Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

DDR-Heimkinder: Zäher Kampf um Entschädigung

Maria Neuendorff / 22.11.2011, 23:22 Uhr - Aktualisiert 15.07.2013, 17:43
Fürstenwalde (MOZ) Isolationshaft, Hunger, Schläge, Arbeitszwang – die ehemaligen Insassen des Durchgangsheims Bad Freienwalde haben alle ähnliche Geschichten zu erzählen. Gestern kamen erstmals frühere Heimkinder in Fürstenwalde (Oder-Spree) offiziell zusammen, um einen Landesverein zu gründen.

Wenn André Pahl an Bad Freienwalde denkt, dann fühlt er vor allem Hunger. „Als 13-Jähriger isst man doch normalerweise wie ein Scheunendrescher, da reichten die zwei Schmalzbrote nicht, die sie einem pro Tag ohne Mittagessen hingeschmissen haben“, sagt der Beeskower. Die Stullen im Durchgangsheim seien zudem so versalzen gewesen, dass die eine erlaubte Tasse Tee den unerträglichen Durst nie löschen konnte.

Die versalzenen Schmalzstullen kennen alle, die sich an diesem Tag in dem kleinen vietnamesischen Restaurant in Fürstenwalde treffen. Der Besitzer hat den ehemaligen Heimkindern den Raum kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Verein, der sich gestern dort gründet hat, hat kein Budget. „Viele Betroffene konnten sich die Anfahrt hierher gar nicht leisten, ihnen werden wir die Satzung zuschicken“, berichtet Vereinsvorsitzende Norda Krauel.

Für manchen der zwölf Neu-Mitglieder ist das erste Treffen auch so etwas wie ein erstes Kennenlernen. Viele haben sich bisher nur über das Internet ausgetauscht. Und bevor die ersten Tagesordnungspunkte besprochen werden, erzählt jeder noch einmal kurz seine Geschichte.

André Pahl zum Beispiel ist immer wieder aus verschiedenen Heimen abgehauen, um zu seiner Oma durchzubrennen. 1979 steckt man ihn ins Durchgangsheim nach Bad Freienwalde, wo Kinder und Jugendliche in Zellen mit vergitterten Fenstern und Türen ohne Klinken untergebracht sind. „Plötzlich war ich im Gefängnis, ohne Post und Verbindung nach draußen. Ich habe nur noch in der Ecke gesessen und geheult.“ Obwohl er erst 13 Jahre alt ist, muss er wie die anderen Insassen Lampenfassungen montieren.

Dass es in den Durchgangs-, Spezialheimen und Jugendwerkhöfen der DDR neben Einzelarrest und körperlicher Züchtigung Kinderarbeit gab, bestätigt auch Petra Morawe. Die Bürgerberaterin zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur hat Dokumente gesammelt, die belegen, dass unter anderem im Jahr 1979 zwischen dem Heim Bad Freienwalde und dem VEB-Schiffarmaturen und Leuchtenbau Eberswalde-Finow ein sogenannter Arbeitsvertrag bestand. „Statt der gesetzlich zugesicherten altersgerechten Beschulung und Ausbildung wurden die Kinder und Jugendlichen verpflichtet, einen Teil der Kosten ihrer Heimunterbringung selbst zu erarbeiten“, schreibt Petra Morawe in ihrem Recherche-Bericht. In den Haushaltsunterlagen werde der Arbeit der Kinder sogar ein volkswirtschaftlicher Nutzen zugeschrieben.

Einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung haben dagegen die wenigsten erlangen dürfen. Robby Basler, der als Jugendlicher 16 Monate in einem Jugendwerkhof in Mecklenburg-Vorpommern einsaß, sieht darin eine klare Menschenrechtsverletzung. Der Fotograf, der heute in Frankfurt am Main lebt, ist extra angereist, um die Brandenburger bei der Vereinsgründung zu unterstützen. In Hessen gibt es schon ?einen Demo-Verein. Die Abkürzung steht für „die ehemals minderjährigen Opfer“ von staatlicher Gewalt oder politischer Willkür.„Unser Ziel ist ein bundesweiter Dachverband, dessen Mitglieder mit der Politik in Entschädigungsverhandlungen treten können“, erklärt Basler.

