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"Willy Brandt" zum Anfassen

Andreas Wendt / 22.06.2011, 19:49 Uhr - Aktualisiert 22.06.2011, 20:09
Schönefeld (In House) Erstmals haben am Sonntag Brandenburger und Berliner die Möglichkeit, einen Blick in das neue Terminal des Hauptstadtflughafens BER „Willy Brandt“ in Schönefeld (Dahme-Spreewald) zu werfen. Die Berliner Flughäfen laden knapp ein Jahr vor Inbetriebnahme zu einem Fest ein und beginnen die Suche nach 10 000 Flughafentestern.

Mit bis zu 30 000 Besuchern rechnet Flughafensprecher Ralf Kunkel für den kommenden Sonntag im neuen Flughafenterminal. Das ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was sich ab 3. Juni 2012 mit der Eröffnung des Airports in dem verglasten Gebäude abspielen wird. Vieles ist schon jetzt erkennbar, wohl auch deshalb überlässt die Flughafengesellschaft die Neugierigen sich selbst. „Es gibt an einzelnen Punkten Erklärungen, aber keine Führungen“, kündigt Kunkel an. Mitzubringen brauchen sie nur eins – festes Schuhwerk, denn noch ist das Terminal Baustelle. Die Check In-Bereiche sind schon zu erkennen, und das Gebäude ist nicht mehr eingerüstet, aber auch wenn die fertige Architektur erkennbar ist, läuft der Innenausbau noch auf vollen Touren. 120 000 Quadratmeter Naturstein müssen noch verlegt werden. Das will sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Sonntag ansehen.

Der Blick ins Terminal ist als buntes Festprogramm angelegt, in das auch das so genannte Vorfeld, also jene Fläche, auf der in nicht einmal zwölf Monaten die Jets einparken, einbezogen wird. „Das wird BER zum Anfassen“, glaubt der Flughafensprecher. BER „Willy Brandt“ ist die neue und nunmehr offizielle Bezeichnung des Airports, sie ist identisch mit der Flughafenkennung und löst den Arbeitstitel BBI ab, der für Berlin Brandenburg International stand und den die Flughafenbetreiber gern weiter verwendet hätten – wenn sich nicht ein Provinzflughafen in Indien schon die drei Buchstaben in dieser Reihenfolge gesichert hätte.

Dass die Berliner Flughäfen ihre alten und neuen Passagiere nach Schönefeld locken, ist nicht ganz uneigennützig. Einerseits will man sich vor dem Hintergrund der Standort- und Flugroutendebatte den Brandenburgern und Berlinern öffnen und zeigen, womit die derzeit 3500 Bauarbeiter und 500 Planer beschäftigt sind, andererseits verknüpft man diesen Termin mit der Suche nach etwa 10 000 Komparsen, die von Januar bis Mai kommenden Jahres die Abläufe am Flughafen testen sollen. „Sie spielen Passagiere auf Probe, die wie bei einer normalen Flugreise einchecken, ihre Koffer abgeben, die Sicherheitskontrolle passieren und alle anderen möglichen Situationen bis zum Abflug oder nach der Ankunft am Flughafen simulieren“, erzählt Ralf Kunkel. Ab Sonntag ist die Internetseite freigeschaltet, auf der man sich als „Passagier auf Zeit“ bewerben kann, „aber wir haben auch vor Ort im Terminal PCs zur Anmeldung aufgestellt“, sagt Kunkel. Geld gebe es dafür zwar nicht, aber auf jeden Fall Essen und Trinken, eine Flughafenrundfahrt und jede Menge Spaß. Der Probelauf am Flughafen mit all seinen Einrichtungen beginnt schon im Herbst, die Komparsen greifen wenige Monate später ins Geschehen ein.

Deutlich länger aktiv sind die erklärten Flugroutengegner. Das Bündnis Berlin-Brandenburg will mit einer Volksinitiative ein absolutes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr erstreiten. Bei der nächsten Großdemonstration der Flugroutengegner einen Tag zuvor soll eine Unterschriftensammlung gestartet werden. „In der ersten Phase benötigen wir 20 000 Unterschriften“, erklärte gestern Bündnissprecher Matthias Schubert. Das Vertrauen in die brandenburgische Landesregierung sei so weit geschrumpft, „dass uns nur noch der Weg über den Landtag Abhilfe verspricht“.

Wer mit dem eigenen Auto zum Tag des offenen Terminals anreist, sollte beachten, dass am und im unmittelbaren Umfeld des Flughafens noch keine Parkplätze zur Verfügung stehen. Das Gelände ist ausschließlich über die kostenfreien Shuttle-Busse von den S-Bahnhöfen Altglienicke, Grünau und Schönefeld sowie vom Parkplatz des Einkaufszentrums in Waltersdorf zu erreichen. Der Info-Tower, der sonst den Blick auf das Flughafen-Areal freigibt, hat am Sonntag ebenso geschlossen wie die airportworld.

Blick ins Terminal, Sonntag 9 bis 18 Uhr, Komparsenanmeldung ab 26. Juni im Internet unter 
www.ber.berlin-airport.de

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Fam. Wegner - Mahlow 01.07.2011 - 13:26:23

Dreckschleuder BBI - keiner will sie, nur die Politik

Der BBI wird eine Dreckschleuder. Die Bürger wollen ihn nicht, sonst würden sie nicht auf die Straße gehen. Geht jemand für den BBI auf die Straße? Politiker sind von Bürger gewählt, sie machen aber nicht das wofür sie eingesetzt sind, für das Volk. Offensichtlich dagegen. Man kann hier nur annehmen, daß geschmiert wird wie in einem 3.Welt Land. Traurig Deutschland. Flughäfen sind Dreckschleudern, Lärm macht krank. Ist die Gesundheit weniger wert als der wirtschaftliche Vorteil?

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