Sattler wies auf eine juristische Besonderheit hin. So sehe das Gesetz beim Anklagevorwurf "Mord durch Unterlassen" die Möglichkeit vor, den Strafrahmen zu verschieben. Am Ende könnten also einige Jahre Haft stehen statt "lebenslang", was in der Praxis auf mindestens 15 Jahre hinausliefe.
Zu einer lebenslangen Haftstrafe ist jüngst Angelo S. verurteilt worden, der leibliche Vater des damals zwei Jahre alten Mädchens. Nach Einschätzung der Strafkammer hat der 30-Jährige das Kind 2017 über Monate grob vernachlässigt und schwer misshandelt. Die Ärzte konnten sein Leben nicht mehr retten.
Die Stiefmutter steht vor Gericht, weil sie die Gefahr gesehen, aber nicht eingegriffen habe. In diesem Prozess war der inhaftierte Angelo S. am Montag als Zeuge geladen. Er verweigerte jedoch die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Das Urteil gegen ihn ist noch nicht rechtskräftig.