"Als wir nach Gusow zurückkamen, war unsere Straße nur noch ein rauchender Trümmerhaufen", berichtet Konrad Schulz sichtlich bewegt. "Und was wir unterwegs gesehen haben, die Kriegsgeräte, die toten Soldaten, die aus den Panzern hingen. Es war grausam", fährt der Zeitzeuge im Film fort. Nach der Evakuierung seines Dorfes unweit der Seelower Höhen im Frühjahr 1945 kam er nur wenige Tage später dorthin zurück. Schulz erzählt, wie er als Kind die toten Tiere begraben musste. Die Erwachsenen kümmerten sich um die Menschenleichen.
175558
Es ist einer der kurzen Videomitschnitte, welche die Ausstellung im Museum der Gedenkstätte auf den Seelower Höhen nun bereichern. An modernen Medienstationen kann sich der Besucher diese und andere Bewegtbildbeiträge per Touchscreen aufrufen. Nur eine Neuerung in der überarbeiteten Dauerausstellung, die am Sonnabend feierlich eröffnet wurde. Land und Bund haben die Neugestaltung der Gedenkstätte mit 450 000 Euro gefördert. Dazu gehört auch das mehrsprachige Informationssystem in der Außenanlage, das schon im April übergeben wurde.
175525
Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Vertreter der Russischen Förderation waren nach Seelow gekommen, um dem abschließenden Festakt beizuwohnen, der gleichzeitig das 40-jährige Bestehen der international anerkannten Gedenkstätte markiert. Platzeck bezeichnete die Seelower Höhen in seiner Rede im Kreiskulturhaus als "Nahtstelle Europas", "einen der wichtigsten Orte des Gedenkens in ganz Brandenburg". Nach Auffassung des Ministerpräsidenten sei mit der neuen Dauerausstellung ein differenzierter Umgang mit der Vergangenheit gelungen. Audiovisuelle Medien seien in überzeugender Weise eingesetzt worden.
Tatsächlich finden Besucher auf den hellen Informationstafeln des dunklen Museumsraumes viel Neues. Wie Gedenkstättenleiter Gerd-Ulrich Hermann erläutert, ist die Ausstellung in drei Komplexe unterteilt. Während sich der erste mit dem Krieg und den Nachkriegsjahren beschäftigt, zeigt der zweite den Umgang mit der Gedenkstätte von ihrer Entstehung bis 1989, als die Seelower Höhen auch für Propagandazwecke der DDR-Obrigkeit dienten. Ein dritter Komplex behandelt die Geschichte der Stätte von 1989 bis heute. Denn wie Märkisch-Oderlands Landrat Gernot Schmidt in seiner Rede betonte, sei der Erhalt des Museums nach der Wiedervereinigung nicht selbstverständlich gewesen. Viele Anfeindungen habe er damals wegen seines Einsatzes für die Gedenkstätte einstecken müssen.
Neben dem Kriegsgeschehen beschäftigt sich die Ausstellung auch mit sich selbst. Das 1972 errichtete Ausstellungsgebäude, das dem Gefechtsstand der Roten Armee bei Reitwein nachempfunden worden war, wird im Sinne des Projektteams selbst zum Exponat. Die Schlacht auf den Seelower Höhen sowie die Kriegsfolgen werden im ersten Teil dokumentiert. Auf die Ausstellung von Kriegsgerät wurde, abgesehen von zwei Soldatenausrüstungen, verzichtet. Stattdessen wurde versucht, einen chronologischen Zeitverlauf bis in die Gegenwart herzustellen.
Dabei bleibt die Auswahl des Informationsmaterials überschaubar. Die Gefahr, dass sich der Besucher in einer Flut von Texten verliert, besteht nicht. Die Erläuterungen sind auf Deutsch und Englisch zu lesen. Ziel seien Übersetzungen ins Polnische und Russische, kündigte Gerd-Ulrich Hermann zum Festakt an.
Viel Lob war auch unter den Besuchern zu vernehmen, die sich neben Medienvertretern am Sonnabendvormittag im Anschluss an die Reden auf die nur 80 Quadratmeter Ausstellungsfläche drängten. Ein paar Mäkeleien an der Aufmachung der Informationstafeln und zaghafte Begegnungen mit der neuen Technik gehörten auch dazu.
Im Schnelldurchlauf führte Gerd-Ulrich Hermann den Ministerpräsidenten und die internationalen Gäste durch den Raum. Gelegenheit, sich in aller Ruhe mit den Exponaten zu beschäftigen, gab es erst im Anschluss an den offiziellen Teil, ohne Kameras, Mikrofone und Blitzlicht. Viele Anwesende versprachen wiederzukommen.