Jeder hat mal einen schlechten Tag, weiß Michaela Heinz. Phasen, in denen man Beistand braucht. "Da hilft ein Hund. Er schafft im Büro ein ganz anderes Arbeitsklima", ist die 31-jährige Firmeninhaberin überzeugt. Deshalb hat direkt unter ihrem Schreibtisch Daisy ihr Plätzchen - Bürohündin Daisy. Sie bringe einfach Freude in den Laden. Die Kollegen, die Kunden, die Postfrau - alle seien in Gesellschaft des Chihuahuas sehr gelöst. "Und wir kommen im Laufe des Tages auch mal raus. Hundepause statt Raucherpause."
Im Oktober 2015 hat sich Michaela Heinz mit ihrer Druckerei und derzeit vier Mitarbeitern in der Landeshauptstadt angesiedelt. Eine ihrer Spezialitäten sind farbige Foto-Drucke auf Holz - von der Weinkiste bis zur Bierbank. In Nordrhein-Westfalen, wo sie zuvor aktiv war, hatte die Firma sieben Mitarbeiter und sogar zwei Bürohunde.
"Es muss natürlich passen, nicht jeder Hund ist geeignet. Von einem hyperaktiven Jack Russel würde ich eher abraten", erzählt sie. "Daisy pennt einfach viel, und sie kennt ihren Platz: Die Maschinen sind tabu." Michaela Heinz würde sich über Nachahmer freuen. Sie habe lange in den USA gelebt, dort sei die Bedeutung von "emotional dogs" in viel größerem Maße anerkannt, also von Hunden, die einfach durch ihre Anwesenheit Unterstützung leisten.
Die Fäden der Bürohund-Befürworter laufen in Berlin-Kreuzberg bei Markus Beyer zusammen. Vor zwei Jahren hat er einen Bundesverband ins Leben gerufen, um den Ansatz publik zu machen und um Unterstützung zum Beispiel bei Krankenkassen zu werben. "Ziel ist die Reduzierung der Fälle von Burnout", sagt der 53 Jahre alte Hundetrainer. Die immer häufiger bei Arbeitnehmern gestellte Diagnose sei für die Betroffenen und ihre Angehörigen meist ein Schicksalsschlag, und dem Gesundheitssystem beschere sie hohe Kosten.
Die Gesellschaft von Hunden sei deshalb so wertvoll, weil sie die Oxytocinproduktion im menschlichen Organismus anrege. "Ein Wunderhormon, von dem leider die wenigsten wissen." Blickkontakt zwischen Mensch und Hund genüge demnach, um auf beiden Seiten das sogenannte Kuschelhormon auszuschütten. Effekt für den Büroalltag: Mitarbeiter seien motivierter, loyaler und kreativer - und sie fühlten sich einfach wohler. In vielen großen US-Konzernen seien Bürohunde Standard.
Neben den Krankenkassen, bei denen Markus Beyer um Prämien für den Einsatz von Bürohunden wirbt, sind Firmenchefs die Adressaten seiner Lobbyarbeit pro Vierbeiner: "Ich wünsche mir, dass sie mal eine Minute darüber nachdenken, ob ein Hund etwas bringen könnte." Eine Fülle von Argumenten hat Beyer auf der Internetseite des bislang von 2500 Menschen unterstützen Verbands gesammelt.
Er betont, dass ein Bürohund nicht der Firma gehöre, sondern immer Menschen, dass ein Vierbeiner nur in Frage komme, wenn es für alle Seiten passt, also auch für den Hund. Oft höre er von Leuten, dass sie sich gern einen anschaffen würden, wenn sie ihn zur Arbeit mitnehmen dürften. Hier hoffe er, mit dem Verband Argumentationshilfe leisten zu können.
Etwaige Sorgen hält Beyer für unbegründet oder überzogen, aber das möge am Ende jeder für sich entscheiden. "Nur drei von 100 Menschen haben eine Allergie gegen Hundehaare", betont er. Und zum Hund etwa als mögliche Stolperfalle im Büro sagt er: "Alles ist gefährlich oder nicht - das ist immer eine Frage der Perspektive."
Infos des Bundesverbands: www.bv-bürohund.de