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MOZ-Chefredakteur Frank Mangelsdorf: "Eine Diktatur funktioniert, weil sie Notlagen ausnutzt"

Seit 2002 Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung: Frank Mangelsdorf
Seit 2002 Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung: Frank Mangelsdorf © Foto: privat
07.08.2011, 19:45 Uhr - Aktualisiert 07.08.2011, 20:00
Frankfurt (Oder) (In House) Die „Bild“-Zeitung hat dem Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung, Frank Mangelsdorf, am Wochenende vorgeworfen, in den 80er Jahren die Staatssicherheit unterstützt zu haben. Ulrich Thiessen befragte ihn nach den Umständen der Nutzung einer konspirativen Wohnung.

Herr Mangelsdorf, der Staatssicherheit die eigene Wohnung zur Verfügung zu stellen, erweckt den Eindruck einer zweifelhaften Nähe zum DDR-System ...

Der Eindruck täuscht. Ich habe zu keiner Zeit für die Staatssicherheit gearbeitet, geschweige denn mündlich oder schriftlich für die Staatssicherheit Berichte geliefert. Im Gegenteil, es wurden über mich Berichte durch die Stasi erstellt.

Aber Sie haben eine Verschwiegenheitserklärung des MfS unterzeichnet?

Meine spätere Frau lebte 1983 in Berlin-Oberschöneweide mit der einjährigen Tochter in einer Einraumwohnung. Die Wohnung war feucht. Sie hatte kein Badezimmer und die Toilette, eine Treppe tiefer, nutzten mehrere Mietparteien. Das war zu DDR-Zeiten vereinzelt noch Standard. Das führte aber auch dazu, dass unsere Tochter an schwerer Bronchitis erkrankte. Meine Frau arbeitete beim Rundfunk. Sie fehlte oft wegen des kranken Kindes. Ein Kollege sprach sie dann an, er könne ihr eine andere Wohnung vermitteln. Die Bedingung war, dass das MfS ein Zimmer der Zweizimmer-Wohnung nutzen würde. Darauf ist sie in ihrer Not eingegangen.

Wann haben Sie von dem Arrangement erfahren?

Mitte 1985. Da zogen wir zusammen. Das MfS verlangte von mir eine Verschwiegenheitserklärung. Die Nutzung der Wohnung dauerte dann noch anderthalb Jahre.

Wie muss man sich das vorstellen? Sie saßen beim Abendbrot, und nebenan verhörte die Stasi jemanden?

Bis auf das Leisten meiner Unterschrift habe ich nie jemanden gesehen. Die Kontakte zwischen der Stasi und ihren Informanten fanden in unserer Abwesenheit statt. Die Leute vom MfS hatten einen Schlüssel zur Wohnung und nutzten ein Zimmer. Das andere war abgeschlossen.

Fühlt man sich nicht unbehaglich in so einer Situation 
und gab es Möglichkeiten, die Vereinbarung zu been
den?

Natürlich fühlte man sich nicht gut. Wir haben recht schnell nach einer Legende gesucht. Als meine Frau mit unserer zweiten Tochter schwanger wurde, haben wir auf die schwierige Suche nach einem Krippenplatz verwiesen und erklärt, meine Mutter müsse zu uns ziehen. Beides stimmte nicht: Meine Mutter hat bis vor wenigen Jahren in ihrem Haus in Brandenburg gewohnt und den Krippenplatz bekamen wir auch. Aber es reichte, dass die Stasi die Wohnung als zu unsicher ansah. Ab Ende 1986 wurde die Wohnung nicht mehr genutzt, ein paar Monate später bekamen wir das auch schriftlich.

War die Nutzung ein reiner „Freundschaftsdienst“ 
oder gab es Gegenleistungen?

Wenn ich mich recht erinnere, übernahm die Stasi ein Drittel der Mietkosten und einen Teil der Energierechnung. Außerdem gab es zwei, drei Mal Blumen. Den Anlass kann ich gar nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass ich seit damals Chrysanthemen nicht mehr leiden kann.

Der Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde Rüdiger Sielaff erklärte, dass das MfS sein Überwachungssystem mit 7000 konspirativen Wohnungen nicht hätte aufrecht erhalten können, wenn niemand die Wohnungen zur Verfügung gestellt hätte ...