Bisher waren die Betroffenen in Brandenburg eher Einzelkämpfer. Die meisten haben auf ihre Bitte um Rehabilitation ablehnende Bescheide von den Gerichten erhalten. Mehrere haben inzwischen Verfassungsbeschwerde eingereicht. „Wenn man liest, dass die Überprüfung der Richter auf frühere Stasitätigkeit der Geheimhaltung unterliegt, dann fragt man sich schon, wem man da im Gerichtssaal eigentlich gegenübersitzt“, sagt Norda Krauel.

Betroffene können über Norda Krauel Kontakt zum Verein aufnehmen: norda.krauel@web.de. Weitere Infos unter www.demo.byme-magazin.de

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Frank Kampehl 17.02.2012 - 14:55:13

Stützstrümpfe statt Entschädigung

Und ewig grüßt das Murmeltier..... Wieviel darf`s denn sein? Und wieder hinten rein? Der Vater nach Mauerbau rübergemacht.Die Mutter mit ihren 5 Kindern nicht hinterher gelassen, als Geisel in der DDR behalten! Als Kind in ein Spezialkinderheim gesteckt worden, um die überforderte Mutter zu *entlasten* und um den störrischen 8-jährigen Knaben nach der Makarenko-Methode auf Linie zu bringen. Bestrafungen statt Liebe! Und jetzt fragt man mit Gutscheinbündeln in der Hand: *Wie stark genau hatt man dir wehgetan?* Antwort: Sehr stark, denn es waren zwei auf einmal! ****-Zwei deutsche Staaten****

Frank Kampehl 17.02.2012 - 14:49:39

Stützstrümpfe statt Entschädigung!

Und ewig grüßt das Murmeltier..... Wieviel darf`s denn sein? Und wieder hinten rein? Der Vater nach Mauerbau rübergemacht.Die Mutter mit ihren 5 Kindern nicht hinterher gelassen, als Geisel in der DDR behalten! Als Kind in ein Spezialkinderheim gesteckt worden, um die überforderte Mutter zu *entlasten* und um den störrischen 8-jährigen Knaben nach der Makarenko-Methode auf Linie zu bringen. Bestrafungen statt Liebe! Und jetzt fragt man mit Gutscheinbündeln in der Hand: *Wie stark genau hatt man dir wehgetan?* Antwort: Sehr stark, denn es waren zwei auf einmal! ****-Zwei deutsche Staaten****

Hein. Rich. 27.11.2011 - 17:58:53

Der Weg ins Leben

Das Buch von A.S. Makarenko hieß nicht "Der Weg DURCHS Leben" sondern "Der Weg INS Leben". Ansonsten, kann ich der erschütternden Beichte des DDR-Heimkindes nur beipflichten: Ja, genauso war es. Und oftmals noch viel schlimmer. Ich war auch eines dieser "vorbildlichen" Betriebsheimkinder, aus "gutem Eltern-Hause". Also nicht "verwaist, nicht verwahrlost, nicht rechtsverletzend", wie im Buch von Makarenko. Aber, wie von mir bereits gesagt, es gibt darüber keine Beweise. Nicht mal Krankenakten existieren mehr. Denn auch diese sind nach ihrer vorgeschriebenen Aufbewahrungsfrist von 20-25 Jahren längst vernichtet worden. Das Gesetz der Entschuldigung oder Entschädigung für misshandelte Heimkinder ist eine Farce. Eine nochmalig Verhöhnung der verletzten Kinderseelen. Viele der Erzieher/Pädagogen bekamen nach der Wende eine sehr gute Rente, einige mussten zwar wegen Rückübertragungsansprüche aus ihren subventionierten Häusern raus, bekamen aber als Pädagogen soviel Rente, dass sie sich ein neues Haus kaufen oder ausgedehnte Reisen rund um die ganze Welt machen konnten. Und was die anderen Schuldigen anbelangte, weiß ich von einigen Heimkindern, dass diese als Erwachsene mit ihren damals überforderten Eltern wegen "Tonstörungen" keinen Kontakt mehr pflegten.

