Der Empfang für Sozialminister Günter Baaske (SPD) vor den Einrichtungen der Ausländerbehörde des Landes ist laut. „Abschaffung der Gutscheine und Chipkarten“, „Deutscher Pass für alle in Deutschland geborenen Kinder“, „Das Lager muss weg“ – so steht es auf Plakaten und so tönt es durch ein Megafon. Knapp 20 Demonstranten von Flüchtlingsinitiativen hatten vom Besuch des Politikers gehört und nutzten die Chance, ihre Positionen lautstark klarzumachen.
„Wir fordern eine Besserung der Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Brandenburg“, sagt Ferdinand Ngninkeleji. Der 39-jährige Kameruner ist seit acht Jahren in Deutschland. „Ich kann bleiben, weil ich eine deutsche Frau habe“, erzählt er. Aber diese Chance habe nicht jeder Flüchtling. Ngninkeleji verbrachte die ersten Wochen in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Eisenhüttenstadt, genau wie Chamberlin Wlandji. Nun sind die zwei Kameruner zurückgekehrt und suchen das direkte Gespräch mit dem Minister. Erfolgreich! Baaske nimmt sich Zeit, obwohl der Besuch straff durchorganisiert ist, erst eine Pressekonferenz, dann ein Rundgang durch das Heim und die Abschiebehaft. In letzterer befinden sich derzeit 17 Häftlinge. 108 Plätze gibt es.
Chamberlin erzählt, dass er 2004 zwei Wochen in Eisenhüttenstadt war. Die acht Quadratmeter seines Zimmers teilte er mit drei weiteren Flüchtlingen. Momentan ist das Heim mit 230 Asylsuchenden – darunter befinden sich 46 Kinder – aber nur zur Hälfte belegt. Da hat mancher ein Zimmer für sich allein. Baaske schaut sich einige davon an, nimmt Toiletten, Duschen und Etagenküchen unter die Lupe. Sein Fazit: „Da müsste man investieren – vor allem, was den Sanitärbereich angeht.“ „Man“ ist in diesem Fall das Land.
Die meisten Bewohner, für die Eisenhüttenstadt nur eine Durchgangsstation ist, von der aus sie nach sechs bis acht Wochen – manche bleiben auch länger – auf Heime in die Landkreise verteilt oder aber später abgeschoben werden, kommen aus Afghanistan. Afrikaner und Iraker sind ebenfalls stark vertreten, weiß Uwe Hansch­mann. Er leitet die in Eisenhüttenstadt befindliche Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das über Anerkennung des Asylantrags oder Abschiebung entscheidet. „Monatlich haben wir derzeit 120 Asylanträge zu bearbeiten“, sagt er. „Das sind 25 Prozent mehr als in den Vorjahren.“
Brandenburg nimmt 3,15 Prozent der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge auf. Landesweit gibt es 3200 Asylsuchende und Geduldete. „Wir sind ein Aufnahmeland aus humanitären Gründen – und wollen es sein“, betont Günter Baaske und sieht in der Betreuung von Flüchtlingen eine humanitäre Pflicht. Deshalb hört er ganz genau zu, als eine Heimbewohnerin klagt, dass ihr Baby schon seit Monaten krank sei, aber nicht ausreichend medizinisch behandelt werde. Persönlich bittet der Minister den Leiter der Ausländerbehörde, sich den Fall noch einmal anzusehen. Stephan Bock sichert das zu.
Aber Baaske wird mit noch mehr Kritik konfrontiert, beispielsweise über fehlende Dolmetscher oder die Verpflegung in der Kantine. Täglich werden dort 200 Essen ausgegeben. Die Bewohner sprechen davon, dass es fast nur Kartoffeln und Ei gebe. Der offizielle Speiseplan, den sich Baaske anguckt, sagt etwas anderes, genau wie Bock.
Auch Chamberlin Wlandji hat keine guten Erinnerungen an die Küche. Die Gutscheine, die er damals zum Einkaufen erhielt und die nur in wenigen Geschäften einsetzbar sind, kritisiert er ebenfalls. Er ist für Barleistungen – wie Baaske. Der Minister verweist jedoch auf den Bund, der Gutscheine noch favorisiere, aber Ausnahmen zulasse, von denen die Kreise Gebrauch machen könnten. „Viel geändert hat sich in Eisenhüttenstadt noch nicht“ , resümiert Ex-Bewohner Wlandji.