Im riesigen Abfertigungsgebäude verlieren sich die wenigen Menschen, die zumeist mit orangenen Warnwesten unterwegs sind, auf Leitern stehen oder Material von A nach B tragen. Der BER im November 2019 unterscheidet sich rein äußerlich nur unwesentlich vom BER im Frühjahr 2012, als die Flughafengesellschaft unter der damaligen Leitung des Sprechers der Geschäftsführung, Rainer Schwarz, schon den Sekt zur Eröffnung kalt gestellt hatte und dann doch wieder alles abblasen musste, wegen eklatanter Mängel.
An diesem Freitag wird ein neuer Eröffnungstermin erwartet. Dann tagt der Aufsichtsrat und BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup scheint überzeugt davon, dass es mit dem BER nun doch noch klappt. Irgendwann im Oktober kommenden Jahres. Damit die Journalisten sich ein Bild vom Jahrhundertbau in Schönefeld machen können, werden sie am Montag mit einem doppelstöckigen Reisebus auf das Gelände gefahren. Fotos und Videos sind erlaubt, Kommentare zum Bauzustand gibt die BER-Pressestelle nicht ab und beantwortet demzufolge auch keinerlei Fragen.
Reinigungstrupps polieren die Check-in-Schalter im Terminal, als würden morgen die ersten Fluggäste erwartet. "Das muss ja sauber gehalten werden, sonst staubt das hier doch alles ein", sagt eine Frau, als sie mit ihrem Lappen die edle Holzverkleidung bearbeitet. Am anderen Ende des Terminals stehen Dutzende von Koffern. Mit ihnen soll die Gepäckförderanlage auf Herz und Nieren geprüft werden – wie zuletzt vor sieben Jahren.
Inzwischen sind auch die – vorerst – letzten Peinlichkeiten korrigiert: Die zu kurzen Rolltreppen sind durch passende ersetzt worden, sodass Fluggäste, die vom unterirdischen Bahnhof auf den Vorplatz wollen, vom zusätzlichen Treppensteigen verschont bleiben. Doch vieles erinnert an Jahre zuvor: Von den Decken hängen offene Klappen herunter, hinter denen Kabel verlaufen. Die Monitore an den Check in-Schaltern zeigen fiktive Flüge an, und vor dem Terminal werden kaputte, in die Jahre gekommene Gehwegplatten ausgetauscht, auf die noch kein Passagier seinen Fuß gesetzt hat.
In elf Monaten soll das nach Vorstellung der Flughafengesellschaft ganz anders sein. Näheres wollen Aufsichtsrat und Flughafengesellschaft am Freitag bekannt geben. Immerhin sind an den Gates schon die Sitzgelegenheiten von den schützenden Plastikfolien befreit worden. Bis die ersten Passagiere auf ihnen Platz nehmen, halten die Reinigungstrupps sie staubfrei.