Das Bildungsministerium teilte in der vergangenen Woche mit, dass bereits 1164 Lehrkräfte für das kommende Schuljahr eingestellt sind. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht darauf aufmerksam, dass rund 1400 benötigt werden, um den Status quo aufrechterhalten zu können. Das Ministerium ist optimistisch, die Lücke noch schließen zu können.
Weiter steigen wird der Anteil der Seiteneinsteiger an den brandenburgischen Schulen. Das Ministerium spricht von 435 Kräften ohne die eigentlich erforderliche Qualifikation, die im kommenden Schuljahr ihre Tätigkeit aufnehmen. Das entspricht 38,7 Prozent der neuen Lehrkräfte. Vor einem Jahr betrug der Anteil noch 32,6 Prozent, 2018 lag er bei 26,4. Besonders hoch ist der Anteil in den Schulämtern Neuruppin, für das 109 Seiteneinsteiger vorgesehen sind und Frankfurt (Oder) mit 205. Aus den Erfahrungswerten der vergangenen Jahre zeichnet sich zudem ab, dass die meisten Seiteneinsteiger in den Grundschulen, den Förderschulen und den Oberschulen beschäftigt werden.
GEW-Landesvorsitzender Günther Fuchs geht von einem wesentlich höheren Seiteneinsteigeranteil aus. Er rechnet auch diejenigen Nichtpädagogen dazu, die im August einen entfristeten Vertrag erhalten, also bereits in den Schulen gearbeitet haben, aber noch keinen vollwertigen Abschluss erreichen konnten. Fuchs nennt eine Zahl von rund 800 Seiteneinsteigern unter den diesjährigen Neueinstellungen – das wäre mehr als die Hälfte. Sein größtes Problem: die vierteljährlichen Qualifizierungen für die Seiteneinsteiger vor dem Unterrichtsbeginn fielen in diesem Jahr aus und müssen nun berufsbegleitend  stattfinden.
Unklar ist auch, wie viele Lehrer angesichts der Pandemie noch zur Risikogruppe zählen und welche davon trotzdem zum Unterricht kommen. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärte am Freitag, dass Schwangere nach den bisherigen Erkenntnissen nicht länger als besonders gefährdet angesehen werden müssen.
Normalität  kann auch insofern nicht an den Schulen herrschen, da in den ersten Wochen erst einmal festgestellt werden muss, was die Schüler in Zeiten des Homeschooling gelernt haben. Dann muss festgelegt werden, wie zumindest in den Hauptfächern der Stoff aufgeholt werden kann. Ob unter diesen Umständen die üblichen Arbeitsgemeinschaften stattfinden können, ist fraglich.