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Schwedt debattiert über gescheiterte Integration

Projekt an einer Schwedter Schule mit Ibrahim Alberto.
Projekt an einer Schwedter Schule mit Ibrahim Alberto. © Foto:
Michael Dietrich / 07.07.2011, 21:37 Uhr - Aktualisiert 08.07.2011, 08:15
Schwedt (In House) Wenn eine Stadt einen Schwarzen zum Ausländerbeauftragten ernennt, und dieser flieht, weil er sich nicht mehr sicher fühlt, dann steht diese Stadt in den Schlagzeilen. Am Donnerstag traten Anwalt, Frau und Freunde Ibraimo Albertos vor die Medien, um zu erklären, was geschehen ist.

Ist Schwedt ausländerfeindlich? Rechtsanwalt Andreas Brandt antwortet: „Schwedt hat ein Problem mit der Integration von Ausländern. Ibraimo Alberto hat Schwedt nicht verlassen, weil er hier wie viele andere keine Arbeit fand. Er war einfach immer wieder Beschimpfungen und Übergriffen ausgesetzt, hat Anzeigen erstattet, ohne dass sich etwas änderte.“ Diese ständigen rassistischen Anfeindungen gegen ihn und seine Familie sei er einfach leid, sagt sein Anwalt. „Er, der Kämpfer, der sich mit ganzer Kraft für Integration von Ausländern, für Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit stark gemacht hat, schätzt heute selbst ein, dass 25 Prozent der Schwedter ausländerfeindlich sind. Da muss man schon eindeutig sagen, dass das Projekt Integration ja wohl gescheitert ist“, meint Andreas Brandt.

Der, von dem die Rede ist, hat Anfang der Woche in Karlsruhe eine Probezeit als Sozialarbeiter begonnen. Ibraimo Alberto verließ Schwedt und sagte zum Abschied offiziell nur, er habe endlich Arbeit gefunden. Doch was er anschließend Journalisten berichtet, klingt ganz anders. Dabei war der 48-Jährige in Schwedt öffentlich geachtet, wurde für die SPD ins Stadtparlament gewählt, trainierte Kinder, leitete Workshops, einen Jugendklub und trat für die Anerkennung von Ausländern vor Behörden ein. Seine Freunde jedoch erlebten, dass er unzählige Male von Pöbeleien, Bedrohungen, Anfeindungen berichtete. „Er hat hier klar die Unterstützung vermisst, fühlte sich im Stich gelassen, von Feinden beobachtet“, erklärt Anwalt Brandt. Der sieht klare Tendenzen für eine Verdrängung des Problems: „Bei dem Vorfall auf dem Fußballplatz, bei dem Ibraimo Alberto bedroht und sein Sohn rassistisch beleidigt wurde, haben eine Menge Leute zugeschaut und sich verhalten wie im Theater. Selbst bei der Drohung ,Ich prügel dich tot!‘ hat keiner eingegriffen, man hat sich eher gefreut über die Aktion“, berichtet Brandt im Auftrag seines Mandanten.

Ehefrau Birgit Alberto schildert, dass die Situation für sie immer unerträglicher wurde. „Es gab keinen Spieltag, an dem unser Sohn nicht von Beleidigungen gegenüber anderen Ausländern im Team berichtete. Er hat mir natürlich nicht gesagt, was er alles zu hören bekam, weil er mich schützen wollte.“ Ibraimo Albertos Frau lebte ständig in Angst um ihre drei Kinder, leidet unter Depressionen und ist deshalb arbeitsunfähig.

Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) gab etlichen überregionalen Medien Interviews. Er mühte sich, auch Erfolge der Integration darzustellen, nannte es mutig und ein Signal, Alberto als Ausländerbeauftragter einzusetzen. „Ich will aber auch nichts unter den Teppich kehren. Es gab Übergriffe, und ja, wir haben offenbar Probleme mit Zivilcourage, so wie in anderen Städten auch.“ Vor einer Woche hatte Bürgermeister Polzehl noch sein Unverständnis über die Vorwürfe Albertos geäußert.