Ich finde bemerkenswert, dass viele ohne die Kenntnisse, wie solche Vereinbarungen zustande kamen, erklären, was man hätte tun sollen. Hier wird einseitige Geschichtsaufarbeitung betrieben und das undifferenzierter und damit oberflächlicher, als es Mitte der 90er Jahre stattgefunden hat. Eine Diktatur funktioniert auch deshalb, weil sie Notlagen auszunutzen weiß.

Anfang der 90er Jahre gab es Kriterien zur Einordnung von Stasikontakten. Geschenke – und seien es Blumen – galten als Belastung. Damit wären Sie im Raster hängen geblieben, das man damals angelegt hat...

Ich bin einmal in der Wendezeit, meine Frau ist insgesamt drei Mal überprüft worden – unter anderem, als sie im ARD-Hauptstadtstudio arbeitete. Eine unabhängige Kommission kam dabei zu dem Urteil, dass es sich um das Ausnutzen einer Notsituation durch das MfS gehandelt hat. Die Inhaber der Märkischen Oderzeitung wissen seit Jahren Bescheid. Das gilt auch übrigens für den Springer-Verlag, für den ich in den 90ern gearbeitet habe. Viele Jahre fand man es nicht interessant, darüber zu berichten. Warum man das jetzt getan hat, weiß ich nicht.

Hätten Sie nicht offensiver mit diesem Teil Ihrer Biographie umgehen sollen?

Ich habe mich für nichts zu entschuldigen. Dass ich vor 26 Jahren zulassen musste, dass das MfS einen Teil meiner Wohnung nutzte, ist – meiner Meinung nach – nicht von allgemeinem Interesse. Es wäre anders, wenn ich für das MfS berichtet hätte. Das ist zu keinem Zeitpunkt weder schriftlich noch mündlich erfolgt. Im Gegenteil, ich war nicht bereit, Anwerbeversuchen als IM nachzugeben. Ich habe auch nie öffentlich gemacht, dass die Stasi eine Akte über mich angelegt und meine Post kontrolliert hat.

Die MOZ berichtet über die DDR-Vergangenheit und deren Aufarbeitung. Besteht die Gefahr, dass die Glaubwürdigkeit beeinträchtigt wird?

Die Märkische Oderzeitung hat als eine der ersten regionalen Ost-Zeitungen sich einer Stasi-Überprüfung gestellt und daraus die Schlussfolgerungen gezogen. Ehemaligen Kollegen, die denunziatorisch tätig waren, wurde gekündigt.Eine Einflussnahme auf die unabhängige Berichterstattung der Journalisten dieser Zeitung fand und findet nicht statt. Wir halten an unserem Grundsatz fest, das Zeitgeschehen kritisch zu begleiten und den Dingen auf den Grund zu gehen.

 

Zur Person

Frank Mangelsdorf wurde 1957 in Rathenow geboren. Nach dem Abitur lebte er in Berlin, studierte Journalistik und arbeitete bei der Zeitung „Der Morgen“. In der Wendezeit als gewählter stellvertretender Chefredakteur. Weitere berufliche Stationen: „Die Welt“, „Der Tagesspiegel“, „Berliner Morgenpost“, „Ostseezeitung“. Seit 2002 ist er Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung. Seit 2011 gehören dazu auch der „Oranienburger Generalanzeiger“, der „Hennigsdorfer Generalanzeiger“, die „Gransee-Zeitung“ und der „Ruppiner Anzeiger“.

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Leserforum

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faules ei im omelette 09.08.2011 - 22:17:14

Nein sagen konnte jeder!

Wem das Thema zum Halse raushängt, muss sich hier doch nicht daran beteiligen. Und dann wieder dass Totschlagargument "Nazi-Vergangenheit in der BRD" zu bemühen zeigt für mich, dass diese Kommentatoren den Umgang der BRD mit Alt-Nazis zu Recht verurteilen, Stasi-Helfer aber reinwaschen wollen. Ergibt irgendwie keine Logik. Es fragt sich doch, ob man nicht Vorteile verlor, wenn man nicht NEIN sagte. Als die Stasi versuchte, mich zur IM-Tätigkeit zu "bewegen", habe ich auch NEIN gesagt. Das war nicht einfach, aber es ging. Also bitte!

Wolfgang 09.08.2011 - 21:53:23

Nachsatz für die Zeitungsschreiberin

Als Zeitungsschreiberin muß man natürlich die Rechtschreibung aus dem ff beherschen, aber leider ist und bleibt Ihr Inhalt NULL!!! Weiterhin guten Urlaub und viele Grüßen an Herrn Mangelsdorf!!!

