Katharina Wendt, angehende HNO-Ärztin aus Finsterwalde (Elbe-Elster) und Sprecherin der Bürgerinitiative, zeigte sich am Freitag erfreut und enttäuscht zugleich. "Innerhalb kürzester Zeit haben sich nicht nur Eltern, sondern auch Schulleiter, Lehrer und Erzieher unserer Initiative angeschlossen", bilanzierte sie.
Diese Menschen seien überzeugt, dass sich die 2005 in Brandenburg eingeführte Früheinschulung nicht bewährt habe. So würden zahlreiche Fallbeispiele wie auch Studien belegen, dass ein Schulstart mit fünf den Lernerfolg massiv gefährden könne. Deshalb fordere man, dass künftig nur jene Kinder schulpflichtig sind, die am 30. Juni eines jeden Jahres sechs sind. Derzeit gilt als Stichtag der 30. September. Außerdem sei es laut Bürgerinitiative höchst problematisch, dass Eltern mit ihren Kindern zu Gutachtern gehen müssten, um eine Rückstellung zu erwirken. "Da werden Fünfjährige pathologisiert, nur weil ihnen die soziale und emotionale Reife für die Schule fehlt."
Als "enttäuschend und nicht zufriedenstellend" bewertete Katharina Wendt die Reaktion des Bildungsministers im Rahmen der Unterschriftenübergabe. "Ich sehe keine Notwendigkeit, den Einschulungstermin zu verändern", erklärte Günter Baaske. Zur Begründung verwies er darauf, dass zum Start des laufenden Schuljahres von rund 2000 Rückstellungsanträgen für zwischen dem 1. Juli und dem 30. September geborene Kinder 93 Prozent genehmigt worden seien. Auch werde er sich künftig noch stärker dafür einsetzen, dass der Elternwille bei der Einschulung berücksichtigt wird, versprach der Minister.
Kritik an Baaske kam am Freitag auch vom Städte- und Gemeindebund. "Ich kann den Wunsch der Eltern nach späterer Einschulung nachvollziehen", erklärte Geschäftsführer Karl-Ludwig Böttcher. "Die jetzt vom Bildungsministerium präsentierte Lösung ist wacklig und inkonsequent. Sie schürt Unsicherheit auch bei den Trägern von Kitas und Schulen."
Baaskes Ablehnung der Bürgerinitiative steht im Widerspruch zu den Positionen der Bildungsexperten der Koalition. Kathrin Dannenberg (Linke) erklärte, dass ihre Fraktion weiter für den 30. Juni als Stichtag eintrete. Auch Simona Koß (SPD) hatte der Einschulung mit Fünf jüngst eine Abfuhr erteilt.
Die CDU-Fraktion will in Kürze einen eigenen Gesetzentwurf für eine Rückkehr zum Stichtag 30. Juni vorlegen. Am kommenden Donnerstag befasst sich der Bildungsausschuss des Landtags mit dem Anliegen der Bürgerinitiative.