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Ab 2013 soll es einen regelmäßigen Fahrgastverkehr zwischen polnischen und deutschen Städten geben

Zwei neue Schiffe für die Oder

© Foto: MOZ/Heike Stachowiak
27.10.2011, 18:56 Uhr
Slubice (dapd/MOZ) Zwei Fahrgastschiffe sollen spätestens ab übernächstem Jahr auf der mittleren Oder verkehren. Derzeit laufe die Ausschreibung für den Bau, sagte der Bürgermeister der polnischen Stadt Nowa Sol, Wadim Tyszkiewicz, gestern am Rande einer Tourismuskonferenz im Collegium Polonicum in Slubice.

Wadim Tyszkiewicz ist Initiator des Projekts „Oder für Touristen“, in dem elf deutsche und polnische Städte an einem etwa 200 Kilometer langen Abschnitt der Oder von Bytom Odrzanski über Eisenhüttenstadt und Frankfurt bis Kostrzyn (Küstrin) kooperieren. Ziel des Vorhabens ist es, dass es künftig einen regelmäßigen Ausflugsverkehr auf dem Grenzfluss gibt. Die dafür geplanten Fahrgastschiffe werden nach Angaben von Tyszkiewicz einen Tiefgang von nur 50 Zentimetern haben und könnten damit auch bei dem häufigen Niedrigwasser auf dem Grenzfluss verkehren.

Noch offen sei, wo sie stationiert werden. Er könne sich vorstellen, dass die Schiffe auf unterschiedlichen Abschnitten des Flusses verkehren. Der Bedarf für Fahrgastschifffahrt auf der Oder sei vorhanden, zeigte er sich überzeugt. Er verwies darauf, dass hier schon in den 1920er-Jahren Schiffe verkehrten. Daran wolle man anknüpfen.

1939 fuhren immerhin 20 Prozent aller Binnenschiffe im damaligen Deutschen Reich auf der Oder und beförderten 10,5 Millionen Tonnen Güter. Der Hauptgüterstrom bewegte sich damals freilich von Oberschlesien oderabwärts und weiter auf dem Oder-Spree-Kanal nach Berlin. Ein nicht ganz so umfangreicher Warenfluss lief von Stettin aufwärts und über den Oder-Havel-Kanal nach Berlin.

Seit die Oder nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrem Oberlauf zu Polen gehörte und im Unterlauf einen Grenzfluss bildete, entwickelte sich die polnische Oderschifffahrt praktisch von Null. In den 1970er-Jahren überstieg der Güterverkehr, der größtenteils aus Steinkohle bestand, sogar den Wert von 1939. Nach 1989 gingen die Transporte freilich immer mehr zurück.

Das im vergangenen Jahr gestartete Projekt „Oder für Touristen 2014“ sieht neben den beiden Fahrgastschiffen auch den Bau mehrerer Marinas und Anlegestellen für Sportboote vor, wie sie in Nowa Sol schon entstanden sind. Nachdem erstmals im vergangenen Jahr EU-Gelder für das Projekt bewilligt worden waren, wurden in diesem Monat weitere 2,3 Millionen Euro aus dem Interreg-Topf genehmigt. Mit diesem Geld soll insbesondere der weitgehend brachliegende Frankfurter Winterhafen zu einem Anliegeplatz für Sportboote umgebaut werden. „Damit kann der Winterhafen zu einem attraktiven Hafenplatz für eine grenzüberschreitende touristische Nutzung umgebaut werden“, würdigte auch Brandenburgs Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers (Linke) kürzlich dieses Projekt.

Die Gewässer zwischen Berlin, Stettin und Breslau seien als Wassertourismusgebiete noch weitgehend unbekannt, meint Alexander Schuler von der Berliner Beratungsfirma BTE. Sportboote würden vorwiegend auf der oberen Havel oder zu den Dahme-Seen südlich Berlins fahren, auf den Kanälen Richtung Oder seien dagegen weit weniger Freizeitkapitäne unterwegs.

Die Oder sollte vom Grenzfluss zu einer Verbindungsachse zwischen den deutschen und polnischen Wasserwegen werden, so Schuler. Die Entfernungen zwischen den Städten seien gering und damit optimal für Tagesetappen. Notwendig sei aber ein Ausbau der Infrastruktur. Er schlug vor, ein länderübergreifendes Marketingkonzept für den Wassertourismus zu erarbeiten. Wichtig seien auch buchbare Angebote.

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