Die Deutsche Bahn will mehr gegen Rassismus und Vorurteile gegen Sinti und Roma tun. Ausgangspunkt waren Berichte über die Diskriminierung von geflüchteten Roma aus der Ukraine im Frühjahr, wie das Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Konkret übernahm die Bahn die Arbeitsdefinition von Antiziganismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Damit verbunden sind zum Beispiel Bildungsangebote für Bahnbeschäftigte über die vielen Formen der Diskriminierung von Sinti und Roma.

Verantwortung aus der Geschichte

„Diskriminierung und Rassismus haben bei uns keinen Platz“, betonte Bahnchef Richard Lutz. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, begrüßte die Initiative. „Der Konzern macht damit deutlich, Verantwortung aus der Geschichte zu übernehmen, die auch die Ermordung von 500 000 Sinti und Roma im Holocaust bedeutet“, sagte Rose. „Die DB setzt damit ein deutliches Signal, den Antiziganismus genauso zu ächten wie den Antisemitismus.“ Teil der Maßnahmen ist auch ein Bericht Roses im Bahn-Intranet über die Geschichte der Sinti und Roma und ihrer Diskriminierung im Alltag.
Antiziganismus zeigt sich nach der Arbeitsdefinition der IHRA in Form von Marginalisierung, Ausgrenzung, physischer Gewalt, Herabwürdigung von Kulturen und Lebensweisen von Sinti und Roma sowie Hassreden. Betroffen seien Menschen, „die zur Zeit des Nationalsozialismus und noch heute als "Zigeuner" wahrgenommen, stigmatisiert oder verfolgt“ würden. Sinti und Roma würden als vermeintlich Fremde behandelt.