Auf den Bildern der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (Ariwa) sind Hennen mit ausgepickten Federn und entzündeten Kloaken auf engstem Raum zu sehen, einige von ihnen tot zwischen den Lebenden liegend.
Kein Unterschied zu konventioneller Haltung
Die katastrophalen Zustände wurden offenbar in einem Massenstall in Uckerland (Uckermark) dokumentiert. In der Anlage für bis zu 39 999 Hühner werden Bio-Eier für die Marke Landkost-Ei produziert, einen der größten deutschen Eierproduzenten, die viele Discounter beliefern. Das veröffentlichte Material legt nahe, dass sich der Betrieb nicht von der konventionellen Haltung zu unterscheiden scheint. Dicht an dicht drängen sich die Tiere im Stall. Sechs Hühner pro Quadratmeter sind nach der EG-Ökoverordnung erlaubt.
"Enge und sozialer Dauerstress führen dazu, dass sich die Tiere gegenseitig kahl picken. Infolge des angezüchteten täglichen Eierlegens leiden auch Bio-Hennen häufig unter schmerzhaften, eitrig entzündeten Kloaken", kritisiert Ariwa-Sprecherin Sandra Franz. Viele Tiere würden nicht einmal die einjährige Legeperiode überleben, sagt sie. "Die restlichen Hennen werden getötet, sobald die Legeleistung nachlässt und sie damit unrentabel werden." Bio sei keine Alternative, wenn es um echten Tierschutz geht.
Nachweispflichten umgangen
Beim Anlieger- und Umweltschutz verfahre die Bio-Hennen-Anlage ähnlich konventionell. "Erst ab einer Anzahl von 40 000 Hühnern ist ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vorgeschrieben, an dem die Öffentlichkeit beteiligt werden muss", erklärt Franz weiter. "Es ist also kein Zufall, dass hier ein Stall für genau 39 999 Hühner beantragt wurde. So umgeht die Betreiberin verschiedene Nachweispflichten und zugleich möglichen Widerstand aus der Bevölkerung."
Betriebsleiterin Helga Menke weist die Vorwürfe zurück. Der Betrieb hätte "ausreichend lockeren Einstreu im Stall, großzügige Auslaufflächen und Spiel- und Pickmaterial für die Legehennen", heißt es in einer Stellungnahme. Darin betont Menke auch den "einwandfreien Gesundheitszutand" der Tiere, bestätigt durch die zuständige Veterinärbehörde sowie den Tierarzt.
Landkost-Ei verurteilt die illegal gemachten Aufnahmen scharf. "Die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften ist für uns eine Selbstverständlichkeit", sagt Sprecher Richard Geiselhart. "Wir führen regelmäßige Besuche bei unseren Erzeugern durch, um die Einhaltung unserer Vorgaben zu prüfen. Sollte es im Einzelfall zu entsprechenden Abweichungen kommen, werden diese durch zielführende Maßnahmen umgehend abgestellt."