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Konferenz: Lücken bei Hochwasserschutz

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JSANDNER / 08.06.2011, 20:27 Uhr - Aktualisiert 08.06.2011, 20:28
Potsdam (In House) Trotz der aufgrund des Klimawandels häufiger zu erwartenden Hochwassergefahr an Brandenburgs Flüssen stehen dem Land künftig weniger Mittel für Deiche und Polder zur Verfügung. Auf einer Konferenz mit Vertretern aus Polen und Tschechien in Potsdam wurde deshalb unter anderem über neue Kooperationsmodelle gesprochen.

Seit dem „Jahrhunderthochwasser“ 1997 an der Oder wurden in Brandenburg 240 Millionen Euro für den Bau neuer Deiche ausgegeben. Trotzdem harren noch 1500 Kilometer Schutzanlagen auch entlang vieler kleinerer Flüsse wie Spree oder Neiße der Modernisierung. „Eine Generationenaufgabe, die in den nächsten Jahren nicht leistbar ist“, räumte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ein.

Das Land sieht deshalb auch den Bund und die Europäische Union in der Pflicht, will sich für den Einsatz von EU-Mitteln zur Bannung künftiger Flutgefahren einsetzen, wie Umweltministerin Anita Tack (Linke) betonte. Ein seit langem in der Neuzeller Niederung (Oder-Spree) geplanter Überflutungspolder an der Oder kann etwa deshalb nicht realisiert werden, weil keine Entschädigungsmittel für den Landkauf vorhanden sind. Bei diesem wie bei anderen Vorhaben sei die Überzeugung der direkt Betroffenen „mühevoll“.

Dass Hochwasserschutz nicht immer nur mit höheren Deichen zu tun hat, wurde auf der Konferenz ebenfalls deutlich. „Man muss den Bürgern klarmachen, dass die Kosten der Schutzanlagen nicht höher sein können als der Wert der geschützten Güter“, sagte beispielsweise der Wojewode von Niederschlesien, Aleksander Skorupa. Dass man in gefährdeten Gebieten am besten gar nicht und wenn dann nur Gebäude ohne Keller bauen sollte, war die einhellige Meinung. Dennoch versprachen sich die Vertreter der drei Länder, dass sie bei den Vorhersagen von Flut­gefahren sowie bei deren Bekämpfung noch enger als bisher zusammenarbeiten und damit auch Kosten sparen wollen. Unter anderem soll ein mehrsprachiges Informationssystem im Internet entstehen, das von den Bürgern direkt genutzt werden kann. Im September wird es eine deutsch-polnische Übung in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) geben.

Dass man sich schon mit relativ einfachen Mitteln helfen kann, machte der Landrat des Kreises Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt, deutlich. So seien beim jüngsten Eishochwasser auf der Oder im Januar deutsche Flussbeobachter an der Warthe in Küstrin eingesetzt worden. Dadurch konnte eine Vorwarnzeit von 18 Stunden für eventuelle Evakuierungen garantiert werden.

Schmidt verwies darauf, dass angesichts der geplanten Bundeswehrreform künftig zu wenige Einsatzkräfte beim Katastrophenschutz zur Verfügung stehen könnten. Auch auf die Helfer vom THW sei man dringend angewiesen. Ministerin Tack kritisierte, dass kein Vertreter des Bundes an der Konferenz teilnahm.

(Kommentar Seite 2)

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