Was verbindet die Entwicklung von Flugzeugtriebwerken an der Technischen Universität in Cottbus mit Forschungen zur Solarthermie an der Hochschule Brandenburg(Havel), Untersuchungen zur patientennahen Labordiagnostik an der TH Wildau (Dahme-Spreewald) sowie Testverfahren zum Einsatz von Holz-Formteilen in der Industrie an der Hochschule Eberswalde (Barnim)? All diese Vorhaben sollen in den kommenden Jahren mit dem Einsatz europäischer Fördermittel umgesetzt werden. Konkret wurden für die genannten Einzelbeispiele von 2,5 Millionen bis zu 50000 Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (kurz EFRE) beantragt. Und dabei handelt es sich nur um vier von mehr als 30 Projekten.
"Forschungen, die von Hochschulen und Unternehmen aus den Regionen gemeinsam betrieben werden sind ein wichtiger Schwerpunkt dieses Fonds." Das sagt Eva Lieber, die in der Generaldirektion Regionalpolitik der EU-Kommission für die Programme in Deutschland und den Niederlanden zuständig ist. Im bereits abgeschlossenen Förderzeitraum von 2006 bis 2013 seien in Brandenburg geschätzt 8600 Arbeitsplätze durch den Einsatz solcher EFRE-Mittel entstanden. Zwar nicht ausschließlich, aber doch zum großen Teil dank der Kooperation von Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen mit den Unternehmen.
Natürlich entstehen einige dieser Arbeitsplätze auch an den Hochschulen selbst. Allein durch das Triebwerksforschungsprogramm der BTU in Cottbus, das mit dem Industriepartner Rolls Royce erfolgt und außer von der EU auch vom Bund und von Brandenburg gefördert wird, sind elf neue Forschungsstellen für die Lausitz verbunden.
"Das EFRE-Programm ist aber nicht das einzige, an dem sich die BTU beteiligt", sagt Kristin Luban von der Stabsstelle Kommunikation der Universität. Seit langem nehmen verschiedene Lehrstühle auch am EU-Forschungsrahmenprogramm teil, welches sich primär an Forschende richtet. Dort wird ein scharfer europaweiter Wettkampf um die Forschungsmittel geführt. "In einem der aktuellen Projekte untersuchen BTU-Wissenschaftler gemeinsam mit Partnern die Nutzung von Standorten für die Produktion von Biomasse", erläutert Luban.
Bernd Schlütter, Sprecher der Technischen Hochschule Wildau, meint sogar, "das fast bei allen unseren Schwerpunkten EU-Geld dabei ist. Das fange bei der Ausrüstung der TH mit neuer Technik an, gehe bei den Forschungen weiter und setzte sich bei der Unterstützung der mittlerweile 1000 ausländischen Studierende an der TH fort. Gaststudenten aus Ungarn, China, Russland oder anderen osteuropäischen Ländern würden beispielsweise in sprach- und fachlichen Kursen vorbereitet, die zum Teil vom Erasmus-Programm der EU unterstützt werden.
Dieses besonders auf den Austausch von Wissenschaftlern und Studierenden zielende Programm hat naturgemäß auch für die Frankfurter Europa-Universität besondere Bedeutung. Die EU aber fördert auch das "Frankfurter Institut für das Recht der Europäischen Union" (fireu) an der Viadrina. Für das neueste Projekt, dass sich mit der "Effektivität des EU-Rechts in der gegenwärtigen Krise der Europäischen Union" beschäftigt, wurden für die kommenden Jahre 80000 Euro bewilligt.
Um sich im Dschungel der EU-Maßnahmen zurechtzufinden, wurden an den Hochschulen spezielle Einrichtungen geschaffen - die Center für regionalen und internationalen Technologietransfer, die auch selbst dank der EU-Mittel existieren. "Unsere Mitarbeiter unterstützen Praxispartner aus der Region bei der Entwicklung von Förderanträgen", sagt Bernd Schlütter. Denn kleineren Unternehmen fehle dafür nicht nur das Personal "es fällt ihnen auch schwer, die Fallstricke in solchen Verfahren zu überwinden".
Laut dem Potsdamer Wissenschaftsministerium flossen 2014 und 2015 mehr als 30 Millionen Euro aus EU-Wissenschafts-Programmen an Projekte in Brandenburg, der Großteil davon an Forschungsinstitute. Um den Anteil der Hochschulen noch zu erhöhen, wurde ein Netzwerk gegründet, in dem die Einrichtungen bei der Einwerbung der Mittel noch enger zusammen arbeiten sollen. Die Hochschule in Eberswalde hat die Koordination übernommen. Aktuell nehmen Eberswalder Wissenschaftler am Projekt "HealthyGrowth" teil, in dem sie mit Forschern aus zehn anderen Ländern das Wachstum der ökologischen Lebensmittelwirtschaft analysieren.