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Die Redaktion 08.07.2011 - 13:57:33

Kommentare gesperrt

Liebe Leser, da sich die Zahl der Diskussionsbeiträge zu anderen Themen häuft und der Ton immer unangemessener wird, sperren wir die Kommentarfunktion für diesen Artikel Wir freuen uns über Lesermeinungen. Auch über kontroverse. Aber unsachlichen und diskriminierenden Äußerungen möchten wir keinen Raum bieten. Freundliche Grüße, die Redaktion

Hans Hartz 08.07.2011 - 13:23:52

öffentliches in-kenntnissetzen

ich kann es nur noch einmal ganz deutlich sagen: es war kein alkohol und auch sonst keine die fahrtüchtigkeit beeinflussende substanz im spiel. das haben bluttests eindeutig nachgewiesen. heutztage erhalten bereits radfahrer ein fahrverbot, sofern sie alkoholisiert unterwegs sind bzw. erwischt werden. er wollte sich nicht entziehen, er ist eingeschlafen und auf den vor ihm bremsenden polizeiwagen ungebremst(da eingeschlafen) aufgefahren, mehr nicht. lassen sie diese dummen unterstellungen und fühlen sie sich hiermit "öffentlich" in kenntnis gesetzt.

SDT 08.07.2011 - 13:15:42

Falsch interpretiert.

Habe mir mal den Artikel rausgesucht,gut er wollte nicht flüchten. Er ist sofort ins Polizeifahrzeug geknallt. Und wie man weiterlesen kann, Blutkontrolle wurde angeordnet. Ergebnis wurde nie bekannt gegeben, warum wohl? Und wie man weiterlesen kann wurde die Fahrerlaubnis entzogen. http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/130289/

Nr. 5 08.07.2011 - 12:59:16

@SDT

na Sie haben die Öffentlichkeit ja nun informiert - mit Ihrem gefährlichen Halbwissen. Auch die peinliche Berichtigung macht es nicht einen Deut besser.... Vielleicht könnte die MOZ ja für ne Klarstellung sorgen ... das wäre Herrn Alberto gegenüber nur fair

Anwohner 08.07.2011 - 12:51:20

Nivealimbo - um es mit dem Jugendwort 2010 zu sagen

@ QWERTZ und Inge: An letztere vielen Dank, das wollte ich auch gerade schreiben. Wie bereits zu Gerd gesagt, stimme ich vollkommen mit den Gedanken von Ihnen und Gerd überein. Ich arbeite selbst in Berlin und fahre jeden Tag S-Bahn. Ich weiß, wie man sich in manchen Gegenden fühlt. Aber ich hab auch schon längere Zeit im Ausland gelebt und war dementsprechend auch schon „Ausländer“. Und es ist wie in allen anderen Situationen: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus. Ich habe auch null Toleranz gegenüber den angesprochenen Ausländern. Aber wenn Sie sich mit diesen Messen und auf deren Niveau herunterlassen – nur zu! Solche Kommentar gehen jedenfalls an dem, ausnahmsweise wirklich guten Beitrag der MOZ vollkommen vorbei.

Hans Hartz 08.07.2011 - 11:42:18

ja ja die zeit, damals

richtig @germane bessere gefilde, so wie die vielen jungen schwedter, die im goldenen westen eine ausbildung, zukunft bzw. heimat finden. und früher ja da war ja sowieso alles viel schöner, besser und überschaubarer. germane müsste man sein, so mit keule und fell auf der schulter. die zeiten sind aber (zum glück) andere heute, zumindest für die meisten von uns... sind wir nicht evolutionsbiologisch alle irgendwann mal aus afrika ausgewandert ;-)

3 2 1 08.07.2011 - 11:25:53

au weia

Schwedt lol Hey Leute, die meisten Personen aus Schwedt sind selbst nicht seid ihrer Geburt ein Bundesbürger ;-) Rechtschaffend habe ich mal weggelassen !

