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Im Schatten der Großen

Andreas Wendt / 22.08.2011, 18:55 Uhr
Potsdam (MOZ) Kritik am künftigen Großflughafen BER in Schönefeld wird in einer vom brandenburgischen Infrastrukturministerium in Auftrag gegebenen Studie der Dresdener Gesellschaft für Luftverkehrsforschung geübt. Der Flughafen, so der Vorwurf, vernachlässige die Bedürfnisse der Geschäftsflieger.

Das Problem, sagt Lothar Wiegand, Sprecher des Verkehrsministeriums, sei ein organisatorisches. „Der Airport hat ausreichend Kapazität“, betont Wiegand, dennoch hatte man in Potsdam Sorge, dass der Flughafen die für das Geschäft eher unlukrativen Geschäftsflieger nicht ernst nimmt. Das jetzt vorgelegte Gutachten gibt dem Ministerium Recht. Es werfe die Frage auf, „ob der Flughafen ausreichend auf die Bedürfnisse der kleineren Geschäftsflieger eingestellt ist“, heißt es in einer ersten Reaktion des Ministeriums.

Im Gutachten ist von Kapazitätsengpässen zu den Verkehrsspitzenzeiten die Rede. Wiegand bestätigt Zahlen, denen zufolge Schönefeld zwischen 9 und 10 Uhr morgens bis zu 70 Geschäftsflüge bewältigen muss – Jets mit bis zu 14 Tonnen Gewicht, die sich zwischen die Großen drängeln müssen. Da nur gleichschwere Maschinen kurz hintereinander starten können und kleinere Flugzeuge bis zum Start längere Zeit warten müssen, um nicht in die Wirbelschleppen größerer Jets zu geraten, entgehen dem Airport drei Slots – so wird in der Branche ein Zeitfenster zum Starten und Landen eines Flugzeugs bezeichnet. Die Allgemeine Luftfahrt, zu der Geschäftsflüge zählen, macht ohnehin nur ein Prozent des Gesamtumsatzes am Großflughafen aus.

Doch die Branche wächst nach Aussagenvon Klaus-Jürgen Schwahn, dem Vizepräsidenten der Deutschland-Vertretung von Aircraft Owners and Pilots Association (AOPA), die die Interessen von etwa 18 000 Berufs- und Privatpiloten vertritt. „Seit Anfang des Jahrtausends ist die Business Aviation doppelt so stark gewachsen wie der Linienverkehr“, sagt Schwahn. In der Studie ist von bis zu 17 000 Geschäftsflügen mit Maschinen von über 5,7 Tonnen die Rede, die 2020 Schönefeld ansteuern könnten – mehr als doppelt so viele wie aktuell. „Zu Spitzenzeiten wird es Engpässe geben“, prognostiziert Schwahn und hofft, dass viele von ihnen zum Flugplatz Schönhagen (Teltow-Fläming) umgeleitet werden. Schwahn ist dort Geschäftsführer, und sein Flugplatz wird neben dem in Strausberg (Märkisch-Oderland) als mögliche Alternative bei Überlastung von Schönefeld aufgeführt. Allerdings fehlt beiden noch die Genehmigung zum Instrumentenflugbetrieb, mit dem Starts und Landungen auch in der Nacht und bei schlechter Witterung möglich sind.

Diese Voraussetzungen sind derzeit lediglich in Cottbus-Drewitz gegeben – doch der Standort ist 160 Straßenkilometer von Berlin entfernt und erscheint auch dem Sprecher des Verkehrsministeriums nicht zumutbar: „Geschäftsreisende mit einem Termin in Berlin wollen in Schönefeld starten und landen“, sagt er. Landeplätze im Umland würden sicherlich einen Teil der kleineren Maschinen für den privaten Flugverkehr bis zwei Tonnen Abflugmasse aufnehmen. „Die große Mehrheit der Geschäftsflieger wird aber am BER starten und landen wollen“, stellt Lothar Wiegand klar.

In Schönhagen hat man vorgesorgt: Die Genehmigung zum Instrumentenanflug werde noch in diesem Jahr erteilt, sagt Geschäftsführer Schwahn und erhofft sich dadurch jährlich 3000 Flugbewegungen mehr (aktuell zwischen 44 000 und 52 000). Auch Strausberg hat bereits 2002 Instrumentenanflug beantragt. „Wir haben uns wie Schönhagen für die hochwertige Geschäftsfliegerei angeboten“, sagt Betriebsleiter Michael Pestel.

Glaubt man Ralf Kunkel, Sprecher der Berliner Flughäfen, ist all die Mühe und Aufregung umsonst. Er garantiert, dass mit der Eröffnung des Airports BER im Juni kommenden Jahres auch die Geschäftsflieger ausreichend Platz haben werden. „Die Kapazitäten reichen. Nach der Eröffnung planen wir weitere Schritte“, betont Kunkel. Der Flughafen sei modular angelegt und könne erweitert werden.

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hubschrauberflugschule 23.08.2011 - 17:24:24

Flugplatz Strausberg ist ungeeignet

weil er viel zu nah an vorhandener Wohnbebaung liegt. Wenn man Google-Maps trauen darf, sogar näher als jeder andere Brandenburger Flugplatz vergleichbarer Größe. Eigentlich hätte er längst geschlossen werden müssen.

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