Eigentlich sollte 2017 ein gutes Jahr für das Bahnwerk Eberswalde (Barnim) werden. Schließlich geht mit der Übernahme durch den Investor Quantum Capital Partners AG aus München ein monatelanger Kampf um die Rettung des Unternehmens zu Ende.
Die Deutsche Bahn hatte im Oktober 2014 ihre Absicht bekundet, die DB Fahrzeuginstandsetzung GmbH in Eberswalde dicht zu machen. Anhaltende Proteste in der Region waren die Folge, Verhandlungen auf diversen Ebenen folgten. Anfang dieses Jahres wurde das Interesse von Quantum bekannt, im Mai folgte von beiden Seiten die Unterschrift unter dem Kaufvertrag für einen symbolischen Euro. Kurz darauf fand eine Dankeschön-Feier mit Wirtschaftsminister, Landrat und Bürgermeister statt. Schließlich hatte auch die Politik geholfen - mit der Bereitschaft, für den designierten neuen Eigentümer eine Bürgschaft zu übernehmen.
Und nun das: Quantum droht in einem Schreiben an die Fast-schon-Mitarbeiter mit betriebsbedingter Kündigung beziehungsweise "Schließung des Werks Eberswalde innerhalb der ersten Wochen des neuen Jahres". Unterschrieben pikanterweise vom Personalreferenten der EBW Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH - dem ehemaligen Betriebsratschef Ulf Boehnke, der sich in die Dienste des Investors begeben hat.
Zwei Gründe nennt der neue Betreiber für die überraschende Drohung mit dem Aus: Ganz plötzlich habe man von Brandschutzmängel erfahren, deren Existenz der Deutschen Bahn seit Jahren bekannt gewesen seien und deren Beseitigung 2,4 Millionen Euro kosten würde. Eine Umsetzung des Brandschutzkonzeptes sei geeignet, das Werk "sehr kurzfristig in eine erhebliche wirtschaftliche Schieflage bis hin zur Insolvenz" geraten zu lassen.
Nächster Punkt: Der noch immer ausstehende Tarifvertrag mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die EVG blockiere. Dabei müsse man vom hohen DB-Tarifniveau wegkommen - hin zu einem "moderaten, den Markt- und Wettbewerbsbedingungen angepassten" Niveau, wie etwa bei der Quantum-Tochter Waggonbau Niesky. Nur dann habe "das Werk Eberswalde überhaupt eine Zukunftsperspektive".
Die so Beschuldigten weisen alle Vorwürfe von sich. Der für Berlin-Brandenburg zuständige Sprecher der Deutschen Bahn, Burkhard Ahlert, erklärt: "Wir teilen die im Schreiben gegen DB Fahrzeuginstandhaltung erhobenen Vorwürfe nicht. Wir werden uns dazu direkt mit dem Investor Quantum in Verbindung setzen." Und EVG-Sprecher Uwe Reitz beteuert, dass man in engem Kontakt zur Geschäftsführung stehe und sich in keinster Weise einer Einigung verweigere, auch wenn man natürlich das Beste für die Kollegen herausholen wolle. Quantum habe sich als Retter feiern lassen "und baut nun im Nachhinein Hürden auf", kritisiert Reitz.
Der Geschäftsführer der EBW Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH heißt Thomas Steiner. Zu dem von seinem Unternehmen aufgezeigten Horrorszenario will er nichts sagen. Er sei Angestellter, man müssen den Investor Quantum fragen. Dort wiederum bekommt man zur Auskunft, alle Verantwortlichen befänden sich im Urlaub. Man könne ja eine E-Mail schreiben. Eine Antwort auf eine daraufhin erfolgte elektronische Anfrage gab es allerdings nicht.
Im EBW-Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass man prüfe, ob man Kurzarbeit Null beantragen könne - die Personalkosten würden so zum Teil auf die Bundesanstalt für Arbeit abgewälzt.
Die für den kommenden Montag angesetzte Betriebsversammlung, von der eigentlich erwartet wurde, dass die Mitarbeiter bei Quantum begrüßt werden und es ansonsten um die Auftragslage geht, könnte also anstelle eines Neuanfangs für einen Abgesang stehen.