Wolfgang 09.08.2011 - 21:47:27

Armselig

Ich habe nur eine Antwort für Sie Frau Spranistin, sehr ,sehr armselig, wenn das Ihre einzige Antwort auf Ihr niveauloses Schreiben wae!!!!!!!!! Gute Nacht, suchen Sie sich ein anderes Orchesterinstrument.

m.winter 09.08.2011 - 21:42:39

sich zum stillschweigen verpflichten musste

Der Jurist Weberling bescheinigt Herrn Mangelsdorf, dass er „sich zum Stillschweigen verpflichten musste.“ MUSSTE? Das zeigt ein falsches Bild von der DDR-Wirklichkeit. Wir mussten uns nicht zum Stillschweigen verpflichten, wir konnten NEIN sagen. In meine Wohnung wollte die Stasi auch einziehen. Ich fand es ekelhaft, dass die Herren überhaupt dachten, ich würde sie unterstützen und habe abgelehnt. Ich wusste, dass ich deswegen meine bereits in den Westen ausgereiste Tochter vielleicht würde nie wieder treffen können. Aber ich wusste auch, niemand der Anstand vor sich selbst hat, lässt sich auf so was ein. An alle, die nicht in der DDR gelebt haben, besonders die jungen Leute: Glaubt solche Geschichten nicht! Es ist nicht wahr, wir mussten nicht die Stasi als Untermieter in unseren Wohnungen dulden.

m.winter 09.08.2011 - 21:38:04

frau

ist das forum schon jetzt- 21,36 uhr, wegen überfüllung geschlossen? stehen zu viele an?

sopranistin 09.08.2011 - 20:58:34

@ Wolfgang

@ Wolfgang Sehr geehrter Herr Wolfgang, ich würde Sie bitten, sich um einen Nachhilfeunterricht in deutscher Sprache zu bemühen. 4 Fehler in einem so kurzen Beitrag ist doch der eigentliche B.....t ! Mir wurde bei Ihrem Text nicht speiübel, denn ich kenne diese Verfassertypen alias……… „Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, Ich kenn auch die Herren Verfasser; Ich weiß, sie tranken heimlich Wein Und predigten öffentlich Wasser.“ Also, nicht verzagen, Duden und H. Heine fragen. Schön, dass um 22.00 Uhr diese(1. F: fehlt s) Forum geschlossen wird, denn beim Kommentar der Sop(2. F ohne h) hranistin kann einem speiübel werden. Nicht nur, dass sie vom eigentlichen Thema abschweift, nein sie schreibt auch solch einen B.....t ! We(3.F fehlt l) cher Kommentatorenecke sie angehört, ist unschwer zu erkennen. So,(Leertaste) dass war(4.F fehlt ’s) und schönen Gruß an Herrn Mangelsdorf. Sopranistin, aus dem Urlaub 09.08.2011 21:30