DDR-Heimkind 27.11.2011 - 08:45:11

In dem Betriebskinderheim, in welchem ich viele Jahre der 50er/60er Jahre war, gab es keine Kinderarbeit.

Auch wenn es das große kommunistische Erziehervorbild A. S. Makarenko (*1888-+1939) so vorsah. .... Es galt bei Makarenko damals, nach der Oktoberrevolution, wegen der fehlenden staatlichen Mittel, dass das Kinderheim der Waisen, Verwahrlosten und Rechtsverletzer, zum Selbstversorger von Lebensmittel und Handwerksleistungen wird. Die Kinder lernten im Kollektiv zu leben, zu teilen, zu arbeiten. Erzogen wurde ebenso vom Kollektiv aus, nur noch Anleitungen gab es durch die Erzieher. Makarenko lehnte physische und psychische Gewalt ab. In seinem Buch "Der Weg durchs Leben" ist dieses Vorbild aller nach folgenden kommunistischen Kinderheime verständlich geschildert. Im Nachwort seines Buches steht der Satz: "... Mit Genugtuung konnte er sehen, dass überall im Sowjetland Kolonien nach dem Vorbild der Gorki-Kolonne und Dsershinskij-Kommune entstanden waren..." Parallel dazu entwickelten sich die sowjetischen Gulags und später die deutschen Konzentrationslager. Aus diesen russischen Erfahrungen lernten auch die Erzieher der Waisen- und Erziehungsheime in den kommunistisch orientierten Ländern. Dennoch legten diese ErzieherInnen ihre eigenen "Traditionen" aus kaiserlichen Kadettenanstalten, katholischen und nationalsozialistischen Kinderheimen nicht ab. So gestalteten diese Pädagogen in den sozialistischen Bruderländern die Bildung und Erziehung in den Kindergärten nach einheitlichem Vorbild und Erziehungsplan. Auch in der Ex-DDR war physische und psychische niederträchtige Züchtigung (offiziell) nicht erlaubt. Wie bei Makarenko. Dagegen die Kollektiv-Erziehung gefördert. Darüber wurde aber im Detail kein Protokoll geführt, wenn es dann siegessicher in der Erzieherbesprechung der Leiterin vermeldet wurde, dass "das Kind durch Unterstützung des Kollektivs bald zur Einsicht kam, nicht mehr undiszipliniert aus der Reihe zu tanzen". Ich hatte nach der politischen Wende mein Kindheitstrauma ohne Hilfe, ganz allein abgearbeitet, indem ich mit kleinen Schritten die Orte und Personen aufsuchte. Hatte da aus der Sicht als berufstätige Mutter, mit eigenen Lebenserfahrungen und Literatur die Albträume entdämonisiert. Hatte auch einige LeidensgefährtIinnen wiedergefunden um (tröstlich) festzustellen, dass es denen in unserem Betriebskinderheim und in anderen Kinderheimen, sowie auch als Erwachsener leider noch viel schlimmer ergangen war. Bei uns durften wenigstens ausnahmsweise Kinder privilegierter Eltern ihre Geschwister im selben Heim sehen. Ich gehörte nicht dazu. In den anderen Kinderheimen war es sogar Vorschrift, die Geschwister durch Belegung in andere Heime zu trennen. Dass wir u. a. auch darunter gelitten hatten, kann keiner nachvollziehen. Ständiges Heimweh war oft schlimmer, als die variantenreichen Strafen, die eisige Kälte, der ständige Lärm, der unerträgliche Gestank, der dauerhafte Dreck überall. Wer