Sportler 08.07.2011 - 10:50:30

@SDT

was für ein widerlicher Kommentar vom "Waldbadabriss-Befürworter" SDT Wenn man sich überlegt, wieviele Jahre Ibrahimo in Schwedt lebt ... und dann so einen entwürdigen Kommentar... Pfui Teufel Jeder der Ihn kennt weiß, wie herzlich, ehrlich, offen, hilfsbereit er wahr. Ihn nun so zu verunglimpfen - nun auch unter Mitwirkung der MOZ (denn Sie stellt den SDT-Kommentar mit Bezug zum angeblichen Alkoholgenuss des I.A. hier rein, obwohl die Umstände des Unfalls gar nicht bewiesen sind) zeigt doch deutlich das die Stadt Schwedt Ihren Beitrag zum Wegzug leistet... hier mal ein anderer MOZ-Beitrag (27.05.) zu Ibrahimo: "Für Beobachter blieb die Sitzung dadurch unspektakulär, die Harmonie wurde nur kurz gestört von einem Fauxpas, den sich SPD-Fraktionschef Gerd Möhwald leistete. Der donnerte Parteikollegen Ibraimo Alberto zusammen: „Wie kannst Du nur?!“, weil der für den Antrag einer anderen Fraktion seine Hand hob. " Ein Schelm der Böses denkt über die wahren Hintergründe der "Flucht" von Ibrahimo...

Ralf 08.07.2011 - 08:12:26

Gerd,

soll Ihre Aussage rechtfertigen, dass hier unschuldige Menschen verachtet und bedroht werden dürfen, da in diesen Land auch sonst Unrecht geschieht? Das ist absurd. Es geht hier darum, dass jemand aufs äußerste schikaniert wurde und dies nicht, weder durch couragierte Mitmenschen noch durch den Rechtsstaat, geahndet und verurteilt wird.

Anwohner 08.07.2011 - 07:48:22

Integration

So nennt sich das Ganze! Es fällt sicherlich leicht mit dem Finger auf andere zu zeigen, wie dies Gerd tut. Ich will dessen Aussage an dieser Stelle auch nicht leugnen. Sicherlich gibt es in Berlin, nicht nur in Neukölln, massive Probleme. Jedoch bestehen diese Problem mit Ausländern, die sich gar nicht integrieren lassen wollen. In den einschlägigen Stadtteilen gibt es teilweise eigene Subkulturen, wo deutschen Sozialarbeite, Polizisten oder sonst wem schlicht weg keine Beachtung geschenkt wird (auch wenn hier, wie auch in Schwedt nicht alle Mitbürger in eine Schublade gesteckt werden dürfen). Schade an dieser Stelle für die Mühen der Ämter und Behörden, die für ihr Versagen an dieser Stelle ausnahmsweise nicht verantwortlich gemacht werden können. In Schwedt bestand jedoch ein völlig anderes Problem. Hier suchte Ibraimo Albertos Arbeit, Freunde und Familie. Er war engagiert, genauso wie seine Familie. Engagiert in politischer, sportlicher und menschlicher Sicht. Die Integration wurde in Schwedt jedoch einfach nicht zugelassen. Und die Tatsache, dass ein engagierte, offener und vor allem mutiger Bürger aus der Stadt flieht, ist meiner Meinung nach ein echtes Armutszeugnis. Hier kann niemand sagen „Es waren die anderen!“. Diesen Schuh muss sich Schwedt selbst anziehen.

Sauer 08.07.2011 - 05:13:08

Und genau

diese Reaktion des Herrn Gerd zeigt, wie sehr der Hass in Schwedt zu Hause ist. An Stelle von Scham kommt ein bizarrer Vorwurf darüber, was in anderen Städten los ist. Kann es sein, das Sie die braune Suppe konsumieren,ohne nachzudenken Herr Gerd?

gerd 07.07.2011 - 21:59:17

und was ist in neukölln?

schreiben sie mal über deutsche sozialarbeiter die in berlin neukölln arbeiten und dort von türkisch stämmigen migranten beschimpft werden. es ist schon soweit,dass die deutschen türkischstämmige sozialarbeiter und polizisten einsetzen- das ist wohl ein armutszeugnis und zeugt davon wie deutschland resigniert. traurig-- sicherlich ist solch eine aussage auch nciht geduldet,aber es ist die wahrheit

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