Ob die Einrichtung, die unter anderem herz- und krebskranke Kinder und ihre Familien nach Operationen betreut, eine Zukunft haben kann, ist offen. Bisher hat Peter Fritz, Investor des für die Klinik vorgesehenen Neubaus in Strausberg, keinen Träger präsentieren können, der die Arbeit mit dem besonderen Konzept der Familienorientierten Rehabilitation fortführen kann. Nach dem Aus in Bernau gibt es damit deutschlandweit vorerst nur noch vier Kliniken, die es anbieten. Und selbst wenn ein Träger gefunden wird: Der Betrieb in Strausberg würde frühestens 2021 starten, bis dahin besteht ein Betreuungsvakuum.
Nicht einfach so hinnehmen will diesen Fakt Aline Allich aus Mittweida in Sachsen. Auf der Plattform openpetition hat sie daher am 4. Dezember eine Petition gestartet, um die Öffentlichkeit und Politik wachzurütteln. Sie selbst war mit ihrem Mann und ihrem heute 14 Monate alten Sohn im vergangenen Mai zur Betreuung in der Waldsiedlung in Bernau. Nur sechs Wochen nach der Herz-Operation ihres mit Down-Syndrom geborenen Kindes – "und noch immer völlig traumatisiert von den Bildern auf der Intensivstation". Das Team der Kindernachsorgeklinik sei einmalig gewesen. "Es hat dafür gesorgt, dass unsere Familie den Weg zurück ins alltägliche Leben gehen kann, und es hat den Zugang zu unserem Kind gefunden. Erst durch diese Einrichtung sind wir überhaupt zu einer richtigen Familie geworden", sagt sie. Bei jeder Familie sei individuell geschaut worden, wie sie behandelt und wo ihr geholfen werden könne. "Da wurde nicht einfach eine Schublade herausgezogen."
Hoffnung auf Zukunft
Aline Allich ärgert besonders, dass die Politik bisher nicht eingegriffen und Geld zum Erhalt der Klinik in Aussicht gestellt hat. "Man rettet Banken und verpulvert Millionen Euro in den Flughafen, aber wenn es um kleine Patienten geht, dann ist dafür nichts übrig. Das finde ich traurig für unseren Sozialstaat", sagt sie und hofft, dass es für die Kindernachsorgeklinik in Strausberg, vor allem für das jetzige Team aus Ärzten, Therapeuten und Betreuern, eine Zukunft gibt. "Das Team dort ist einmalig gewesen, es darf nicht getrennt werden. Wir wollten doch gerne in zwei bis vier Jahren wiederkommen", sagt sie.
Mehr als 1600 Menschen haben Aline Allichs Petition, die an den brandenburgischen Landtag adressiert ist, inzwischen unterschrieben. Mehr als 600 Kommentatoren legen sich dort für die Klinik ins Zeug. Der Erhalt, so der Tenor, sei ein Muss. "Ich würde mir noch viel mehr Unterschriften wünschen", sagt Aline Allich, bei der sich inzwischen schon viele Mitarbeiter der Klinik, Patienten und andere Eltern für ihr Engagement bedankt haben.
Zu ihnen zählt auch Jana Röwer aus Wernigerode, die mit ihrem Mann einen eigenen und einen Pflegesohn hat. Beide Kinder sind herzkrank. Vier Mal waren sie in Bernau, um sich dort als Familie in Anschlussbehandlungen gemeinsam von Operationen zu erholen. "Es war jedes Mal wie nach Hause kommen. Wir mussten dort unsere Geschichte nicht immer wieder neu erzählen, konnten einfach zur Ruhe kommen", sagt sie. Besonders beeindruckt habe sie, dass bei einem Aufenthalt, bei dem ihr kleinerer Sohn nach seiner Herz-OP Primärpatient war, auch ihr großes Kind Therapien bekommen habe. "Und das, obwohl das von den Krankenkassen nicht gedeckt war."
Als sie von der Schließung hörten, dachten ihr Mann und sie, dass das ein schlechter Scherz sei. "Bei unserem letzten Aufenthalt im Mai haben wir mit dem Team noch gewitzelt, dass wir zur Eröffnung der neuen Klinik eingeladen werden, weil wir doch schließlich zum Inventar gehören. Und dann diese Nachricht so kurz vor Weihnachten", sagt Jana Röwer. Die Petition sei ein Versuch, noch etwas zu retten. "Unsere Kinder können sich ja noch nicht äußern, also sind wir als Eltern gefragt."