das streng rationierte aber ekelerregende Essen nicht im Akkord aufaß, blieb vor seinem Teller kerzengerade mit verschränkten Armen sitzen, bis zur nächsten Mahlzeit. Wer in den Teller erbrach, musste es wieder aufessen. Wer undiszipliniert war, wurde mit Entzug von Getränken, Kompott oder Obst bestraft. Generell herrschte Süßigkeitsverbot. Das wenige Spielzeug wurde von den Stärkeren in Beschlag genommen. Alles was an Gebäck, Obst, Spielzeug von zu Hause kam, musste an alle verteilt werden. Es reichte aber oft nur für 1 Kind. Ich ging immer leer aus. Unterwäsche, Strümpfe, Taschentücher, Buntstifte wurden mangels Ersatz generell von den stärkeren Kindern geklaut. Wer "petzte", bekam Kollektivdresche und galt für immer als Verräter, als Feind. Strafen gab es nicht wegen zu ahnender Vergehen, nein, man wollte uns zum perfekten kommunistischen Staatsbürger drillen. Mal hier ein paar Beispiele: Wer beim Essen sprach, schlürfte, schmatzte wurde mit dem handverdeckten Gesicht zur Wand in die Ecke gestellt. Dann machte sich jeder mal über das Essen her und legte die ekelhaften Abfallreste wieder zurück. Nach dem Ende der Mahlzeit durfte jeder mal beim Rausgehen den Eckensteher stoßen. Erst als alle Kinder draußen waren, durfte der Eckensteher seine Hände runter nehmen, sich dem Raum zuwenden und die ekelhaften Reste von seinem Teller essen. Und wehe er aß sie nicht auf..... Wem beim Geländespielen etwas Luft oben oder unten abging, er mit dem Finger polkte oder sich sonst wie versehendlich "unanständig" benahm, der musste in die Mitte eines gebildeten Kinder-Kreises treten und wurde von der ganzen Gruppe mit vorgestrecktem Zeigefinger "ausgeätscht", ausgelacht, mit Schimpfworten beleidigt und musste mit demütig gesenktem Kopf Besserung loben. Wer das als kleines Kind miterlebt hat, wollte am liebsten vor Scham in den Boden versinken. Oder weglaufen. Doch die eingetrichterte Angst vor umherstreifenden bösen vier- und zweibeinigen Wölfen hinderte uns daran. Am folgenreichsten waren aber die Strafen der Nachtwache. Jedes Kind, das vorm einschlafen noch Nachtlieder sang, flüsterte, oder sich im Nachbarbettchen am Fieber des eines kranken Kindes die eisigen Füße und Hände etwas aufwärmen wollte, wurde von der jeweiligen Nachtwache aus dem Bett gezerrt. Und nur im Nachthemd auf die Mittellinie des eiskalten Flures gestellt. Mit verschränkten Händen und geschlossenen Beinen musste es eine gefühlte Ewigkeit gerade stehen und durfte nicht wackeln. Wenn das Nächste aus dem Bett gerissen wurde, musste es sich vor das erste Kind stelle. Das durfte dann zwei Schritte nach hinten zu den Schlafsälen treten. Dann kam das nächste Kind. .... Irgend wann kam das erste Kind dann in seinem Schlafsaal wieder an. Und durfte völlig durchgefroren und ermattet ins Bettchen kriechen. Ich wollte mich auch einmal im Fieberbett aufwärmen. Als mich die Nachtwache schlafend erwischte, war der Flurstreifen schon mit Kindern belegt. So wurde ich in den ungeheizten Waschraum