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Horst Krause und „sein“ Gasthof

SKLUG / 16.11.2011, 06:51 Uhr - Aktualisiert 16.11.2011, 10:33
(MOZ) Seit 1576, nunmehr in 14. Generation, ist der Gasthof Naase in Gröben (Teltow Fläming) schon in Familienbesitz. Das einfache Flair schätzen Film-Produzenten und drehen gern in der Gaststube, im Saal oder auf dem Hof mit der alten Scheune. An den Tischen des Gasthofes saßen schon viele bekannte Schauspieler. Die Crew der Horst-Krause-Filme fühlt sich hier bereits fast wie zu Hause.

Es war Anfang der neunziger Jahre. Regelmäßig jeden Sonntag kam ein älterer Herr in den Gasthof Naase im kleinen Ort Gröben am Südberliner Stadtrand: schmales Gesicht und mit weißem Schal. „Ich habe gar nicht gewusst, wer das ist“, gesteht Peter Naase, während er hinter dem Tresen ein Bier zapft. Es war der vor zwei Jahren verstorbene Peter Zadek, einer der bekanntesten deutschen Theaterregisseure, der zwischen 1992 und 1995 als Intendant und Regisseur dem Berliner Ensemble angehörte. „Da hatte er eines Tages die Idee, hier in unserem Gasthof, nebenan im großen Saal, ein Theaterstück aufzuführen.“ Und ehe sich Peter Naase, der seinen Gasthof zusammen mit seiner Mutter Johanna betreibt, versah, drängten sich hier über 100 Leute zu Brechts Lehrstück „Der Jasager / Der Neinsager“.

In dem beschaulichen Ort mit seinen 300 Einwohnern und in dem einfachen „Gasthof Naase“ tummelten sich plötzlich Journalisten von Presse und Fernsehen. „Es war richtig viel los, total extrem“, erinnert sich der gelernte Koch. Damals hatte der zurückhaltende und mitunter wortkarge Gastwirt noch nicht gewusst, dass dies erst der Anfang sein würde, denn schon 1995 kam eine weitere Anfrage. Ein Filmteam, das nach dem Zadek-Projekt auf den brandenburgischen Hof mit Kopfsteinpflaster aufmerksam geworden war, wollte unbedingt hier Szenen für den TV-Thriller „Der Sandmann“ mit Götz George drehen – in der alten Scheune. So viel Aufregung wollten sich Mutter und Sohn eigentlich gar nicht aufladen. Aber sie ließen sich überreden, und so hatten sie einige Tage Götz George in ihrem Haus. „Er kam morgens durch unsere Räume und begrüßte uns ganz freundlich. Das kann man nicht von allen bekannten Schauspielern sagen. Ansonsten war er sehr konzentriert“, blickt er zurück. „Es war ein wirklich schönes Arbeiten bei Ihnen“, schrieb Götz George am 5. Mai 1995 in das Gästebuch, „und vielleicht komme ich mal privat vorbei, als alter Berliner.“ Dann lief der Film im Fernsehen. „Wir haben gar nicht auf die Handlung geachtet, sondern immer nur auf Dinge, die wir wiedererkannt haben.“

Jetzt war Gröben als Drehort entdeckt, und schon im Frühjahr 1996 kam das erste Filmteam vom „Polizeiruf“ in das kleine Dorf, um mit Inge Meisel, Katrin Sass und Dominique Horwitz einige Szenen zu drehen. Zwei Jahre später wird fast der komplette Polizeiruf „Mörderkind“ (mit Jutta Hoffmann, Horst Krause und Dominique Horwitz) im Ort produziert, auch bei Naases auf dem Hof. Die Filmteams kehrten immer wieder hierher zurück, so mit der Komödie „Liebling, bring die Hühner ins Bett“ mit Barbara Rudnik und Axel Milberg (2002), der Vorabendserie von Sat.1 „Allein unter Bauern“ (2006) mit Christoph M. Ohrt oder mit „Hoffnung für Kummerow“ mit Henry Hübchen, Dagmar Manzel und Uwe Kockisch (2008). Im selben Jahr wurde es historisch, als die Hochzeitsszene für Effi Briest mit Julia Jentsch und Sebastian Koch in der Gröbener Kirche gedreht wurde. „Da kam jemand plötzlich auf die Idee, gleich bei uns noch eine Gutshofszene zu machen“, schaut er zurück. „Da erinnerten sich einige Leute vom Produktionsteam an ihren Dreh für den ‚Sandmann‘ und sagten ‚Hier waren wir doch schon mal!‘“. Auch Christian Berkel mit „Der Kriminalist“ (2007) oder im selben Jahr Imogen Kogge und erneut Horst Krause beim Polizeiruf „Geliebter Mörder“ waren Gäste bei den Naases.

Bei einem Polizeiruf-Dreh entstand auch eines Tages die Idee der Horst-Krause-Filme. „Und da hieß es sofort: ‚Die müssten wir aber hier in Gröben drehen‘“, erzählt Peter Naase. So schlug das Team im Januar 2007 für die Arbeiten an „Krauses Fest“ im Familiengasthof auf und machten ihn zum „Gasthof Krause“. Doch der Eingang der Film-Gaststube wurde von der Straßenseite auf den Hof verlegt und das Schild „Gasthof Krause“ als ein Requisit angeheftet. Auch das berühmte Sofa in der Schankstube, auf dem Horst Krause seine Mahlzeiten einnimmt, brachte das Filmteam mit. Das schwarz-weiß-Foto von Krauses Film-Mutter, das über dem Sofa hängt, ist in Wirklichkeit das Bildnis von der Urgroßmutter von Peter Naase und hat seinen Platz eigentlich im benachbarten Saal. Dort steht noch immer der Kunststoff-Schneemann, hinter dem sich Dorfpolizist Horst Krause versteckte, als er die heimlichen Machenschaften von Nachbar Schlunzke alias Andreas Schmidt beobachtete. „Den wollten sie nach dem Dreh wegwerfen, da behielt ich ihn einfach da.“ Und den Kunstschnee fanden sie noch nach drei Jahren vereinzelt in den Ritzen des Gasthofes. Auch die Täfelung in der Schankstube, die eigentlich nur als Kulisse angefertigt wurde, bleibt bestehen. „Die ist doch schön, da haben wir sie gelassen.“

„So sympathisch wie im Film ist Horst Krause wirklich“, sagt Pater Naase. „Und wenn die Hühner auf dem Hof mal nicht so wollen wie sie sollen, dann packt er eben einfach mal mit an, während die anderen hilflos rumstehen.“

Im Juli dieses Jahres wurden die Aufnahmen für den jüngsten Krause-Film „Krauses Braut“ (Ausstrahlung im ARD-Weihnachtsprogramm 2011) gedreht. Drei Wochen war das Team bei den Naases vor Ort. Danach waren Mutter und Sohn froh, als wieder Ruhe einkehrte, obwohl sie sich mit dem Team und den Schauspielern sehr gut verstehen. Diesmal spiele Mutter Johanna sogar als Komparsin mit und radelt auf dem Fahrrad die Dorfstraße entlang.

Für die Drehtage ist der Gasthof natürlich geschlossen. „Aber in der Drehpause am Wochenende bleibt er geöffnet, und die Gäste können mal auf dem Film-Sofa sitzen.“

(Gasthof Naase, Gröbener Dorfstr. 31, 14974 Ludwigsfelde; Tel: 03378/80179)

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