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Gericht hält Notwehr-Behauptung des Beschuldigten für plausibel

Kriminalität
Dramatische Wende im Tauche-Prozess

Blick auf die Wohnung eines Gewalttäters in Tauche (Oder-Spree), der unter anderem dieses Auto zerstört hat.
Blick auf die Wohnung eines Gewalttäters in Tauche (Oder-Spree), der unter anderem dieses Auto zerstört hat. © Foto: Mathias Hausding
Mathias Hausding / 09.11.2018, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Im Prozess um Gewalttaten in Tauche (Oder-Spree) deutet sich eine dramatische Wende an. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Frankfurter Landgericht erklärte die Vorsitzende Barbara Sattler, dass die Kammer „allergrößte Zweifel“ habe, ob die Staatsanwaltschaft mit ihrer Version vom Tathergang richtig liegt.

Das Sicherungsverfahren richtet sich gegen einen 33-Jährigen, der als psychisch krank und damit schuldunfähig gilt. Es geht um seine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung. Er soll ohne triftigen Grund zunächst am Silvestertag zwei Nachbarn und am Neujahrsabend einen Verwandten der Nachbarn angegriffen haben.

Letzterer erlitt bei der Attacke mit einem sogenannten Totschläger einen Schädelbasisbruch sowie Brüche von Nasenbein, Jochbein und Oberkiefer. Der 33-Jährige hingegen kam bei der Auseinandersetzung mit kleineren Blessuren davon, die ein Rettungssanitäter als nicht behandlungsbedürftig einstufte. Der Beschuldigte beteuert, in Notwehr gehandelt zu haben. Der andere Mann habe ihn zuerst angegriffen.

Die Vorsitzende Richterin betonte nun, dass die Kammer diese Version zum jetzigen Stand der Beweisaufnahme für wahrscheinlicher halte als die Argumentation der Gegenseite. Sollte sich an dieser Auffassung nichts mehr ändern, darf der junge Mann auf seine baldige Entlassung aus dem Haftkrankenhaus hoffen. Oberstaatsanwältin Claudia Grimm kündigte jedoch Widerstand an. Sie sehe die Sache anders als die Kammer. Es müsse nun alles aufgeboten werden, um die Vorwürfe zu belegen, sagte sie in der Verhandlung.

Jene Gewalttat vom Neujahrstag hat eine lange Vorgeschichte. Der seit Jahren polizeibekannte Intensivtäter hatte seit seinem Umzug nach Tauche Mitte 2017 immer wieder Nachbarn bedroht und beleidigt. Er wird zudem für diverse Sachbeschädigungen unter anderem mit selbstgebastelten Bomben verantwortlich gemacht. Die Nachbarn halten der Polizei vor, viel zu wenig unternommen zu haben. So hatte sich ein Mann im Gespräch mit dieser Zeitung beschwert, dass die Polizei seinen gesprengten Briefkasten nicht als Beweisstück haben wollte und die Beamten auch nicht bereit gewesen seien, Schuhspuren rund um sein gesprengtes Auto zu sichern.

So blieb es stets beim Verdacht, dass der 33-Jährige dahinter stecken könnte. Richterin Sattler hält es für möglich, dass Bürger am Neujahrstag quasi zur Selbstjustiz schritten. „Sie fühlten sich von der Polizei im Stich gelassen und wollten die Sache vielleicht selbst in die Hand nehmen.“ Denn die blutige Auseinandersetzung am Neujahrsabend ereignete sich hinter dem Mehrfamilienhaus im Schuppen des 33-Jährigen. Was hatte das spätere Opfer für einen Grund, den Mann in diesem Schuppen aufzusuchen?, fragt sich die Kammer. Sie vermutet, dass der angetrunkene Besucher den jungen Mann zur Rede stellen wollte – und die Sache dann eskalierte.

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