gestellt, wo es weder warmes Wasser noch eine Sitzgelegenheit gab. Irgendwann konnte ich nicht mehr stehen und setzte mich auf ein nasses Handtuch über den kalten Fliesen. Das Licht wurde bei Schichtwechsel ausgeschaltet. Nach einer Ewigkeit mit Geräuschen von tropfenden Wasserhähnen hörte ich dann Hunde bellen, die einen entlaufenen Mörder jagten. .... Der hatte sich dann tagelang in unserem Dachboden und Keller versteckt, die Nachtwache gab ihm zu essen, mich hatte sie in dieser Nacht vergessen. Ich hatte aber beide in dieser Nacht am Waschraumfenster gesehen .... Die scharfen Hunde fanden später den halbverhungerten Mörder, die Nachtwache floh in den Westen, mein fieberhaftes Gestammel hat mir keiner geglaubt. Ich wurde sehr krank und musste mit einer Nierenbeckenentzündung ins Krankenhaus. Später wollte ich keine "Verräterin" sein. Ich war doch erst 6 Jahre alt und oft kränkelnd, ohnmächtig, ich dachte, das "Karussell fahren" vorm Einschlafen sei normal. Andere Kinder versetzten ihren Kopf in Schwingungen, bis sie einschliefen. Genuckelt hatten viele noch bis zur Einschulung. Niemand hat es interessiert, wenn den Kindern der Eiter aus Nase und Ohren lief, Penicillin gab es nicht ..... Ständig waren wir Kinder erkältet, hatten Würmer, Läuse, Flohbisse und akute, krampfartige Verdauungsstörungen, und das bei nur zwei Kindertoiletten. Die beiden anderen Toiletten waren den Erziehern, Küchen- und Putzfrauen reserviert. Manchmal hatte ich vor Hunger die Blätter von der Wiese gegessen. Vor Durst das Seewasser oder den Schnee getrunken. Die Eisblumen an den Fenstern waren bei Fieber stets abgeleckt. Hat Niemanden interessiert. Der verhasste Pferdearzt verordnete uns ständig entweder Haferschleimdiät, Rizinusöl, Lebertran oder machte bei den Jungs seine Einläufe, mit dem Klistier. Vom Trinken war keine Rede. Darum gab es auch nichts. Als der dann seiner Verhaftung nach dem Westen entfliehen konnte, vertrat ihn ein untergetauchter KZ-Arzt aus Ausschwitz, bis zu seiner Hinrichtung.... Ältere Kinder "spielten" mit mir mal Erhängen mit dem Gummiband, mal ertränken im See, andere Kinder spielten die Retter, während die Erzieher ihre ausgedehnten Pausen hielten. .... Bei der strengen Heimerziehung mischten sich weder Eltern, noch Verwandte mit ein. Im Gegenteil, sie mahnten in ihren Worten/Briefen die Kinder, "immer brav zu gehorchen und in allem recht folgsam zu sein". - Nicht Aufbewahrung und Beschäftigung von Kindern war das pädagogische Programm, sondern die uneingeschränkte Erziehung zu willenlosen, treuen, untergebenen Staatsbürgern. Mit allen Mitteln. .... Ach, ich könnte Bücher drüber schreiben, doch wer liest denn so was Banales heutzutage noch, in Anbetracht des viel schlimmeren Elends im TV. .... Jedoch das Kennenlernen von produktiver Arbeit haben alle Kinder nur im Rahmen der allgemeinbildenden polytechnischen Ausbildung, je nach unterschiedlicher Region, kennengelernt. Es hat mir beim späteren Haus- und Gartenbau nicht geschadet.

