenburger Bildungsministerium zieht Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden der märkischen Schüler im Vergleich der Bundesländer. Ab kommendem Schuljahr sollen die Lehrer an den Grundschulen einen verbindlichen Wortschatz mit 700 Begriffen vermitteln.

Wörter wie Thermometer, Skizze oder Nahrung fallen spätestens mit Beginn des nächsten Schuljahres öfter als sonst im Deutschunterricht an den 3. und 4. Klassen der Grundschulen. Es sind nur drei auf einer langen Liste, die das Bildungsministerium nach bayerischem Vorbild mit einem Anschreiben den Schulleitern an die Hand gab – mit dem Auftrag, sie „durch häufigen Gebrauch anzueignen“.

Mindestens 700 Wörter soll nach Ansicht des Ministeriums der Grundwortschatz eines Viertklässlers umfassen. Nicht irgendwelche, sondern verbindlich festgelegte Begriffe, „die entweder häufig vorkommen, Rechtschreibmuster und -regeln repräsentieren oder im Sprachgebrauch der Kinder bedeutsam sind“, heißt es in einem Schreiben an die Schulen. „Wir haben beim Ländervergleich gesehen, dass unsere Schüler bei Textverständnis und Rechtschreibung nicht gut abgeschnitten haben“, sagt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Bei der Überprüfung von Neuntklässlern im vergangenen Jahr belegten die Brandenburger Schüler Platz 13 im Ländervergleich, beim Hörverständnis Platz 14, bei der Rechtschreibung Platz 15.

Dieses Armutszeugnis möchte sich das Land nicht noch einmal ausstellen lassen und hat bereits im Dezember 2010 ein Qualitätspaket geschnürt, das neben dem verbindlichen Sprachwortschatz für die ersten bis vierten Klassen auch gezielte Fortbildungsangebote für Englischlehrer beinhaltet. Die Ergebnisse im Englisch-Vergleich waren nämlich noch dramatischer als die in Deutsch.

Beginnend in der ersten Klasse werden den Abc-Schützen ab nächstem Schuljahr vorgegebene Begriffe eingeimpft. Darunter sind sowohl Zahlen, Farben, Monate und Wochentage als auch Wörter wie Euro und Cent. Hinzu kommen die nach Ansicht von Bildungsexperten 100 häufigsten Funktionswörter – Artikel, Präpositionen und Hilfsverben. „Wir brauchen diese Grundkompetenzen“, sagt Breiding.

Dass es um das Sprachvermögen von Grundschülern nicht sonderlich gut bestellt ist, bekommt auch Katrin Zitzmann, Vorsitzende des Landesverbandes der Logopäden in Brandenburg, bei ihrer täglichen Arbeit zu spüren. Bei vielen Kindern, sagt sie, ist der Wortschatz nicht ausreichend entwickelt. Allerdings kann sie das nicht mit Zahlen belegen. Und auch im Zentrum für angewandte Psycho- und Patholinguistik Potsdam (Zapp) weiß Therapeutin Anna Kurth von kleinen Patienten zu berichten, bei denen die Sprachproduktion verspätet einsetzt. „Das hat die verschiedensten Ursachen und geht durch alle gesellschaftlichen Schichten“, betont sie.

Die bildungspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Landtag, Marie Luise von Halem, zweifelt an der aus Bayern importierten Sammlung. „Die Pisa-Ergebnisse verbessern wir nicht mit einem verbindlichen Grundwortschatz“, sagt sie und verweist auf Defizite in Kitas, wo bei 20 Prozent aller Kinder ein Sprachförderbedarf diagnostiziert worden ist. „Solange wir weder diese Kinder ausreichend fördern, noch insgesamt den Betreuungsschlüssel weiter verbessern, ist ein verbindlicher Grundwortschatz nur ein armseliges Herumdoktern an den Symptomen“, ist die Politikerin überzeugt.

Die Liste der 100 häufigsten Wörter

 

Alphabetische Wortliste zum Grundwortschatz für die Jahrgangsstufen 1 und 2

 

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Frank 14.05.2011 - 17:48:49

Der Zensurteufel geht wieder mal um

Im Online-Bereich der MOZ gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Zeitungen sehr wenig Kommentare. Hier in diesem Thread ist eben einer einfach so verschwunden. War wohl nicht systemkonform genug gewesen?

Anonym 13.05.2011 - 21:38:09

erhöhte Forderungen umzusetzen bedarf auch mehr Zeit

Das im Dezember 2010 geschnürte Qualitätspaket enthielt auch die Ankündigung die wöchentliche Stundenzahl für die ersten zwei Schuljahre für die grundlegende Bildung zu erhöhen ... damit die hohen Ziele im Qualitätspaket für mehr Grundschüler erreichbarer werden... was ist aus diesem "Vorhaben" geworden .... Lernen braucht auch Zeit ... zaubern können Lehrer im Anfangsunterricht jedenfalls nicht ... Forderungen (sprachliche Kompetenzen erhöhen) zu formulieren dagegen ist schon um einiges "leichter"

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