Marco Habeck 09.08.2011 - 19:53:33

Ein erster Schritt Herr Mangelsdorf

Das sie den Mut gefunden haben nach über 60 Kommentaren in die Höhle des Löwen zu gehen. Das Thema Stasi ist eine sehr schwierige Sache man kann nicht pauschal darüber Urteilen man muss eben jeden Fall einzeln betrachten. Wie wir schon festgestellt haben trifft viele die Moralische Schuld einen System zusammengearbeitet zu haben. Das unschöne ist eben auch das sich die Überzeugungstäter gerne hinter den kleinen Fischen verstecken. Die Staatssicherheit lebte vornehmlich auch von Informationen wie " Herr xx Empfang Westbesuch" Aus erster Sicht harmlos. Diesen Leuten kann man verzeihen wenn sie Reue zeigen und Ihr damaliges falsches Handeln eingestehen. In erste Linie ging es ja in der Presse um ihre Frau. Nur nebenbei wurde Sie erwähnt. Würden Sie nicht in der Öffentlichkeit stehen hätte es niemanden interessiert. Wie sie schon festgestellt haben laut den Unterlagen die Sie dem Gutachter vorgelegt haben sind Sie ein kleiner Fisch. Da es um Ihre Glaubwürdigkeit momentan etwas schlecht bestellt ist glaubt Ihnen die Leser nicht. Im Zuge der Ermittlungen ihrer Frau kommen ewt. dann weitere Dinge auf den Tisch. Warum ist Ihr Handeln so verwerflich? Sie haben Privilegien genossen die andere nicht hatten. Laut Verfassung der DDR sind alle Bürger gleich. Aus damaliger und heutiger Sicht ist das Vorteilnahme. Sie haben in kauf genommen das andere zu Schaden kommen. Jeder Bürger wusste um die Staatssicherheit. Die Erkenntnis "Von diesen anderthalb Jahren meines Lebens, auf die ich nicht stolz bin" Ist nicht tief genug und distanziert sich nicht deutlich davon. Auch ihre Selbstdarstellung in der MOZ zeugte nicht davon das Sie etwas als falsch empfunden haben. Hier hätte Sie schon viel richtig machen können. Deswegen empfehle ich Ihnen so lange bis die Rolle ihrer Frau und auch Ihre geklärt ist den Stuhl des Chefredakteur einen unbelastet Mitarbeiter zu übergeben. Die Chance dort hin zurückzukehren hängt davon ab wie Sie zu dem damaligen System stehen und in erste Linie wie ehrlich Sie gegenüber Ihren Lesern sind. Sollte es weitere Dinge geben wäre es von Vorteil wenn man Sie in Ihrer Zeitung ließt und nicht in der Bild. Allen anderen möchte ich sagen neutrale Zeitungen gibt es nicht. Jeder Journalist Redakteur hat eine Politische Meinung. Auch die Politik versucht die Presse zu beeinflussen. Wie das Funktioniert konnte man beim ZDF sehen. So kann man unbeliebte Beiträge verhindern. Genau das vermissen die Leser der Moz unverblümt fragen stellen und Gefühl für gut gemachten Journalismus. Nicht schlechte Beträge von Volontären zusammengetragen. Keine einseitige Berichterstattung durch die rote Brille. Was in der Region erreichen und dem Leser das Gefühl geben das ist meine lokale Zeitung und kein Schmierblatt. Ihre Aufgabe oder die des Nachfolgers.

Wolfgang 09.08.2011 - 19:45:13

Schließung des Forums

Schön, dass um 22.00 Uhr diese Forum geschlossen wird, denn beim Kommentar der Sophranistin kann einem speiübel werden. Nicht nur, dass sie vom eigentlichen Thema abschweift, nein sie schreibt auch solch einen B.....t ! Wecher Kommentatorenecke sie angehört, ist unschwer zu erkennen. So,dass war und schönen Gruß an Herrn Mangelsdorf.

Controler 09.08.2011 - 19:38:28

Merkwürdig

ist schon merkwürdig, wenn der Herr Mangelsdorf für seine Reinwaschung auf eine juristische Prüfung des Herrn RA Weberling verweist. Denn Herr Weberling ist ja wohl der Haus- und Hofanwalt der MOZ, der die presserechtlichen Sachen gegen Entgelt bearbeitet.Von wem wird Herr Weberling bezahlt? Na? Na klar, von der MOZ. Auch als sehr unangenehm stößt auf, dass dieses Forum ab heute 22 Uhr gesperrt werden soll und die Diskussion auf die Leserecke der Printausgabe verlagert werden soll. Das Kalkül liegt wohl offensichtlich darin, die Diskussion - im Vergleich zur schnelllebigen Onlinediskussion - zu verlangsamen und dann zum Erliegen zu bringen. Wie in Ägypten und Syrien, wo die Onlinesysteme auch abgeschaltet wurden, um die Menschen auszubremsen. Bäh.

Bärbel 09.08.2011 - 19:17:23

Nicht schuldig - gezwungen

Wenn man eine Verschwiegenheitserklärung für das MfS unterschreibt und seine Wohnung für konspirative Treffen zur Verfügung stellt ist man zumindest "Handlanger für die Stasi" gewesen. Herr und Frau Mangelsdorf haben sich auf diesem Wege eine Wohnung beschafft und diese auch noch teils finanziert bekommen. Ich hatte genauso eine Einraumwohnung wie Frau Mangelsdorf. Alterberliner Mietskaserne, das Klo halbe Treppe, wenn die Waschmaschine zeitgliech mit der der Nachbarn lief, flog die Sicherung im Keller raus. In dieser Wohnung haben wir zu dritt gelebt. Aber nie hätten wir uns für sowas benutzen lassen.

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