Hein. Rich. 26.11.2011 - 18:32:00

Vorbei und zu spät !

Es gab nicht nur die erwähnten Spezialkinderheime - für Waisenkinder, - für schwer erziehbare Kinder, - für Kinder, deren Eltern einfach nach dem Westen abgehauen waren, - für Kinder, deren Eltern in Gefängnishaft saßen, - für Kinder, deren Eltern in den sibirischen Gulag verschleppt wurden - für ungewollte Kinder, deren Mütter vergewaltigt wurden - für Kinder, deren Eltern psychisch krank waren - für Kinder, die selbst psychisch krank waren - für Kinder, die auf Grund von Erb- oder Geburtskrankheiten von den Eltern nicht betreut werden konnten - für Kinder, deren Eltern man das Erziehungsrecht per Gerichtsurteil entzogen hatte SONDERN es gab auch viele Betriebskinderheime - für ganz gesunde, normale Kinder, deren Eltern im 4-Schichtdienst arbeiteten. UND, es gab auch unbekannter Weise ein paar sog. "Elite"-Kinderheime - für Kinder, deren Eltern oft längere Zeit auf Montage, im Schichtdienst oder auf Dienstreisen im In- und Ausland waren, wo keine Großmütter zur Verfügung standen. Auch diese Kinderheime waren die Hölle zarter Kinderseelen. Die karrieregeilen Eltern waren oftmals ahnungslos. Wähnten sie doch ihre Sprösslinge in allerbester staatlicher Obhut. Jedoch EXISTIEREN WEDER UNTERLAGEN NOCH AKTEN darüber. Und wenn sie mal existiert haben sollten, dann wurden sie für die Obrigkeit geschönt und gefälscht. Außerdem waren sie geheim, wie eine Kaderakte. Und wurden spätestens mit Schließung des Heimes bzw. Auflösung des Betriebes vernichtet. Von den beiden letztgenannten Kinderheimen hat aber noch Keiner in der Öffentlichkeit geschrieben oder jemals gesprochen. Sie stehen auch nicht im Internet. Zumindest ist es mir nicht bekannt. Dennoch sind auch diese Kinder besonders bis Anfang der 60er Jahre wie all die anderen o.g. lieblos, herzlos und mit eiserner faschistisch-stalinistischer Erziehung à la Kadettenhof gedrillt, seelisch gequält worden, wurde mit sozialistischer Kollektivstrafe der Wille gebrochen, sind gedemütigt und erniedrigt worden. Es herrschte das ungeschriebene Rottengesetz. Der Stärkste war der Anführer. ... Später wurden die dann zum Pionier-Gruppenführer ernannt. ... Meine Kinderheimzeit war die Nachkriegszeit der verrohten, seelenkranken, lebenshungrigen Erwachsenen, Eltern, Erziehern, denen man selbst durch Krieg, Vertreibung, Zuchthaus, KZ, Gulag, Gefangenschaft und Nachkriegszeit die Kindheit und Jugend geraubt hatte. Die erst mal alles andere liebten, als fremde oder gar eigene Kinder. Lange ist es her. Die Schuldigen sind schon alle tot. "Mein ist die Rache", sprach der Herr "mein, und nicht dein!" - Ich hatte Einigen nichts Gutes gewünscht. Der Weg zu Gottes Ohr ist aber sehr weit. Und als alle meine Wünsche nach Jahrzehnten in Erfüllung gingen, war es mir *piep*-egal. Wer von den Schuldigen noch lebt, ist vom Schicksal bzw. auch schon mit Alterskrankheiten geschlagen. ... Mein Gott, auch ich habe die Jahre der Entbehrungen, der "Zucht und Ordnung", der Lieb- und Besitzlosigkeit überlebt. Habe die vielen Züchtigungen verschmerzt und irgendwann auch die demütigenden Kollektivstrafen. Bin weder "gestrauchelt" noch nach Irgendwas süchtig geworden. - Mit dem Leitspruch: "Was mich nicht umbringt, macht mich stark !" Mir würde aber nicht mal im Albtraum einfallen, eine Entschädigung für NICHT BEWEISBARE Kindheitstraumen zu verlangen. Jetzt, 22 Jahre nach der politischen Wende ? Von der BRD (!) ? Mit "Entschuldigung" und Therapie als "Wiedergutmachung" ? Mir, als alten Menschen, so kurz vor der Mindestrente ? - ZU SPÄT !

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG