„Helene – ich liebe dich“, schreit Marko in die Nacht. Der 24-jährige Nürnberger ist frisch verliebt und möchte es nun der ganzen Welt verkünden. Tanzend im Sand, am Strand des Helenesees. Seine Liebe muss der junge Mann aber teilen: mit 20 000 anderen Besuchern des Helene-Beach-Festivals bei Frankfurt (Oder). „Kein Problem – wir sind alle wie eine große Familie hier“, sagt er lächelnd und verschwindet in der Masse.
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Vier Tage lang ist alles anders am Helenesee. Bereits zum dritten Mal verwandelt sich das Gelände rund um den Hauptstrand in eine Partymeile. Sechs Bühnen, über 100 Bands, DJs und Sänger in der besonderen Umgebung, die eine einzigartige Atmosphäre schafft. Das zieht Massen an. In diesem Jahr sind es 5000 Besucher mehr als 2012.
Melanie aus Dresden ist begeistert. „Es ist ja wie auf Mallorca hier. Wasser und Strand! Dazu noch coole Leute und super Bands.“ Die Musikmischung gefällt: Rock, Pop, HipHop und Elektro. Auch Jan. Der 23-jährige Berliner verkauft Brezeln. Bis 3 Uhr morgens oder auch länger. „Schlafen kann ich auch nach dem Wochenende“, sagt er und lacht.
Die Atmosphäre hat etwas von einem Feriencamp gepaart mit einem Familienpicknick. Sie ist aber auch ein wenig surreal. Schummerlicht, Staub, Sand, Dunst, verkleidetes Partyvolk, Plüschtiere, Transparente, Hängematten, Sessel. Menschen, die sich in den Armen liegen, die baden, singen und tanzen. Thomas aus Berlin verteilt Umarmungen. „Free Hugs“ steht auf seinem Transparent. Ein junger Mann nebenan will den Wald retten mit einer etwas absurden Botschaft, die er auf ein Stück Karton gekritzelt hat: „Rettet den Wald – esst mehr Biber“. Ernst gemeint ist hier nichts. Es fühlt sich an wie eine Welt zwischen Wirklichkeit und Traum. Der Plüscheinhorn am Stock weist einem Besucher den Weg. Ein Werbeteam ist mit einer alten Polaroid-Kamera unterwegs, knipst und verteilt die Fotos, die erst langsam ihre Kontur annehmen und genauso unwirklich wirken wie alles rundum.
Die Bands geben ihr Bestes: Egal ob Madsen, Marteria, Royal Republic, Max Heere, Mia oder der DJ Sven Väth. Das Publikum: ein Meer aus Händen. Für Anna aus Schwerin ist es eigentlich nicht ihr Ding: „Ich finde es aber trotzdem super. Die DJs, die ich sehen wollte, waren super“, sagt die blonde Frau ganz leise. Ihre Stimme ist weg. Zu laut hat sie mitgesungen. „Egal, sie kommt ja wieder. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.“
Entspannt, friedlich, nicht so überlaufen – so der Grundtenor der Festivalbesucher. Das kann Michael Nielebock vom Veranstaltungsteam bestätigen. Die Ordnungshüter hatten wenig zu tun. Es gab keine Unfälle. Außer einigen Einbrüchen in Autos blieb es ruhig. Das Problem waren nur Schnittwunden und verbrannte Füße. „Die Leute tanzten barfuß. Der heiße Sand und die herumliegenden Dosen setzten den Füßen dann zu.“ 700 Fälle versorgten die Sanitäter. Zehn mussten ins Krankenhaus.
Die 18-jährige Emilia hat alles heil überstanden. Die Polin sitzt am Wasserrand. Schlapp sei sie nach der durchtanzten Nacht. „Die Hitze macht einem schon zu schaffen. Obwohl es echt super ist.“ Im nächsten Jahr will sie mit ihren Freunden aus Münster wieder kommen. „Es ist wie Urlaub: Campen, Party, Baden und Abhängen“, sagt sie und rennt in ihrer Kleidung ins Wasser. 20 andere folgen ihr mit viel Gelächter.
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