„Das waren keine privaten Gefälligkeiten, sondern es wurde gezielt Klimapflege betrieben“, sagt Richter Matthias Fuchs. Diese „Klimapflege“ habe der Choriner Unternehmer Fred B., der an mehreren Bau- und Ingenieurfirmen im Barnim beteiligt ist, verfolgt, um weiterhin von Aufträgen des Amtes zu profitieren. Fred B. wurde wegen dieser Vorteilsgewährung und Betruges mit Fördergeldern zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Ein ebenfalls angeklagter Komplize aus dem Baugewerbe erhielt eine Geldstrafe von 2400 Euro.
Dem Prozess vorausgegangen waren jahrelange Ermittlungen. Ins Visier der Rechnungsprüfer rückte das Amt erstmals nach der Sanierung des Krafthauses Niederfinow, welches heute die Touristinformation beherbergt. Es wurde Mitte der 2000er Jahre mit Fördergeldern umgebaut. Den Prüfern fielen überhöhte Abrechnungen auf. Danach wurden weitere Unregelmäßigkeiten offenkundig. So waren auf dem Grundstück von B. mehrere Privatgebäude renoviert worden – mit Fördergeldern. Doch diese waren für eine andere, touristische Baumaßnahme beantragt worden. Hier sieht das Gericht den Tatbestand des Betruges erfüllt. Insgesamt sei ein Schaden von 22 800 Euro entstanden.
Hinzu kommen vier Bauleistungen, die B. für den Amtsdirektor bezahlte und die sich nach Angaben des Gerichts auf insgesamt 15 000 Euro beliefen. Hierbei sei mit „getürkten Rechnungen“ gearbeitet worden, so Fuchs. Als Auftraggeber wurde darin widerrechtlich das Amt aufgeführt.
Den Behauptungen der Verteidiger, dass der Verwaltungschef die Summe per Raten zurückgezahlt habe, dies aufgrund mündlicher Absprachen, schenkte Richter Fuchs keinen Glauben. Eine Zeugin, die das bestätigen sollte, verstrickte sich in Widersprüche. Für die Bauarbeiten seien gezielt Firmen ausgewählt worden, „denen das Wasser bis zum Hals stand“, und bei denen man hoffte, dass sie keine unangenehmen Nachfragen stellen, sagt Fuchs.
Das Urteil kann für den Amtsdirektor jetzt unangenehme Folgen haben. Die kreisliche Kommunalaufsicht führt gegen ihn bereits ein Disziplinarverfahren. Gestern Abend musste sich Schneider vor dem Amtsausschuss in Chorin erklären. Der Richterspruch allein führt nicht zu seiner Entlassung: Das Beamtenverhältnis kann erst ab einer Freiheitsstrafe von einem Jahr beendet werden.